Sonntag, 25. Dezember 2016

Kurt Tucholsky: Der aufgehörte Deutsche

Kurt Tucholsky hat nach 1924 viel Zeit in Frankreich verbracht, bevor er sein endgültiges Exil in Schweden fand. Man kann ihn aber
nicht den besonders engagierten Exilliteraten zurechnen. Zu früh hat ihn seine spitze Feder verlassen. "Worte sind Waffen" hatte er einmal formuliert, das aber dann vergessen wollen.

Dennoch blieb Deutschland die Heimat, um die er sich sorgte. Schon früh und immer wieder warnte er vor Hitler. Erich Kästner formulierte das so:

„Er wollte mit der Schreibmaschine eine Katastrophe aufhalten.“
Pyrenäental bei Rialp
Über den Südwesten Frankreichs hat Tucholsky „Ein Pyrenäenbuch“ geschrieben – auch heute noch lesenswert als Reisenachbereitung.

"Der erste Eindruck der Dörfer und der ganz kleinen Städte in den Pyrenäen ist: tot. Das macht, die Leute halten die Fenster mit Holzläden geschlossen, die mitunter aus zwei groben Planken bestehen, der Fliegen wegen, des Lichts wegen, damit die Luft auf den Plätzen frisch bleibt ... ich weiß nicht...

Unter den abendlichen Bäumen warte ich das Menü ab. Ich weiß schon, was da aus den offenen Fenstern herausschmurgelt: eine Suppe mit welchem Brot, ein Scheibchen Wurst als hors und ein Scheibchen Sardelle als d'oeuvres, gebratene Fische, Rindfleisch, Huhn, meist beides nacheinander; wenn man dann dem Ersticken nahe ist, eine kräftige Schüssel Gemüse, und ein bißchen Käschen, Obstchen, Nachspeischen und Kaffeechen. Dazu, wenns schief geht, rauchende Salpetersäure; sonst einen angenehmen Landwein."


Tucholskys französischer Presseausweis, 1928.     c DLA
1925 besuchte er Aix-en-Provence. Mitten im Winter erlebte er den Frühling und schrieb seine Zeitungskolumnen in der Farbsprache van Goghs. 



„Die meisten Bäume waren kahl, aber mit einem hellen grünlichen Schimmer um die Spitzen. Der Himmel war weißlichblau, es spritzte nur so vor Licht.“
Damals konnte Tucholsky noch kämpferisch, kritisch und ironisch sein. Ein paar Jahre später bezeichnete er sich in Briefen, unter anderem an seinen Freund Walter Hasenclever, als
„aufgehörten Deutschen und aufgehörten Dichter“.

Tucholsky (li) und Hasenclever. Beide begingen Selbstmord.                 c DLA

Hasenclever gehörte mit zu den zahlreichen deutschen Exilanten, die als unerwünschte Ausländer ins Sammellager Les Milles in der Nähe von Aix-en-Provence gebracht worden waren.

An Carl von Ossietzky schrieb Tucholsky reichlich deprimiert, daß er gerade ihm ja kaum sagen müsse, „daß unsere Welt in Deutschland zu existieren aufgehört hat. Und daher werde ich erst einmal das Maul halten. Gegen einen Ozean pfeift man nicht an.“ Auch den zahlreichen Bitten, sich doch wenigstens in den Publikationen der Exilpresse zu beteiligen und hier Flagge zu zeigen, kam er nicht nach.

Gegenüber Mary Gerold glaubte er fast sich rechtfertigen zu müssen.
"Ich habe über das, was da geschehen ist, nicht eine Zeile veröffentlicht - auf alle Bitten hin nicht. Es geht mich nichts mehr an. Es ist nicht Feigheit - was dazu schon gehört, in diesen Käseblättern zu schreiben. Aber ich bin au dessus de la mêlée, es geht mich nichts mehr an. Ich bin damit fertig.“


Viel mehr über "Tucho" im  DLA in Marbach, aus dem auch die Bilder dieses Beitrags stammen.


Sonntag, 20. November 2016

Sanary: Franz Werfel im Sarazenenturm


Sanary um 1930: Hauptstadt der Exilliteraten
Franz Werfel gehörte zu denen, die längere Zeit - bei ihm waren es fast zwei Jahre - in Sanary verbrachten. Er hatte das Glück, daß er beim deutschen Einmarsch in Österreich sich gerade auf Reisen befand, wie Thomas Mann, und wie dieser nicht mehr zurückkehrte. Und wenn es bei Thomas Mann seine Frau Katia war, die sich um so nebensächliche Dinge kümmerte, wo man denn wohnen sollte oder ob es genug zu essen gab, war es bei Werfel seine Frau Alma, die auch in Sanary Quartier machte. Sie mietete oberhalb des Hafens ein Gebäude, das im Ort nur „Le moulin gris“ genannt wurde. Für Alma
Le moulin gris in aktueller Ansicht und mit den 12 Fenstern der 1930er Jahre. C Alina
Mahler-Werfel war es „ein alter Wachturm, den sich ein Maler sehr kultiviert, aber sehr unbequem eingerichtet hatte“. Oben im Turm gab
Franz Werfel. Zeichnung
von Erich Büttner
es ein Zimmer über die gesamte Fläche des Hauses, von dem aus man durch zwölf Fenster einen beeindruckenden Rundblick über den Ort, den Hafen und die Berge hatte. Gleich nach dem Krieg zog der französische Filmemacher und Meeresforscher Jacques Cousteau im Turm ein.

Als der Literaturhistoriker Wilhelm Herzog ihn dort oben „im Sarazenenturm“ besuchte, überreichte Werfel ihm sein druckfrisches Buch „Gedichte aus dreißig Jahren“ mit einer Anspielung an „alte gemeinsame Kampfzeiten. Franz Werfel in der VII. Woche des zweiten Krieges unseres Lebens.“ Alma Mahler-Werfel zauberte ein kleines

Diner, das „sie mit sachkundiger Liebe herzustellen wußte“. Herzog glaubte, sie „wolle die Bitterkeit dieser Tage durchbrechen mit kleinen materiellen Genüssen, an denen Franz Werfel eine besondere Freude zu haben schien“.

An diesem Abend diskutierten die beiden einen Festakt zu Ehren von Emile Zolas einhundertstem Geburtstag. Dies sollte ein konzertierter Auftritt der deutschsprachigen Exilliteratur werden. Wie so viele dieser Projekte verlief es im Sande, was aber auch vielleicht ganz gut war. Denn besonders hoch angesehen waren die Exilautoren nicht, galten in weiten Kreisen der Bevölkerung als Nazi-Spione und wurden ständig beobachtet und kontrolliert. Als Werfel eines nachts, Verdunkelung war angeordnet, in seiner Turmstube mit der Taschenlampe nach einem Manuskript suchte, war wenig später die Polizei da. Warum er den Deutschen Lichtsignale gebe?
Alma und Franz Werfel im Galli-Theater in Sanary
In seinem Buch „Jakobowsky und der Oberst“ hat Werfel die Wirrnisse der Flucht von Sanary über Paris, Lourdes und Marseille nachgezeichnet. Werfel und Herzog trafen sich fast täglich und „alle unsere Gespräche drehten sich um den Krieg und seine mutmaßliche Dauer“. Alma Mahler-Werfel beteiligte sich impulsiv, heftig und, wie Herzog mal sagte, „immer liebenswürdig“ an diesen Diskussionen. Ganz ehrlich war sie allerdings nur ihrem Tagebuch gegenüber. „Ich lebe hier momentan in einem jüdisch-kommunistischen Klüngel, zu dem ich nicht gehöre. Manchmal reißt mir die Geduld und ich sage laut meine Wahrheit.“

Samstag, 12. November 2016

Les Baux: Troubadour-Herz mit Thymian und Feigen

Ganz eine natürliche Festung: Les Baux-de-Provence                                        Bild Wiki cc
Als Mistral 1854 mit seinen sechs Schriftstellerkollegen die Félibrige gründete, wollten sie Les Baux zu ihrer Hauptstadt machen:
Immer zur Freude der Damen,
nicht immer zu der ihrer
Ehemänner: Troubadoure
„Di Baus farien ma capitado.“ Hauptstadt der Liebeshöfe und der Troubadoure war Les Baux ohnehin.


Von Norditalien bis Spanien, aus dem gesamten Einzugsbereich der Langue d‘Oc kamen die adeligen Dichter hierher, um ihren Damen in hoher Minne, in idealistischer Liebe, zu huldigen. Mistrals Sehnsucht nach dem Frankreich der Langue d‘Oc ging so weit, daß er sich den Pavillon der Reine Jeanne, ein wenig unterhalb von Les
Mistrals Grab in Maillane
Baux, zum Vorbild seines Grabmals nahm, das er in Maillane errichten ließ; sein Grab ist vor dem Eingang zum Friedhof ausgeschildert.


Und auch einer von Mistrals vielen Hunden ist hier in Stein verewigt. Dieser Hund war ein Geschenk von Buffalo Bill, der während einer Europa-Tournee seines Rodeo-Unternehmens sehr erfolgreich in Südfrankreich auftrat und mit Mistral Freundschaft geschlossen hatte. Die beiden sahen sich auch äußerlich ähnlich. Nicht weit von hier, in Saint-Rémy, liegt Mistrals Mitkämpfer Joseph Roumanille begraben, ebenfalls einer der sieben Begründer der Félibrige.

Texte Vidals aus dem 14. Jh.
Bibliothek in Catalunya
Wie innig durfte die platonische Liebe der Sänger sein? Nachdem einer der bekanntesten Troubadoure, Péire Vidal, die Frau des Fürsten Barral de Baux nicht nur artigst besungen, sondern auch innigst geliebt hatte, mußte er nach Italien fliehen.


Vidal, der um 1175 in Toulouse auf die Welt gekommen war, hielt sich auch sonst wenig mit dem Platonischen auf. Als selbst auferlegte Buße nahm er am dritten Kreuzzug teil. Doch bevor es ernstlich gefährlich wurde, verliebte er sich auf Zypern in eine Griechin, die er, oder wohl eher sie ihn, heiratete. Später tauchte er, allerdings wieder allein, am Hofe in Kastilien auf. Von dort fehlen weitere Nachrichten zur Innigkeit.

Wollen wir hoffen, daß er das selige Alter erreichte, das seinem Kollegen Guilhen verwehrt blieb. Der Gattin des Raymond von Seillans machte er derart glaubwürdig den Hof, daß der cholerische Graf ihm die Brust aufschlitzte und seiner Frau des abends das Herz ihres Troubadours mit Thymian und Feigen kredenzte.

Sonntag, 30. Oktober 2016

Uzès: Regen und Licht - der Urban Realismus des Oliver Bevan

Wer den Samstagsmarkt in Uzès besucht, sollte unbedingt, auch die paar Schritte in die enge rue Nicolas Froment hineinmachen. Samstags 
Oliver Bevan
und auch während des Mittwochsmarkt der regionalen Erzeuger stellt Oliver Bevan dort zwischen 11 und 13 seine Bilder aus. Natürlich können Sie ihn auch anrufen (0033.6.75.59.61.80) und haben dann meistens seine Frau am Telefon. Ich bin inzwischen ein großer Fan seiner Bilder und könnte eher einmal auf den Einkauf der Pelardons von Matthieu Rio oder den des Olivenöls von Roger Paradis verzichten, als nicht in seiner Galerie vorbei zu schauen.

Oliver Bevan, geboren 1941, ist, im Gegensatz zu den allermeisten, die sich im Süden Frankreichs mit dem Label “artiste peintre” schmücken, ein wunderbar altmodisch-britischer, zurückhaltender und vor allem studierter Künstler (Royal College of Art in London). Für einige Jahre zu Beginn seiner Tätigkeit lehrte er auch an einer kanadischen Universität. Bevan Bilder hängen in zahlreichen Museen und renommierten Sammlungen, etwa dem Museum of London, der Guildhall Art Gallery und dem Herbert Art Gallery und Museum.


Sein Stil, und das ist ja in der Kunstgeschichte eher unüblich, hat sich vom Abstrakten (Op-Art) zum Gegenständlichen entwickelt –
Bevan auf den Spuren von Vasarely

glücklicherweise, sage ich ganz egoistisch. Zunächst, als der noch in Gordes seine Bilder ausstellte, war Bevan beeindruckt von Victor Vasarely. Und folgerichtig war Bevans erste Ausstellung, das war 1965 in der Londoner Grabowski Galerie, eine Art Vasarely für Arme.

Dann kam eine Entwicklung in Richtung dessen, was wir in Deutschland die “Neue Sachlichkeit” nennen – bei ihm hieß das “Urbaner Realismus”. Hergeleitet ganz einfach aus der Bewegung der realistischen Kunst im Frankreich des 19. Jahrhunderts. Bevan selbst erklärt es so: “Danach sollten normale Menschen und
Respekt vor dem Alltäglichen
alltägliche Orte mit dem gleichen Respekt gemalt werden, wie vorher die Herrscher, die Schlösser und die mythischen Szenen. Denken Sie an Degas, der Frauen beim Bügeln oder Haarewaschen zeichnete oder van Gogh, der in Arles den Postboten oder einen nordafrikanischen Soldaten portraitierte.”
Seit 2001 lebt und arbeitet Bevan nun in Uzès, wo dann auch Landschaften hinzukamen und insbesondere meine Lieblingsbilder, in
"Les Terroirs" auf dem Place aux Herbes in Uzès

denen er sich mit den Effekten von Licht auf Wasser auseinandersetzt. 2012 gab es dazu eine bemerkenswerte Serie mit den Lichtern der Autos und Restaurants auf dem regennassen Place aux Herbes. Mit dabei natürlich das “Les Terroirs”, das Lebensmittelgeschäft von Tom Graisse für besondere Öle, Weine, Honig und manchmal auch Trüffel und an sich nur ein Nebenbei-Restaurant, das wir beide gut kennen. Einen Überblick über sein Werk - mit vielen roten Punkten - finden Sie auf seiner Homepage OliverBevan.com

HIER ein Beitrag über Iva Tesorio und Jürg Treichler.

Und HIER einer Viva Blévis und John Townsend.

Samstag, 15. Oktober 2016

Font Ségugne: Die Gründung der Félibrige

Von 1880 an veränderte sich die Sprachsituation in Südfrankreich erheblich: 1881 wurde die allgemeine Schulpflicht eingeführt. Im Unterricht und auf dem Schulgelände wurde ausschließlich das Französische zugelassen und per Prügelstrafe durchgesetzt; die als Patois degradierten Regionalsprachen blieben strikt untersagt. So war der Gebrauch des Okzitanischen allein dem Privatleben vorbehalten. Die Generation allerdings, die diese diskriminierende Schulzeit erlebt hatte, wollte ihren Kindern oftmals die Spötteleien von Lehrern und Mitschülern ersparen, gab ihre Sprache nicht weiter und redete auch zu Hause Französisch.

Diese Entwicklung war vorauszusehen, aber bei weitem nicht allen recht. Auf halbem Weg zwischen Avignon und L'Isle-sur-la-Sorgue


Hier müssen Sie schon selbst herfahren. Streetview-geschützt (siehe untere
Bildhälfte) liegt dasSchloß in einem wunderschönen Park.  Bild Patrick Le Thorois
befindet sich das kleine Örtchen Châteauneuf-de-Gadagne. Im dortigen Schloß Font Ségugne, auf dem Landgut der Familie Giéra, trafen sich bereits am 21. Mai 1854 sieben überzeugte Provenzalen: Frédéric Mistral, Joseph Roumanille, Théodore Aubanel, Jean Brunet, Rémy Marcellin, Anselme Mathieu und schließlich Paul Giéra als Gastgeber.

1854: Überzeugte Provenzalen im Garten des Château
Die Renaissance der provenzalischen Kultur und Sprache hatten sie sich auf die Fahnen geschrieben. In der Folge gab begeisternde Auftritte etwa von Mistral in der Arena von Arles, es gab Auftrieb durch den Nobelpreis des Jahres 1904.

In der Laudatio der Kommission hieß es, Mistral habe den Preis verdient „in Bezug auf die frische Ursprünglichkeit, das Geistreiche und Künstlerische in seiner Dichtung, die Natur und Volksleben seiner Heimat getreu widerspiegelt, sowie auf seine bedeutungsvolle Wirksamkeit als provençalischer Philologe“.

Doch die Außenwirkung blieb bescheiden. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Mehr Aufmerksamkeit als Wirkung. Die Félibrige konnte dem Okzitanischen nur sehr beschränkt den Rang einer Literatursprache verleihen. Interne Eifersüchteleien behinderten die Arbeit. So wurde von Mistral und Roumanille ein Wörterbuch mit grammatikalischen Regeln erstellt, das sich allein auf den Dialekt der unteren Rhone bezog und damit für andere okzitanische Mundarten nicht brauchbar war.


Frédéric Mistral in Arles. Ausschnitt einer Postkarte aus dem Jahr 1900
Im ersten Statut der Félibrige, das erst acht Jahre nach der Gründung formuliert wurde, war man sich über Raum und Aufgabe noch einig. Man wolle „der Provence ihre Sprache, ihre Farbe, ihre Freiheit auf Wohlstand, ihre nationale Ehre und ihren hohen Rang intellektuellen Geistes“ bewahren. Und das im ganzen „Süden von Frankreich ganz und gar“. Der Gedanke auch einer politischen Autonomie wurden sehr schnell fallen gelassen.
Statue der Mirèio in Les Saintes Maries
Mistrals „Mirèio“ wurde 1859 in Avignon erstmals gedruckt, nicht bei Aubanel, sondern bei Seguin in der Rue de la Bouquerie. Ausgerechnet der Lyriker Hugo von Hofmannsthal konnte mit dem berühmten provenzalischen Versepos, das wesentlich zur Verleihung des Nobelpreises an Mistral herangezogen worden war, überhaupt nichts anzufangen. Für ihn ein
„Idyll in preziösen künstlichen Strophen, ein viel zu langes Gedicht, in dem die wunderschönen Dinge der Vergangenheit steif und tot herumstehen, wie in einem ungemütlichen Provinzmuseum“.

Samstag, 8. Oktober 2016

Klaus Mann besucht André Gide: Homosexualität nicht thematisiert

Als noch sehr junger Mensch, er war noch nicht einmal zwanzig Jahre alt, hat Klaus, der Sohn von Thomas Mann, die Bekanntschaft des damals schon berühmten André Gide machen können.

André Gide (Bild von Bourdil, Tunis 1934) und Klaus Mann (US-Army-Foto Italien 1944)
Ausgestattet war er mit einem Empfehlungsschreiben und guten Ratschlägen des Heidelberger Romanisten Ernst Robert Curtius: „Sie müssen etwas diplomatisch mit ihm sein, besonders zu Anfang. Vor allem fragen Sie ihn nicht nach seinen literarischen Plänen. Das ist so eine seiner Eigentümlichkeiten: Er schreibt immer nur über sich selbst und spricht nur über andere. Sowie von seinen eigenen Arbeiten die Rede ist, wird er wortkarg und verlegen.“

Eine Empfehlung bekam Klaus Mann von Curtius noch mit auf den Weg: „Und daß Sie mir nicht auf all den blöden Literatenklatsch hereinfallen, der in Paris über Gide im Umlauf ist! Wenn so eine Kaffeehausgröße daherkommt und Ihnen erzählen will, mein Freund Gide sei ein wahrer Teufel in Menschengestalt, voller Tücken und Laster - dann lachen Sie dem Kerl einfach ins Gesicht!“


Gide war eine imponierende Erscheinung. „Das Gesicht ist ausdrucksvoll und sensitiv, mit einer hohen, edel gebildeten Stirn, schmalen asketischen Lippen und seltsam mongolisch geschnittenen Augen, die unter dunkelbuschigen Brauen aufmerksam, oft beinah listig blicken“, beschreibt ihn Klaus Mann.
Kirche Saint Etienne, links das Geburtshaus von Charles Gide

In Uzès stößt man an vielen Orten auf den Namen Gide. Das Geburtshaus seines Onkels Charles steht gleich gegenüber der Ende des 20. Jahrhunderts dezent und stilgerecht renovierten Kirche Saint Etienne. Am 28. Juni 1847 wurde Charles Gide geboren; exakt einhundert Jahre später erhielt sein Neffe den Nobelpreis.

 Charles Gide

 Das Haus von Charles Gide ist ein guter Ausgangspunkt, um in die Stadt einzutauchen. Der Der Poet, Schriftsteller und Kunsthistoriker Walter Aue, der ein paar Jahre in einem Dorf nebenan wohnte, beschreibt Uzès als gewachsene Provinzstadt, in der noch, außer am Samstag, die Bewohner den Ton angeben, ein „Ort, um innezuhalten“. Umgeben von einem „literarischen Platanenkreis, der in Herzform das Innerste von Uzès umschließt“. Die Platanen, die der geschleiften Stadtbefestigung folgen, sind im Sommer ein „schattendurchtränktes, grünes Gewölbe, in dem man die Zeit vertrödelt. In Läden einkaufen geht oder einfach die Zeitung liest und seinen Pastis trinkt. Ein Idyll, das nicht trügt. Eine Atmosphäre für Neuankömmlinge, die eine solche Poetologie der Langeweile zu schätzen wissen.“ 
Der Platanenkreis um Uzès
Gides Homosexualität wurde nur selten thematisiert, wie Stefan Schmid in der „Untersuchung seiner Männlichkeit anhand von Stirb und Werde“ festgestellt hat. Der Bekanntschaft mit Oscar Wilde verdankte er es, daß er sich schließlich traute, seine Neigung etwas offener auszuleben. Als er Wilde in Paris kennenlernte, war ihm das zunächst peinlich. Zufällig wohnten beide im gleichen Hotel. An einer großen Tafel neben der Rezeption waren die Gästenamen verzeichnet. „Mechanisch begann ich sie zu lesen. Ich selbst bildete den Anfang der Liste. Dann eine Anzahl mir unbekannter Namen. Und plötzlich tat mein Herz einen Sprung: die beiden letzten Namen waren die von Oscar Wilde und Lord Alfred Douglas. In einem ersten Impuls nahm ich einen Schwamm und wischte meinen Namen weg. Dann bezahlte ich meine Rechnung und machte mich zu Fuß auf den Weg zum Bahnhof.“

Kaum dort angelangt, machte er jedoch kehrt und schrieb sich wieder im Hotel ein. „Eine Depressionskrise“, analysierte er, während der er sich selbst zuwider war. Dann schleiche „ich wie ein kranker Hund die Mauern entlang und suche mich zu verstecken“. Gide beschreibt das Getratsche der Pariser literarischen Kreise um Wilde. „Es ist erstaunlich, wie schwer es den meisten Franzosen fällt, Gefühle, die sie nicht teilen, für aufrichtig zu halten.“

Samstag, 17. September 2016

Les Milles: Lagerhaft für Lion Feuchtwanger, Franz Hessel und Walter Hasenclever

Stars der Literatenszene: Tucholsky und Hasenclever 1925. Bild DLA
Heute kennt ihn fast niemand mehr: Walter Hasenclever. Dabei schrieb er erfolgreiche Drehbücher für Filme mit Greta Garbo und war mit seinen expressionistischen Dramen mehrfach Deutschlands meistgespielter Bühnenautor in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. 1933 wurde er ausgebürgert, seine Bücher erst verboten und dann verbrannt. In Nizza und Cagnes-sur-Mer verbrachte er seine Zeit des Exils. Von den Franzosen wurde er – wie viele deutsche Exilanten - in Internierungslagern eingesperrt.

Bevor er nach Les Milles bei Aix-en-Provence transportiert wurde, war Hasenclever bereits an der Küste verhaftet und ins Lager Fort
Hasenclever: Flirt an der Riviera 1934. Bild DLA
Carrée bei Antibes gebracht worden. Auf Intervention des Dramatikers und Erzählers Jean Giraudoux war er zunächst noch einmal freigekommen und hatte sich mit dem autobiographischen Roman „Die Rechtlosen“ seinen Ärger und seine Verbitterung von der Seele geschrieben. Auch darüber, daß er sich der französischen Armee als Dolmetscher angeboten hatte und mit dem Argument seines zu hohen Alters, er war gerade fünfzig, abgewiesen worden war. Hier seine Eindrücke aus Les Milles und meine TV-Dokumentation (ab Minute 44):

„Der Posten war ein einfacher Soldat, ein Bauer aus der Provence. Er stand gelassen hinter der Barriere, vor sich einen Haufen aufgeregter Intellektueller. Die Hand am Gewehrriemen blickte er gleichmütig auf die ihm völlig fremde Menschenschar. Gefangen dachte ich wieder. Rechtlos. Keinem Lande zugehörig. Ausgeliefert. In Frankreich. In der Heimat Voltaires.“
Zu diesem Haufen aufgeregter Intellektueller gehörten unter anderem Golo Mann, Lion Feuchtwanger, dann der Simplicissimus-Redakteur Franz Schoenberner und der Autor und Rowohlt-Lektor Franz Hessel.
Ehemalige Ziegelei: Das Internierungslager von Les Milles 1939 und 2005
Hasenclever hielt viel von der ausgleichenden und unaufgeregten Art Hessels, den er in den „Rechtlosen“ als Philosoph Dr. Hesekiel über Deutschland und Frankreich und das Verhältnis der Exilschriftstellen zu ihren beiden Heimaten monologisieren läßt.

Andächtig saßen die Lagerinsassen um ihn herum:

„Ja, meine Herren, wir müssen diesen Zustand als eine Prüfung betrachten. Unsere Liebe zu Frankreich wird auf eine harte Probe gestellt. Ich weiß. Dennoch – wir müssen hindurch. Wer liebt, der nimmt nicht nur.“
Und ausgerechnet Hasenclever hat die Prüfung nicht bestehen wollen. Schon länger hatten seine Mitgefangenen Angst, daß er den Selbstmord begehen würde, von dem er soviel gesprochen hatte.
„Wie wir da im Garten sitzen, vielleicht zum letzten Mal, am ersten Kriegstage in dieser friedlichen Landschaft, mußte ich plötzlich weinen. Was wir gedacht und geschrieben haben, was wir, Angehörige eines Volkes, das nie seine Dichter begriffen hat, dennoch glaubten verkünden zu müssen - es versinkt im Gespensterzug der Dämonen. Diese Welt existiert nicht mehr.“

Einer der Schlafräume in Les Milles: Überall Ziegelstaub
Mit einer Überdosis Veronal hat er sich umgebracht und konnte auch im Militärlazarett von Aix nicht mehr gerettet werden. Seine sterblichen Überreste blieben verschwunden; die Rechnung des Bestattungsunternehmers allerdings findet sich im Deutschen Literaturarchiv in Marbach (DLA), von dem die beiden Bilder oben stammen. 

Sonntag, 11. September 2016

Cannes: Viele Adelige und der Selbstmörder Klaus Mann

Cannes: Postkartenmotiv der Croisette von 1933
Schon früh wurde die Côte d'Azur ein magischer Anziehungspunkt, vor allem für „le monde“, die Leute von Welt, die sich genau für deren Mittelpunkt hielten. Es gehörte sich einfach, drei, vier Monate des Jahres in Cannes oder Nizza Hof zu halten. Allerdings könnte man den Eindruck gewinnen, als seien die Kranken und die Heiratswilligen in der Überzahl.

„Fürsten, Fürsten, überall Fürsten! Glücklich, wer Fürsten liebt. Kaum hatte ich gestern morgen den Fuß auf die Promenade de la Croisette gesetzt, als ich dreien von ihnen begegnete, einem hinter dem anderen. In unserem demokratischen Lande ist Cannes die Stadt der Titel geworden.“
Guy de Maupassant hatte sich in seinem Tagebuch von 1888, das später unter dem Titel „Auf dem Wasser“ auch in deutscher Sprache erschien, noch vornehm zurückgehalten.

Bei anderen war das weniger der Fall, bei Prosper Mérimée zum Beispiel, den vor allem die Vielzahl der
„unverheirateten und unverheiratbaren englischen Fräuleins“
faszinierte, die sich hier zusammengefunden hätten.
„Eine Ansammlung von flachsblonden Haaren und langen Zähnen.“
Das Carlton
Mérimée wurde in diesenPassagen seiner Briefe zum spöttischen Beobachter vor allem der englischen Kolonie.

Man kam nach Cannes, „weil man die Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten liebt“. Die seien dort fast unter sich und regierten, „in Ermangelung der Königreiche, derer man sie beraubt, friedlich in den Salons, die ihnen treu ergeben sind“.

Die ZANZI-Bar. Einen Tag
vor seinem Selbstmord war
Klaus Mann zu Gast und
suchte seinen Louis. Heute Eisdiele.
          Bis zu sechzig Angehörige ausländischer Königshäuser waren zwischen 1880 und 1930 jedes Jahr in Cannes zu finden. „Man begegnet ihnen in großer und kleiner Ausführung, arm und reich, traurig und vergnügt - für jeden Geschmack etwas.“

Kurt Tucholsky ertappte sich dabei, daß auch er beinahe über das „Deauville des Mittelmeers“ geschrieben hätte. „Hier wogen die in leichte Gewänder gekleideten Damen und bewegen sich zierlich...,“ aber um das festzustellen habe die Vossische Zeitung ihn sicher nicht nach Fankreich geschickt, bekommt er gerade noch die Kurve und fragt:
„Wie sieht die Existenz eines Zimmerkellners in der Hochsaison aus? Was denken diese Leute? Wie arbeiten sie? Und unter welchen Bedingungen?“

Die Madonna wacht über der Altstadt und dem Hafen
Und formuliert abschließend eine frühe Anregung an Günther Wallraff.
„Warum nimmt niemals einer von uns für ein paar Monate die Arbeit eines Stewards, eines Kellners, eines Bedienten an und schildert die Welt einmal von da aus?“
Das seien die Bücher, die nicht geschrieben würden.


Mittwoch, 7. September 2016

Villeneuve: Innozenz VI. sowie Christian Kuchenbrod und seine Tables Gourmandes

Christian Kuchenbrod (li) mit Rudi Weis-Schiff (re) und Gästen
Auf die „schäl Sick“ von Avignon, HIER was das ist, nach Villeneuve also, hatte Christian Kuchenbrod eingeladen, ins Bistrot du Moulin, um die Neuauflage seiner „Tables Gourmandes“ zu präsentieren. Und wie üblich: Alle waren da. Große Chefs wie Mathieu Desmarest von „La Vielle Fontaine“, der schon 2009 - da war er noch bei Bocuse - zum Meilleur Espoir Cuisinier gewählt wurde.

Oder die Winzerinnen Valérie Collomb aus Domazan, die sich zuvor als Önologin und Weinbauberaterin um die Weine von Châteauneuf-du-Pape

Oben links: Valérie Collomb mit Rudi Weis-Schiff
Unten links: Mathieu Desmarest mit Manfred Hammes
Rechts: Mitwirkende Männer, dirigiert von einer Frau
kümmerte. Zum Glück ist sie Einzelkind und so konnten ihre Eltern die Domaine ganz beruhigt nach der Tochter benennen: Valériane. Und die, aber das wäre eine andere Geschichte, viele ihrer Weine ins badische Kippenheimweiler verkauft. Oder die für ihre Bio-Weine ausgezeichnete Florence Mejan, die ihre 36 Hektar in Lirac, Tavel und Laudun bewirtschaftet. Ihr wegen der 5% Mourvèdre-Trauben dunkler Rosé war eine Offenbarung, nicht nur der Farbe wegen. 13,5 Prozent für einen Wein aus hauptsächlich Grenache 
Florence Mejan
und Cinsault, sind schon an der Obergrenze dessen, was man für einen Rosé erwartet, aber dann eine Leichtigkeit…!



Nein, Christian Kuchenbrod, der Herausgeber, ist kein Deutscher; er stammt aus Lothringen, aus Forbach, um genau zu sein. In Avignon hat er den Verein Lou Lippet gegründet, der sich um so schöne Dinge kümmert wie das Auffinden neuer oder das Wiederbesuchen „alter“ Restaurants, Weingüter und Lebensmittel-Produzenten, wie zum Beispiel die besonderen Frucht- und Gemüsesäfte von Kookabarra. Meine Skepsis gegenüber dem
Die "Früchtchen" von Laëtitia und Kookabarra
Sellerie-Gurken-Ingwer-Saft hat sich nach dem ersten Schluck in freudiges Erstaunen gewandelt. Sehen Sie sich die Homepage mit der Fotokunst von Mary-Laëtitia Gerval einmal an.

Die Auswahl der Restaurants ist erfreulich subjektiv und orientiert sich nicht ausschließlich an Sternen oder Kochmützen. Und so kann neben Jérôme Nutile auch ein kleines Bistrot mit dem 15-Euro-Menue seinen Platz finden, wenn die Auswahl der regionalen Produkte stimmt und die Küche sorgfältig und kreativ arbeitet. Sowohl aus der Provence wie aus der Occitanie, dem früheren Languedoc-Roussillon, finden sich Empfehlungen.


Wie unser Hund in den Genuß der Kochkunst von Jérôme Nutile gekommen ist, lesen Sie übrigens HIER.


Einen geschichtsträchtigeren Ort als das Bistrot du Moulin hätte man kaum wählen können. Seit 650 Jahren ist sie, bis auf kleine Zeit nach der französischen Revolution immer in Betrieb gewesen. Aber auch die Revolutionäre genossen ihr Olivenöl. Seit 2008 wird die Mühle von der Familie Bronzini betrieben; für viele Ältere ist es allerdings immer noch die Bertaud-Mühle.

Die früheren Kartäusermönche hätten mit einem so kommunikativen Abend wie der Buchvorstellung wenig anfangen können. In ihren Zellen lebten sie allein, lasen allein, beteten allein und ließen sich sogar die Mahlzeiten durch eine Klappe an der Tür in die Zelle reichen.

Papst Innozenz VI. hatte das Kloster und die Ölmühle im 14. Jahrhundert als Teil des riesigen Kartäuserklosters Chartreuse du Val de Bénédiction gegründet. Auf der Rückseite grenz die Mühle an

das besuchenswerte Fort Saint André, mit dem die französischen

Könige ein Gegengewicht zur Papstmacht in Avignon schaffen wollten. Erster Hinweis darauf ist ein Festungsturm, der man bei der Einfahrt
Fort Saint André in Villeneuve: Das weltliche Gegenstück zum Papstpalast in Avignon

Fort Saint André im Hintergrund und der Turm Philips neben dem 
Fundaments eines Pfeilers  der  der zerstörten Brücke. Litho von ca 1830.
nach Villeneuve sieht. Dieser Turm Philipps des Schönen, war genau gegenüber der Saint Bénézet-Brücke gebaut, die mit ihren 22 Bögen für Pilger wie Händler einst weit und breit die einzige Möglichkeit war, die Rhône zu überqueren.

Canto Perdrix von der Domaine Mejan
Bemerkenswert zu Innozenz VI. ist insbesondere eine juristische Nachlässigkeit, die dem ehemaligen Rechtsprofessor aus Toulouse nicht hätte passieren dürfen. Als Kaiser Karl IV. 1356 mit der Goldenen Bulle eine Art Reichsgesetzbuch verkündete, kam ein Papst darin nicht mehr vor. Karl IV. hatte so elegant alle Einmischungen und den Einfluß der Päpste bei der Wahl der deutschen Könige und ihrer Krönung zum Kaiser in seinem Sinne aus der Welt geschafft.

Bei anderen Dingen passte Innozenz VI. besser auf. Seine schnelle Wahl zum Papst war auch dem Umstand zu verdanken, daß das Kardinalskollegium im Dezember 1356 neben drei Spaniern nur aus einem Italiener, dafür aber 21 Franzosen bestand. So kommen heute die Bewertungen der Wein- und Gastroführer in den allermeisten Fällen nicht mehr zustande.


PS. Und ein GROßES Danke an Rudi Weiss-Schiff für die Einladung zu dieser Präsentation.

Dienstag, 6. September 2016

Künstler in Uzès: Iva Tésorio und Jürg Treichler

Der Baum von Tésorio und die Granatäpfel von Treichler
Sie malen schon sehr unterschiedlich, die beiden: Iva Tésorio und Jürg Treichler, die Slowakin und der Schweizer. Und trotzdem oder gerade deshalb gefallen mir die Bilder von beiden sehr gut. Iva Tésorio, die noch nie eine Ansicht der Stadt gemalt hat, wohnt und arbeitet das ganze Jahr über in Uzès, im Chemin de l’ancienne gare, direkt gegenüber dem alten Bahnhof. Besucher haben beim erstenmal oft Schwierigkeiten Ihr Atelier zu finden. Deshalb auch die Telefonnummer auf Ihrer HOMEPAGE.

Jürg Treichler lebt in Zürich, ist viel auf Reisen und seit über vierzig Jahren regelmäßiger Gast im Haus seines Bruders in Saint-Quentin-la-Poterie und entsprechend auch immer wieder in Uzès unterwegs. Offensichtlich haben wir dort die gleichen Vorlieben für

Café de l'Hotel: Einen Picpoul de Pinet bringt die immer elegante Wirtin
zu den Austern vom Marktstand gleich nebenan

bestimmte Bars; mit dem Unterschied, daß er sie malt und ich meinen Beitrag leiste, daß der viele Rosé, der im Languedoc angebaut wird, auch getrunken wird. Alle Kontaktdaten und viele weitere Bilder finden Sie HIER.

Die Bars von Uzes


Treichler hält es mit den Impressionisten, besonders mit Monet, dem in Lausanne geborenen Félix Vallotton und natürlich Henri Matisse, der das so ausdrückte:
„Ich träume von einer Kunst des Gleichgewichts, der Reinheit, der Ruhe, ohne beunruhigende und sich aufdrängende Gegensätze, von einer Kunst, die für uns ein Beruhigungsmittel ist, eine Erholung für das Gehirn, so etwas wie ein guter Lehnstuhl, in dem man sich von psychischen Anstrengungen erholen kann.“ 

Bewundern konnte man Treichlers Bilder 2011 in Galerie des Capucins in Uzès und zuletzt in diesem Jahr in der Kronen-Galerie in Zürich. Der „Tages-Anzeiger“ schrieb: 
„Sein Anliegen, alles einfach Schöne und Heile zur Kenntnis zu nehmen, es aufzuwerten und einer weiteren Zerstörung und Dezimierung entgegenzuwirken, trägt Treichler freilich nicht mit Empörung und Schroffheit vor, sondern mit Weichheit, einladender Bildräumlichkeit, lichterfüllten Flächen und malerischer Harmonie.“
Iva Tésorio hat nach ihrem mit Promotion abgeschlossenen Studium der Kunstpädagogik das Licht des Südens gesucht, viel an Schulen gearbeitet, drei Kinder bekommen, aber trotzdem ihre Kunst immer in
den Mittelpunkt gestellt. In der Renaissance, sagt sie, hätte sie am liebsten gearbeitet und Anklänge finden sich immer wieder in ihren Werken. In vielen Schichten malt sie Wachs und Öl übereinander, zieht mit dem Spachtel ab und übermalt neu, was eine ganz plastische Malerei entstehen läßt. Ihre Leinwände gewinnen die Tiefe des Raumes. Fast immer gibt es nur einen Bildmittelpunkt; das kann ein Baum sein, ein Fisch oder ein Kind, die dadurch eine abstrakte und unwirkliche Wirkung bekommen.

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