Sonntag, 19. Juli 2015

Les Baux-de-Provence: Die Weinkarte des "Oustau de Baumanière"


Ordentlich, aber nicht das "Baumanière". Dafür aber meine bezahlbaren Favoriten
In zinstiefen Zeiten lohnen sich Immobiliengeschäfte oder konspirative Vorgehensweisen: Etwa dem Sommelier des „L'Oustau de Baumanière“ auf seinen Reisen nach Burgund und ins Bordeaux zu folgen und dann dort bei den gleichen Weingütern einzukaufen. Warum? Das können Sie sich am Ende dieses Beitrags leicht ausrechnen.

Wenn Sie heute mit Ihrer Frau im „Baumanière“ in Les Baux (merci à Ruy Fanez, denn ich hatte das Restaurant nach Gordes verlegt) zu Mittag essen und ein Menü mit dem schönen Namen „La Ballade des Baux“ zu sich nehmen, dann kostet das zunächst einmal nur 420 Euro. Nun gibt es ja die gastronomische Hochrechnung, dass ein Restaurantbesucher für das Essen etwa genau so viel ausgibt, wie für die Getränke. Diese Formel gilt hier nur bedingt, etwa wenn Sie einen der selteneren Weißweine aus Chateauneuf-du-Pape vom Château Rayas zu 450 Euro wählen. Der Rote des Jahrgangs 1990 kostet das Dreifache.

Es kann aber auch ein Vielfaches des Menüpreises werden, etwa wenn wir an einen Burgunder aus Montrachet von der „Domaine de la Romanée Conti“, den aus dem Jahr 2003, denken. Dann wären wir schon bei 4.500 Euro. Auch Aris Enkelin wird sich das nicht jeden Tag leisten wollen. Sie hat im vergangenen Jahr das Haus Ihres Großvaters Ari in Gordes für 400.000 Euro verkauft. Ari hatte vor sechzig Jahren noch 200 Francs dafür bekommen, daß er das Haus einem Bauern überhaupt abkaufte und sich vor dem Notar verpflichtete, es für den Sommer bewohnbar zu machen
und das Grundstück zu pflegen.
Aris Haus: Mit Phantasie und Schwielen zur Goldgrube - nicht nur in Gordes
Dem Bauern war es peinlich, wann immer er in die Bar oder die Mairie ging, auf diesen langsam zerfallenden Schandfleck am Dorfplatz angesprochen zu werden. Nach dem Notartermin freute er sich in der Bar du Commerce über das gute Geschäft, das er gemacht hatte. Ein Abriß hätte gut und gerne das Doppelte gekostet.

Neben etwas Geld, der teuerste Champagner liegt bei 3.900 Euro - ein Clos d’Ambonnay aus dem Jahr 1995 - sollten Sie vor allem Zeit mitbringen ins „Baumanière“. Allein die Weinkarte hat einen Umfang von siebzig Seiten mit Flaschenpreisen bis zu 14.500 Euro. Wenn wir uns die älteren Bordeaux ansehen, etwa einen Lafite, den Jean-André Charial bis zurück ins Jahr 1870 vorrätig hat, erfahren wir den Flaschenpreis nicht mehr aus der Weinkarte. Für die Jahrgänge von 1870 bis 1924 erhalten Sie die Preise „auf Anfrage“.

Immerhin: Wer Angst vor einer Alkoholkontrolle hat, dem bietet der Sommelier an, die angebrochene Flasche mit nach Hause zu nehmen und dort in Ruhe auszutrinken. Und wer dann noch 5.000 oder mehr Euro in der Flasche hat, tut dies auch sicher gerne. 

...Tomaten aus dem Garten
Von einer Regel wird im „Baumanière“ allerdings regelmäßig abgewichen, nämlich der, dass der Wein, den man trinkt auch der sein müsse, den der Koch für die Soße nimmt. Der in Pakistan geborene Sylvestre Wahid, der die Küchenbrigade fast zehn Jahre dirigierte und sich zwei Sterne erkochte, soll schon mit Weinen gekocht haben, die nicht einmal fünfhundert Euro gekostet haben. Was Wahid aus einem Stück Loup de Mer und ein paar Muscheln zaubert, sehen Sie HIER im VIDEO von Côté Chef.

Die Weinkarte ist mit einer Reihe von Zitaten von Victor Hugo geschmückt, darunter einem Text, von dem aber nur die beiden ersten Zeilen wiedergegeben werden. Die dritte Zeile konnte Hugo allerdings auch noch nicht kennen.

„Der liebe Gott hat nur das Wasser gemacht,
der Mensch aber den Wein,
und das Oustau de Baumanière die Preise.“

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Ich freue mich auf Ihre Anregungen. mh