Donnerstag, 2. April 2026

Das Ende einer Institution in Vézénobres: Kein "Trois Perdrix" mehr

Faustine, Petra und Françoise

Durchaus verständlich, daß nach vierzig Berufsjahren auch die Gastgeber eines Restaurants in den Ruhestand gehen – aber doch nicht bitte die des "Trois Perdrix", des erklärten Lieblingsrestaurants im weiten Umkreis. Auch wenn die neuen Eigentümer den eingeführten Namen beibehalten haben, lohnt der Besuch nicht. Das beginnt schon bei der Parkplätzen, die es zuvor auf der Wiese unter den Maulbeerbäumen gab – alles abgeholzt und zubetoniert. 

Jetzt müssen sich die Stammgäste auf die Suche machen und haben in Vézénobres mit dem „Relais Sarrasin“ immerhin eine erste und eingeführte Ausweichadresse. Jean-Louis Fenayrou und Fabrice Fournier bieten eine phantasievolle Regionalküche vor allem mittags zu einem fairen Preis-Leistungsverhältnis an. Ein paar hundert Meter weiter, im „Bon Accueil“ gleich neben der Apotheke, kümmert sich mit Rémy Barreda ein neuer Patron im um die Gäste.

 Mittagsmenü in der Woche für 17 Euro

Wenn es etwas Besonderes sein soll, empfehle ich ein paar Kilometer weiter das „Fleur de Thym“, das etwas versteckt in Ribaute-les-Tavernes liegt, aber die Erwartungen drinnen wie auf der Terrasse übertrifft. Hier könnten Sie durchaus Liliane Skalecki begegnen, die in der Nähe wohnt und deren Südfrankreich-Kimis Sie vielleicht sogar zur Reisevorbereitung gelesen haben.

Agde: Sind das wirklich Alexander und Cäsarion?

 

Den 13ten September 1964 hat Jacky Fanjaud nie vergessen. Wie so oft hatte er nicht weit von der Mündung des Hérault ins Mittelmeer einen Tauchgang unternommen, als ihm ein großer von Algen überwachsener Stein auffiel. Nicht schlecht als Deko im Garten, dachte er sich, als er die Algen abrieb und der Stein scheinbar immer größer wurde. Daß es der Oberschenkel einer 1,33 Meter großen Bronzefigur war, bemerkte er erst später.

Als Mitglied einer Tauchergruppe, die sich für Archäologie interessierte, war er im Fluß nicht weit von der Kathedrale Saint-Étienne schon des öfteren fündig geworden. Aber diesmal war alles anders. Nicht mehr nur das Stadtmuseum von Agde war interessiert, sondern plötzlich, wie zu Zeiten der absolutistischen Könige, auch Paris. Das Kultusministerium nahm die Figur in Beschlag und beauftragte das nahe Nancy gelegene Laboratoire d’Archéologie des Métaux mit den Restaurierungsarbeiten. Zwanzig Jahre verbrachte der Éphèbe, inzwischen mit dem Beinamen Alexander der Große, nun im Louvre, bevor er 1987 erstmals in Agde, im neuerbauten Museum für Unterwasserarchäologie gezeigt wurde. Vielleicht hätte sich Jacky Fanjaud sich seinen „Stein“ einfach in den Garten legen sollen. Dann hätte er zu Lebzeiten wenigstens eine greifbare Erinnerung an einen ganz besonderen Tauchgang gehabt.

Ob es sich bei der Figur tatsächlich um Alexander handelt oder ob dies eine sicher hilfreiche Zuschreibung touristischer Marketing-Experten ist, sei dahingestellt. Manche der angeführten Gründe scheinen etwas weit hergeholt. Da werden die sanften und etwas melancholischen Gesichtszüge bemüht, die an Arbeiten des mazedonischen Bildhauers Lysippos von Sicyone erinnern oder auch die Locken, die denen bei anderen Statuen Alexanders ähnelten. Und schließlich sehe das geflochtene Stirnband aus wie dasjenige, das aus dem Grab von Philipp II., dem Vater Alexanders bekannt sei.

Weitere Fundstücke des Museums zeigen einen bronzenen Eros und eine Knabenfigur, von der man bis heute nicht genau weiß, um wen es sich handelt. Da das aber mit der Taufe Alexanders so publikumswirksam war, machte man aus dem Knaben kurzerhand Cäsarion, den Sohn von Kleopatra und Julius Cäsar. Kaiser Augustus hat ihn umbringen lassen, als er gerade 17 Jahre alt geworden war. Auf alle Fälle lohnt der Besuch des Museums, mit dessen Ausschilderung die Stadt sich allerdings mehr Mühe hätte geben können. Aber so ein irrendes Suchspiel durch ein fremdes Städtchen kann ja auch seine Reize haben.

Viel mehr in meinem Buch "Durch den Süden Frankreichs". Signierte Exemplare gerne von manfred.hammes@web.de

                                                Aus den Rezensionen:


 


Mittwoch, 1. April 2026

Mathilde de Boncourt und Liliane Fontaine lösen verzwickte Fälle

Die vier letzten Bände der Reihe

Liliane Fontaine vor der Arena in Nîmes - nicht weit vom Palais de Justice

Bevor wir auf das Jubiläum, nämlich den zehnten Band der Reihe um die Untersuchungsrichterin Mathilde de Boncourt und ihren Polizeikommandanten Rachid anstoßen, ist noch über Band 9 zu berichten. Liliane Fontaine, die immer wieder mehrere Wochen des Jahres in den Cevennenausläufern nördlich von Nîmes verbringt, ist auch mit diesem Band wieder durch und durch in ihrem südfranzösischen Element. Eine vielschichtige und spannende Lektüre, die das Lokalkolorit einfühlsam wiedergibt. 

Die Richterin ermittelt auf Bitten eines mit ihr befreundeten Klerikers im fiktiven Kloster von Sainte-Agathe-Lys in den Pyrenäen. Marienerscheinungen könnten das Örtchen zu einem zweiten Lourdes machen. 

Das Kloster von Sainte-Agathe-Lys nach der Renovierung
 

So jedenfalls die Befürchtungen der Bürgermeisterin Céline Ayma, des mit ihr befreundeten örtlichen Bauunternehmers und eines Investors aus dem Land der Cowboys. Die drei würden den Aufschwung lieber über den Bau eines Golf-Ressorts sicherstellen, als über wundersame Begegnungen mit einer himmelblauen Frau. Dummerweise liegt das Kloster mitten im vorgesehenen Gelände. Als der Abriß einer Scheune des Klosters beginnen soll, findet sich darin ein offensichtlich älteres Skelett. Abgesandte des Papstes sind schon unterwegs und sollen vor die rätselhafte Vorgänge untersuchen. Während Mathilde dem Geheimnis nachgeht, wird in Nîmes die Journalistin Yvette Vaudemont ermordet, die sich heimlich ins Kloster eingeschlichen hatte und über die mysteriösen Erscheinungen berichten wollte. 

Dieser Artikel konnte jedoch nicht mehr im Midi Libre erscheinen. Statt dessen findet sich ein in Form und Inhalt sehr seltsames Geständnis, das kaum von der Journalistin stammen konnte. Ohne zuviel zu verraten, kann immerhin gesagt werden, daß der Golfplatz an anderer Stelle gebaut werden muß und die Nonnen mit dem Verkauf von sehr teurem gesegnetem Wasser sogar das Geld für die Renovierung der Dorfkirche verdienen werden.