Samstag, 26. März 2016

Trüffel nicht nur in Richerenches und Uzès

Einfach und klassisch: Trüffelomelette
Manche Daten prägen sich einfach ein: So der erste Samstag nach dem 15. November. Um halb zehn können wir uns jedes Jahr auf dem Trüffelmarkt in Richerenches begegnen. Einfach von Bollène aus etwa 25 Kilometer nach Nordosten. Dort, auf der Avenue de la Rabasse und dem Cours du Mistral, provenzalischer geht es fast nicht, findet einer der bekanntesten Trüffelmärkte (HIER im VIDEO) statt. Mit "lou rabasso" bezeichnen die Provenzalen ihre schwarzen Diamanten. Morgens wird der Tagespreis für die Trüffel
festgelegt und dann beginnt ein Handel, der immer noch meist ein steuerfreies Geschäft ist. Deshalb sind auch Kameras auf den Märkten nicht gerne gesehen.

Machen Sie doch den Versuch und verlangen Sie einmal eine Quittung mit Datum und Namen des Verkäufers. Schneller können die Trüffel nicht wieder im Kofferraum verschwinden und Ihr Gesicht ist dem Verkäufer auch noch ein Jahr später ins Gedächtnis gebrannt.

Ganz seriös, also weniger schwarz, geht es zu, wenn die großen Einkäufer kommen, die dann schnell fünfstellige Summen ausgeben, aber in der Regel direkt bei ihren Vertrauenspersonen kaufen, bevor die ihre Ware auf dem Markt anbieten. Frische - und damit auch das Gewicht - ist der wichtigste Wertfaktor der Trüffel. Fünf , sechs Stunden später werden die Pilze bereits in Paris (je nach Qualität und Jahr für 1.200 bis 3.000 Euro je Kilogramm) weiterverkauft. Spitzenköche sagen, daß ein Trüffel nach zehn Tagen fatigué, nach vierzehn Tagen mort ist.

Manche frieren Trüffel ein; so hat dann der teuer zahlende Gast mehr etwas fürs Auge als den Geschmack. Die beste Art Trüffel aufzuheben, ist in einer mit Erde gefüllten Holzkiste im nicht zu kalten Kühlschrank.
Mehr Besucher als Einwohner während des Trüffelmarktes
Sogar wer erst nach dem Mittagessen durch die Avenue de la Rabasse spaziert des 600-Seelen-Dörfchens spaziert, wird noch vom Trüffelhauch umwoben. Irgendwann im März ist die Trüffelsaison zu Ende. Die genauen Daten und auch die Tagespreise erfahren Sie vom Office de Tourisme (0033 490 28 05 34) im Alten Templerquartier; von dort stammen auch einige Bilder dieses Beitrags.
Vier Generationen von Trüffelkennern: Die Familie Tournayre
Eine seriöse Adresse für den Trüffelkauf findet sich an der D 981, der Route d'Alès Nummer 830 in Uzès: Les Truffières; hier auch in Bildern. Der Familienbetrieb von Michel Tournayre wurde in den 1950er Jahren von seinem Großvater Pierre, der von allen nur "lou Pierret" genannt wurde, gegründet. Heute können Sie hier auch eine geführte Trüffelsuche mitmachen (04 66 22 08 41) oder im Sommer eine Führung durch eine der größten Trüffelplantagen in Frankreich. Samstag vormittags ab zehn Uhr gibt es auch einen Kochkurs mit Thomas Clament.


Mit guter Spürnase auch selbst erfolgreich
Unmengen von Trüffelrezepten gibt es; in der Regel sind die einfachsten die besten. Wenn Sie es sich aber tagsüber verdient haben, was Sie selbst entscheiden, könnten Sie sich mit einer „Luberon- Bouillabaisse“ verwöhnen lassen, die im „La Fenière“ in Lourmarin aus getrüffelten Kartoffeln, grünem Spargel und Wachteleiern gezaubert wird.

Den Abend können Sie mit der Lektüre von Gustaf Sobins „Trüffelsucher“ beschließen, dessen Cabassac seinen kostbaren Schatz nicht im Unterholz der Wälder, sondern in seinen kaum besuchten Vorlesungen über die provenzalische Sprache findet. Das Buch des Amerikaners ist kein Buch für Doppelnamen-Frauen, wie der Verriß von Kristina Maidt-Zinke in der Frankfurter Allgemeinen zeigt. Als mißglückter

„getrüffelter Kaiserschmarrn voll schwüler Erotik“
wird Sobin von ihr als ungenießbar angesehen. Cabassac indes schert sich nicht drum und
„ging weiterhin in jedem Winter auf die Trüffelsuche, so wie er im Frühling wilden Spargel stach, blühende Heilkräuter im Sommer sammelte und eine Fülle von bleichen, gefleckten Pilzen im Herbst.“
Wie Sobin selbst übrigens auch, den die Spurensuche nach René Char in die Provence, nach Goult, führte, wo er die längste Zeit seines Lebens wohnte. Der umfangreiche Briefwechsel der beiden ging nach Sobins Tod im Jahr 2005 an die Yale Collection of American Literature.