Samstag, 11. Februar 2017

Das Kloster Solan: Glaube mit Marketing

Das Kloster von Solan muß man erst einmal finden. Für einen Geographen wäre die Lagebeschreibung ganz leicht. Innerhalb der
Dafür, daß er "bio" ist, gelingt hier ein fast göttlicher Wein
östlichen Vorberge der Cevennen liegt das Kloster auf dem nördlichen Hang des kleinen Flüsschens Tave – das übrigens auch Tavel seinen Namen leiht. Für Nicht-Geographen heißt es an der Mairie umdrehen und kurz vor dem Ortsende, da wo die vielen Briefkästen stehen, rechts hinunter fahren. Und dann, auch wenn Ihnen wegen der Beschaffenheit des durchgehend befestigten, aber immer wieder aufgebrochenen Weges Bedenken kommen, solange darauf bleiben, bis sie dort sind.

Ganze Busse mit Architektur-Studenten besuchen Solan wegen des neu gebauten Weinkellers, ein Gebäude, das seinen Reiz au dem Gegensatz 
Auch von weitem (siehe Bild oben) eine Einheit
zwischen der alten Klosteranlage, einem ehemaligen Gutshof, und der hypermodernen Industriearchitektur bezieht; die wiederum ist erbaut aus den gleichen Muschelkalkquadern wie der Pont du Gard. Etwas weniger euphorisch und so wie unsere Nachbarin sich ausdrückte, ist der Bau
„fast so schön abweisend wie das Gefängnis von Sète“.
Mére Hypandia strahlt, wenn sie die Geschichte erzählt, wie es gelang, mit Hilfe eines Maklers, die alten Gbäude zu erwerben. Seit 1991 wurde das Kloster Stück um Stück
Mère Hypandia
restauriert und erweitert. Das Geld für Kloster und Weingut war wundersam irgendwie da – „de façon miraculeuse“, wie Gründer Père Placide Deseille das formuliert. Postalisch gehört das Monastère de Solan zu La Bastide d’Engras, was aber im ländlichen Frankreich gar nichts heißt. Wenn Sie in den Ort hineinfahren, sehen Sie linker Hand von einem kleinen Platz aus, auf dem auch die Mairie steht, die Bastide. Die paar Schritte hinauf lohnen sich. Vom Kloster aber keine Spur und fast hat man den Eindruck, die wenigen Einwohner wären alle in die Häuser geflüchtet, um die Adresse ihres Weinlieferanten nicht bekannt geben zu müssen. 
 
Die Bewohner des Klosters von Solan haben sich auf einem alten Gutshof niedergelassen, der einmal Kirchengut von Pont-Saint-Esprit war. Früher katholisch also, heute orthodox. Schwestern und Brüder arbeiten gemeinsam im Kloster. Biodynamischer Anbauregeln bestimmen die Arbeit im Weinberg. Die rund fünfzig Hektoliter, die hier produziert werden, sind schnell ausverkauft. Manchmal glaube ich, allein schon wegen der phantasievoll gestalteten Etiketten und der Bezeichnungen für die Weine. Wer vermutet schon einen Rosé mit dem immerhin auch weltlich auszulegenden Titel
„Mein Geliebter hatte einen Weinberg“
als Klosterprodukt. 
 
Marketing spielt also eine Rolle, Zeit nicht. Bei der Lese, per Hand versteht sich, werden mit größter Sorgfalt auch einzelne faule
Trauben entfernt. So kann es drei, fünf oder auch schon mal zehn Minuten dauern, bis die Trauben eines einzigen Weinstocks vorsichtig in die Holzkisten gebettet werden. Auch experimentierfreudig sind die Klosterdamen. Manche Rotweine wurden zu Apéroweinen ausgebaut und es wurden auch schon einmal Pinienknospen, junge Mandeln oder Ingwerstreifen zugesetzt.
 
 

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