Samstag, 4. Juni 2016

Les Baux-de-Provence: Yves Brayer und sein Museum

Im Hôtel des Porcelets in Les Baux–de-Provence befindet sich das in ganz Südfrankreich beworbene Museum von Yves Brayer. Vor allem seine Bilder aus Italien sind hier ausgestellt, obwohl der Künstler lange in Les Baux lebte und auch hier begraben liegt.
Brayers  Les Baux aus dem Jahr 1963 und der Eingang zum Museum. Bilder Museum
Viele seiner provenzalischen Motive sind immer noch im Kunsthandel zu erwerben und liegen preislich inzwischen im unteren fünfstelligen Bereich. Die Galerie 26 in Paris, an der Place des Vosges, an der Simenons Maigret so gerne gewohnt hätte, ist hier eine gute Adresse.

Dreißig Jahre zuvor waren Brayers Bilder auf Flohmärkten noch für 500 Francs zu haben, wenn es denn echte waren, denn Brayer gehört sicher zu denen, die sich leicht kopieren lassen. Das ist ein weites Feld, denn in der Juristendenke kann ein „falsches“ Bild „echt“ sein und auch die „Fälschung“ ein „Original“. 


Hier ein originaler van Gogh, also ein selbstgemalter, von irgendwem in China.
Preis inklusive Rahmen 25 Dollar, also voraussichtlich kein echter.
 Als Gauguin nach Arles kam, um Vincent van Gogh zu besuchen, zeigte der ihm die unsignierte Kopie eines Bildes von Jean François Millet. Auf die Frage, ob es ein Original sei, antwortete Vincent voller Überzeugung:
„Natürlich, ich habe es ja selbst gemalt!“
 Die Episode könnte so stattgefunden haben, könnte aber auch nur eine plausible Geschichte sein.

Dies als Warnung oder Anreiz, wenn Sie vorhaben, sich als Mäzen einer der zahlreichen Straßenkünstler der Region zu engagieren. Einen Überblick über Ausstellungen und Events bietet zuverlässig, und in den Bewertungen erfrischend subjektiv, die an vielen Stellen kostenlos ausliegende Zeitschrift „l‘Art...Vue“. 


Auch wenn Sie weiter im Südwesten unterwegs sind, können Sie sich in Cordes-sur-Ciel im Departement Tarn im dortigen Musée d'Art Contemporain et Moderne einen Saal mit Brayer-Bildern ansehen - HIER im VIRTUELLEN RUNDGANG.


Yves Brayer: Pinienallee in Saint Paul de Mausole, 1946. Bild Museum


 

Sonntag, 29. Mai 2016

Cavalaire und Saint Tropez: Landung der Alliierten im August 1944

Landung der Alliierten in Südfrankreich
Nach der Juni-Landung in der Normandie wollten die Alliierten im Rahmen der Operation „Dragoon“ (HIER im VIDEO) möglichst schnell eine zweite Front in Südfrankreich aufbauen. In der Nacht vom 14. auf den 15. August gingen amerikanische - die 7. Armee unter General Patch - und französische Streitkräfte - die Armee B unter General de Lattre de Tassigny -, fast ohne auf deutschen Widerstand zu stoßen, an Land.
Im Gegensatz zur Normandie fast ein Spaziergang nach Marseille und durch das Rhonetal
Zeitgleich wurden die Resistance und die Forces Françaises de l'Intérieur über Radio London informiert. Ihnen gelang es mit Hilfe von über fünftausend Fallschirmjägern, die im Tal von Argens abgesetzt worden waren, die Zugänge zu den Landungszonen zu sichern. Innerhalb von nur zwei Tagen waren fast einhunderttausend Soldaten mit zehntausend Fahrzeugen an Land.

Ein Vorgehen, wie es sich John Steinbeck, einer der erfolgreichsten US-Autoren des 20. Jahrhunderts und damals Kriegsreporter der New York Herald Tribune, in seinen Romanen und Konzeptionspapieren für den amerikanischen Geheimdienst nicht besser hätte ausdenken können.


John Steinbeck. Bild Gucklan
Für Roosevelts Geheimdienstchef William Donovan, der schon zu seinen New Yorker Anwaltszeiten von seinen Kollegen den Spitznamen „Wild Bill“ bekommen hatte, verfaßte Steinbek eine Projektskizze über „Organisation, Bewaffnung und Einsatz zahlreicher Widerstandskämpfer in den besetzten Gebieten Europas“. Donovan fand die Idee gut und gewann Steinbeck, wie zuvor schon Thornton Wilder, für seine Propagandatruppe des „Foreign Information Service“. Doch dann machte Steinbeck ein Buch daraus, das unter dem dem Titel „The Moon is down“ ein Millionenseller wurde. Manchmal aber diente es, zum Beispiel in Frankreich, als Sabotageanleitung, wie Rainer Schmitz recherchiert hat. Es existierten handschriftliche Exemplare, „abgeschrieben auf Abfallpapier und mit Zwirn zusammengeheftet“, deren Besitzer sich damit ins Lebensgefahr brachten.

Die Deutschen hatten sich auf eine Landung zwischen Toulon und Marseille eingestellt und nicht auf die Gegend zwischen Cavalaire, Saint-Tropez und Cannes. Mit drei Infanteriedivisionen landeten die Amerikaner. Am westlichen
Alpha Beach bei Cavalaire, am Delta Beach bei Saint-Tropez und am östlichen Camel Beach bei Saint-Raphael. In Cavalaire wird noch heute jährlich am 15. August das Landungslager am Strand nachgebaut.

Die Landung der Alliierten war alles andere als perfekt vorbereitet. So mußten sie sich auf schlechtes Kartenmaterial verlassen, teilweise handgefertigte Skizzen, die nach den Fotos der Aufklärungsflugzeuge gezeichnet worden waren. Geschützbunker wurden aufgrund der aufgemalten Palmen mit Ferienhäusern verwechselt und selbst die zur Ablenkung der Luftangriffe auf die Straßen gemalten Lkw-Kolonnen wurden nur teilweise erkannt. Geographische Namen tauchten in englischen Übersetzungen auf, der Mont Rouge als Red Rock und die Entfernungen und Höhenangaben mußten in Meilen und Fuß umgerechnet werden.