Samstag, 23. April 2016

Zinedine Zidane und Mick Jagger in Nebenrollen

Zidane auf seiner berühmten Wand und Jagger auf
einem T-Shirt. Bilder von Yannis Bautrait und Reckon 
Geschichten in denen Zinedine Zidane und Mick Jagger nur kurze Gastspiele geben, habe ich auf meiner Homepage für diesen Blog angekündigt. Und hier sind sie.

Mick Jagger und seine Band-Kollegen waren natürlich mehrfach in Südfrankreich, so im Sommer 1971, als sie in der Nähe von Antibes jeder seine eigene Villa bewohnten. Im Keller des Hauses von Keith Ricards hatten sie ein provisorisches Studio eingerichtet, komponierten und probten, wenn es die Drogenlage hergab. Bill Wyman hatte Heimweh, wollte nach Hause, sehnte sich nach englischem Essen und englischer Milch. Und Mick Taylor, erst kurz dabei für Brian Jones - dessen Tod (ertrunken oder ermordet?) bis heute nicht geklärt ist - genoß sein Leben als Rockstar. Die BBC hat eine Dokumentation über dieses Jahr gedreht: Stones in Exile. Es sei tatsächlich schon etwas wild gewesen damals, gestand Jagger (inzwischen Sir Mick) rund vierzig Jahre später der britischen Zeitung "The Telegraph" ein.
"Damals waren wir jung, gutaussehend und dumm. Heute sind wir nur noch dumm." 
Vézénobres: Ein Gordes ohne Touristen, aber 
kein Umfeld für Mick Jagger
Wem Gordes und Bonnieux gefallen, der kann sich in Vézénobres ansehen, wie die beiden vertouristeten Hochburgen ohne den ganzen Rummel ausgesehen haben müssen; Mick Jagger hat sich jedenfalls 1978 hier niedergelassen - in der Rue Basse gleich hinter dem Schloß - und ist vor dieser Ruhe und Abgeschiedenheit kurz darauf wieder geflohen. In manchen Straßen ist das romanische Stadtbild noch mit ganzen Häuserzeilen erhalten und, wie auch der restliche Stadtkern, mit alten Materialien sorgfältig renoviert.
Zidane: Made in Marseille und hier auf der Treppe des
Adidas-Shops auf der Canebière mit seinem Konterfei. Bild Merci à Adidas

Sicher kennen Sie das Bild (siehe oben) der berühmstesten und meistphotographiertesten Mauer von Marseille direkt an der Küstenstraße in Richtung Osten, genau da wo die Corniche Kennedy über den Place Paul Ricard führt. Keinesfalls griechischen Ursprungs. Zidane war jahrelang als fünfzehn Meter hohes Portrait darauf zu sehen, Adidas hat es bezahlt und beschriftet ist die Wand auf englisch: „Made in Marseille“.

Ziadane ist in einer jener verufenen Hochhauswüsten von Marseille aufgewachsen, die Polizei, Sozialarbeiter und Stadtverwaltung gerne vergessen, La Castellane, und die noch am ehesten als Problemviertel in die Romane von Jean Claude Izzo gehört. Als „Yazid“ war Zidane hier in jungen Jahren bekannt, erst später bekam er den Spitznamen „Zizou“. 


Auch heute geht nichts ohne die "10". Bild LCM/Calicot
"Und Zinedine?" läßt Leila Sebbar in Ihrem Buch Mes Algéries en France Zidanes Mutter erzählen.
"Wie sollte ich wissen, daß mein Sohn überall auf der Welt Zidane genannt und ebenso bekannt sein würde wie de Gaulle. Als er klein war habe ich zu seinem Vater gesagt. Den ganzen Tag hat er nur Fußball im Kopf. Das ist wirklich nicht genug. Wie will er denn mal Geld verdienen?"

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Ich freue mich auf Ihre Anregungen. mh