Samstag, 25. Juli 2015

Pont du Gard: Feuerwerk und Kanufahrt

Lassen Sie sich den Pont du Gard - hier im VIDEO von Nacy Nimes - nicht von den hohen Parkgebühren auf dem Riesenparkplatz des Rive Gauche, also der linken Seite des Gard, vergällen. Man muß ihn einfach gesehen, erfühlt, umwandert und vielleicht sogar erstiegen haben. Am besten parken Sie das Auto in Remoulins. Dann machen Sie einen Spaziergang auf dem rechten Gard-Ufer hin zum Pont und genießen kostenlos das Bauwerk und den Garrigue-Garten. Hier findet man ruhige Picknickplätze, die Ihnen das sogenannte Menue-Quick der Fast-Food-Restauration ersparen.

Einen dieser drei Tische sollten Sie für das Abendmenu und die Lichtschau reservieren.
Wenn Sie sich aber etwas Besonderes gönnen möchten, dann ein wirklich spätes Abendessen, im Juli also nicht vor einundzwanzig Uhr, im Restaurant „Les Terrasses“.

Es wurde lange von Madame Nutile geführt, der Frau des Sternekochs Jerôme Nutile, der sein Restaurant, die „Hostellerie Le Castellas“, nicht weit von hier in Collias hatte. Schade, daß die Beiden nach Nîmes umgezogen ist, in ihren "Mas de Boudan". Die Eröffnung dort war ein großes Fest mit vielen der großen Chefs: Michel Kayzer, Jacques Pourcel und Pascal Ginoux. Hier der BLOG VON JEROME NUTILE, mit vielen Rezeptideen und guten Gründen ihn im Restaurant oder im Bistrot zu besuchen.

Wenn Nutile allerdings zuhause sei, so sagte er mir, sei es seine Frau, die die Küchenherrschaft habe, denn eigentlich sei sie die bessere Köchin, „wenn auch nur ein ganz klein wenig“. Die Reservierung in der ersten Reihe mit dem freien Blick auf den Sonnenuntergang hinter dem Pont du Gard - an manchen Abenden ersetzt er das Feuerwerk - sollten Sie aber bereits ein paar Tage vorher machen.

Normalerweise ist der Aufstieg auf den
Pont du Gard verboten
Das Aufsteigen in, und erst recht auf die obere Bogenreihe, die das Wasser führte und teilweise noch von dicken Steinplatten bedeckt ist, ist inzwischen verboten und durch Eisengitter erschwert; das macht es nicht weniger verlockend. Wenn allerdings in Frankreich schon einmal Absperrgitter angebracht sind, dann wird es dahinter wirklich gefährlich. Wenn Sie schon glauben daran vorbei klettern zu müssen: Keinesfalls sollten Sie sich danach aus der Wasserleitung hinausbewegen. Eine ganze Reihe tödlicher Abstürze hat es gegeben, auch, weil unvorsichtige Kletterer von einer unberechenbaren Mistralbö erfasst wurden.

Greifen Sie lieber auf das abwechslungsreiche Programm des Pont du Gard, das Sie HIER (und auf deutsch) finden.

Möglichst dann sollten Sie den Pont du Gard genießen, wenn wenige andere Menschen dort sind. Für Stendhal wäre das Mitte des 19. Jahrhunderts nicht einmal an einem Feiertag ein Problem gewesen.
„Glücklicherweise und zur Freude des kunstbeflissenen Reisenden trifft der Blick, nach welcher Seite man auch schaut, auf keinerlei Anzeichen menschlicher Kultur. Einsam verströmen Thymian, wilder Lavendel und Wacholder ihren Duft unter einem Himmel von blendender Klarheit. Der Geist wird durch nichts abgelenkt. Es ist ein Erlebnis für wenige ausgewählte Geister. Die anderen denken nur voller Bewunderung an die Geldsummen, die er gekostet haben muß.“

Diese Einsamkeit findet man heutzutage nur noch sehr früh am Morgen, lange vor dem Frühstück. Oder am späten Abend, wenn die beeindruckende Lichtschau der Groupe F - hier in einem ZEITLUPENFILM von Robert Souillol - ihn immer wieder in neuen Farbspielen erscheinen läßt, vorbei ist.

 

Phantasievolle Licht-, Feuer-  und Computerschau               Bilder c Thorsten Schmalbach
 Eine ruhige Pontdu Gard-Tour können Sie auch in Collias beginnen. Sie mieten sich dort bei einem der Anbieter - (die sich alles preislich nicht viel tun)ein paar Minuten in Richtung Uzès und dann links rein - ein Kanu und lassen sich auf dem Wasser zum Pont du Gard treiben; nach längeren Trockenperioden müssen Sie das Boot ab und zu ein paar Schritte durchs Flußgeröll tragen. Am besten, Sie fragen vorher und lassen die Schuhe an, wenn Tragestrecken anstehen. Vor den Wasserschlangen müssen Sie keine Angst haben; das ist eher umgekehrt. Auf der zwei- bis dreistündigen Fahrt finden sich selbst bei Hochbetrieb verschwiegene Anlegestellen. Und am frühen Abend holen die Kanuverleiher Sie kurz vor Remoulins wieder ab und bringen Sie zu Ihrem Wagen zurück.







Sonntag, 19. Juli 2015

Les Baux-de-Provence: Die Weinkarte des "Oustau de Baumanière"


Ordentlich, aber nicht das "Baumanière". Dafür aber meine bezahlbaren Favoriten
In zinstiefen Zeiten lohnen sich Immobiliengeschäfte oder konspirative Vorgehensweisen: Etwa dem Sommelier des „L'Oustau de Baumanière“ auf seinen Reisen nach Burgund und ins Bordeaux zu folgen und dann dort bei den gleichen Weingütern einzukaufen. Warum? Das können Sie sich am Ende dieses Beitrags leicht ausrechnen.

Wenn Sie heute mit Ihrer Frau im „Baumanière“ in Les Baux (merci à Ruy Fanez, denn ich hatte das Restaurant nach Gordes verlegt) zu Mittag essen und ein Menü mit dem schönen Namen „La Ballade des Baux“ zu sich nehmen, dann kostet das zunächst einmal nur 420 Euro. Nun gibt es ja die gastronomische Hochrechnung, dass ein Restaurantbesucher für das Essen etwa genau so viel ausgibt, wie für die Getränke. Diese Formel gilt hier nur bedingt, etwa wenn Sie einen der selteneren Weißweine aus Chateauneuf-du-Pape vom Château Rayas zu 450 Euro wählen. Der Rote des Jahrgangs 1990 kostet das Dreifache.

Es kann aber auch ein Vielfaches des Menüpreises werden, etwa wenn wir an einen Burgunder aus Montrachet von der „Domaine de la Romanée Conti“, den aus dem Jahr 2003, denken. Dann wären wir schon bei 4.500 Euro. Auch Aris Enkelin wird sich das nicht jeden Tag leisten wollen. Sie hat im vergangenen Jahr das Haus Ihres Großvaters Ari in Gordes für 400.000 Euro verkauft. Ari hatte vor sechzig Jahren noch 200 Francs dafür bekommen, daß er das Haus einem Bauern überhaupt abkaufte und sich vor dem Notar verpflichtete, es für den Sommer bewohnbar zu machen
und das Grundstück zu pflegen.
Aris Haus: Mit Phantasie und Schwielen zur Goldgrube - nicht nur in Gordes
Dem Bauern war es peinlich, wann immer er in die Bar oder die Mairie ging, auf diesen langsam zerfallenden Schandfleck am Dorfplatz angesprochen zu werden. Nach dem Notartermin freute er sich in der Bar du Commerce über das gute Geschäft, das er gemacht hatte. Ein Abriß hätte gut und gerne das Doppelte gekostet.

Neben etwas Geld, der teuerste Champagner liegt bei 3.900 Euro - ein Clos d’Ambonnay aus dem Jahr 1995 - sollten Sie vor allem Zeit mitbringen ins „Baumanière“. Allein die Weinkarte hat einen Umfang von siebzig Seiten mit Flaschenpreisen bis zu 14.500 Euro. Wenn wir uns die älteren Bordeaux ansehen, etwa einen Lafite, den Jean-André Charial bis zurück ins Jahr 1870 vorrätig hat, erfahren wir den Flaschenpreis nicht mehr aus der Weinkarte. Für die Jahrgänge von 1870 bis 1924 erhalten Sie die Preise „auf Anfrage“.

Immerhin: Wer Angst vor einer Alkoholkontrolle hat, dem bietet der Sommelier an, die angebrochene Flasche mit nach Hause zu nehmen und dort in Ruhe auszutrinken. Und wer dann noch 5.000 oder mehr Euro in der Flasche hat, tut dies auch sicher gerne. 

...Tomaten aus dem Garten
Von einer Regel wird im „Baumanière“ allerdings regelmäßig abgewichen, nämlich der, dass der Wein, den man trinkt auch der sein müsse, den der Koch für die Soße nimmt. Der in Pakistan geborene Sylvestre Wahid, der die Küchenbrigade fast zehn Jahre dirigierte und sich zwei Sterne erkochte, soll schon mit Weinen gekocht haben, die nicht einmal fünfhundert Euro gekostet haben. Was Wahid aus einem Stück Loup de Mer und ein paar Muscheln zaubert, sehen Sie HIER im VIDEO von Côté Chef.

Die Weinkarte ist mit einer Reihe von Zitaten von Victor Hugo geschmückt, darunter einem Text, von dem aber nur die beiden ersten Zeilen wiedergegeben werden. Die dritte Zeile konnte Hugo allerdings auch noch nicht kennen.

„Der liebe Gott hat nur das Wasser gemacht,
der Mensch aber den Wein,
und das Oustau de Baumanière die Preise.“