Samstag, 5. November 2016

Collioure: Das Museum in der Kneipe des Monsieur Pous

Collioure: Auch heute noch eine Stadt der Maler.                   Bild tobi87 cc

Es gebe in ganz Frankreich
„keinen blaueren Himmel als den von Collioure. Ich brauche nur die Fensterläden zu öffnen und schon habe ich alle Farben des Mittelmeeres bei mir“,
begeisterte sich Matisse und übertrug diese Überschwänglichkeit auf seine Palette. Für ihn
„die perfekte Synthese von Land und Meer, ein Ort, der sich
Knallige Farben im ganzen Ort
zwischen den letzten Ausläufern der Pyrenäen und dem ultramarinblauen Mittelmeer in die Bucht schmiegt wie ein schläfrig-zufriedenes Tier, das zwischen Orangen und Oleander in der Sonne döst“.
Er wählte leidenschaftliche Töne, ein
„sonnentrunkenes Chromgelb, grelles Ziegelrot, exaltiertes Orange vor tintig dunkler Dünung“,
wie Claudia Diemar das in der NZZ beschrieb; hier der ganze Artikel.

Den Weg um Schloß und Hafen von Colliure sollte man nicht ohne einen Stopp in der Bar „Les Templiers“ beenden. Als Matisse, Derain,

Braque, Dufy - die Fauves, die Wilden, wie sie von einem Journalisten damals abwertend getauft wurden - hier noch malten, war die Kneipe von René Pous schon deshalb ihr Hauptquartier, weil der ihnen immer wieder Bilder abkaufte oder bei Liquiditätsengpässen in Zahlung nahm. Und die Liquiditätslage muß schlecht gewesen sein in jener Zeit und auch noch, als sein Sohn Jo diese Tradition fortführte.

An die zweitausend Bilder finden sich in der Bar und dem angeschlossenen Hotel. Monsieur Pous hat mir gesagt, es gäbe keine Liste der Gemälde und erst recht keinen Katalog für eine Sammlung, nach der jedes Museum sich die Finger lecken würde. So ganz habe ich das nicht geglaubt. Wer nach Vorgaben der Versicherung eine Alarmanlage stets auf dem neuesten Stand hält und von manchen Bildern nur eine Kopie hängt, der hat auch ein Verzeichnis seiner Schätze.


Und was nicht nur für Museumsrestauratoren eine ganz erstaunliche neue Erfahrung sein muß: Kneipenrauch und Salzwasserluft scheinen die Bilder auf ein ganz besonders positive Art und Weise zu konservieren. Und wenn die Kaffeemaschine dem dahinter hängenden Picasso mal etwas Dampf macht, meint Pous nur:
„Das ist schon die vierte Maschine, aber immer noch der gleiche Picasso.“




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