Samstag, 18. Juni 2016

Pont du Gard: Zweisterne-Imbiß für unseren Hund

Moritz Hartmann: Der Revolutionär  
findet Zuflucht beim Adeligen
Remoulins bildet „den Stapelplatz aller Besucher des römischen Monuments“, schrieb Moritz Hartmann in einer Novelle für die Kölnische Zeitung. Selbst den deutschen Lesern mußte dieses Monument nicht mehr namentlich benannt werden; der Pont du Gard war auch hier gleichbedeutend für die römische Provence. Es sei so üblich, „daß man im Gasthaus Pferd und Wagen stehenläßt, und von da aus zu Fuß dem Gardon entgegengeht, während welcher Zeit das freundliche Gasthaus ein üppig südliches Mittagessen für die Rückkehrenden bereitet. Dieses Gasthaus gibt dem fremden Wanderer auch einen Führer mit. Der Führer heißt Porthos, wie der eine der Dumasschen Mousquetäre und ist unter seinen Kollegen sicher einer der merkwürdigsten dieses Jahrhunderts."

Pont du Gard: Im 19. Jahrhundert hieß er nur "das römische Monument".
Den Namen Fremdenführers verdiene er nicht,
"denn schweigsam, ja stumm geht er neben dem Wanderer einher und begnügt sich, durch einfaches Stehenbleiben auf die schönsten An- und Aussichtspunkte aufmerksam zu machen. Er unterscheidet sich dadurch aufs vorteilhafteste von seinen Kollegen, die gewöhnlich im Wanderer keinen eigenen Gedanken aufkommen lassen und es für ihre Pflicht halten, die ganze Zeit mit eingelerntem Geplauder auszufüllen.“
Und niemals, sagt Hartmann, er wisse es ganz gewiß, habe dieser Führer auch nur das kleinste Trinkgeld angenommen. Bescheiden und dankbar nehme er allenfalls am Mittagessen teil. „Unter Menschen sind diese Tugenden alle ausgestorben, besonders, wenn sie in der Nähe berühmter Monumente wohnen.“ Ach, und er habe ganz vergessen zu erwähnen, daß „Porthos nichts anderes als ein Hund“ sei, ein großer Hund, der morgens vor dem Hotel gewartet hatte.

Ausnahmsweise kocht der Sterne-Koch auch für einen Hund
Dankbar bin ich Jerôme Nutile, daß er für meinen Film über literarische und gastronomische Entdeckungen in Südfrankreich die Szene des Hundes Porthos mit- und nachgespielt hat. So ist "unser Porthos" der bisher einzige Hund, der von einem Zweisterne-Koch bedient wurde – mit abgenagten Knochen der Lammkoteletts aus dem Tagesmenu, das sei dazu gesagt.

Mehr über die genialen römischen Bauingenieure, denen es sogar gelang, das Wasser bergauf fließen zu lassen, FINDEN SIE HIER .