Wenn ein Winzer die Holzfässer des Château d’Yquem kauft und
seine Weine – und gerade auch die Roten, die es bei Yquem ja garnicht gibt –
darin lagert, dann spricht das für seinen Ehrgeiz oder es ist nur ein
Marketing-Gag. Michael Bourrassol und seine Frau Séverine (Facebook: https://www.facebook.com/severinebourrassol/) haben mit Marketing
bisher sehr wenig am Hut, sind also ehrgeizig und haben das schon im ersten
Jahr des Bestehens der Domaine des Luces mit hervorragenden Weinen untermauert.
Yquem ist eine französische Aktiengesellschaft mit einem
Kapital von 224.640 Euro. Wohl
etwas mehr, vermute ich, haben Michael
und Sévrine in die Domaine investiert.Einen ziemlichen
Unterschied gibt es noch bei den Verkaufspreisen:
7 Euro kostet der derzeit teuerste Wein der Domaine des Luces, über 100.000
Euro wurden kürzlich für einen Yquem des Jahres 1787 gezahlt – für die Flasche,
nur damit keine Zweifel aufkommen. Dafür hätte der amerikanische Käufer über
14.000 Flaschen bei Michael Bourrassol bekommen und damit ein Mehrfaches von
dessen Produktion des ersten Jahres aufkaufen können.
Ganz billige Yquem hat übrigens Lidl vor einigen Jahren
angeboten: Den 2011er für 349 Euro und den 1998er als halbe Flasche für
99 Euro. So preiswert ginge das heute nicht mehr.
Mich würde einmal interessieren, welche Ratschläge Sandrine
Garbay, die Kellermeisterin von Yquem, die ihren Abschluß am renommierten
Institut d’Oenologie de Bordeaux gemacht hat und ‚nebenbei‘ promovierte Biologin ist, den Beiden
in Saint-Césaire geben würde. Eingeladen haben sie sie noch nicht.
Vielleicht würde sie auch sagen, daß es da garnicht mehr
soviel zu verbessern gibt. Das wäre nicht nur für Michael Bourrassol ein
Kompliment, sondern auch für seinen Oenologen Nicolas Berger, der auch die
renommierte Domaine Saint-Firmin in Uzès berät. Immer am Donnerstag und Sonntag
fährt er die halbe Stunde raus nach Saint-Césaire. Derzeit ist man dabei die Produktion auf Bio umzustellen. Herbizide werden nicht mehr eingesetzt, statt dessen Rasen- und Mohnblumensamen ausgesät. Die Einzelheiten, auch zur Bodenbearbeitung, erzählt Ihnen Michael gerne.
Die Bourrassols haben ihren ersten Weine schöne Namen
gegeben, deren Geschichten dazu man gut behält. Storytelling nennen das dann
die Marketingstrategen, eine Kunst, die übrigens auch die Gestalter der
Homepage von Iquem perfekt beherrschen; sie nennen das Anekdoten, in denen man
etwa erfährt wie der japanische Kaiser plötzlich seine Vorliebe für die
Süßweine aus Sauternes entdeckte. Wesentlich bodenständiger und familiärer geht
das in Saint-Césaire zu. Daß die „Caprice de Lilou“ die Späße und Launen der
kleinen Tochter Lilou wiedergeben, darauf hätte man noch kommen können. Nicht aber
auf die Auflösung der „Balade d‘ amoureux“. Diese verliebten Spaziergänge
machen die Eltern der Winzer noch immer mindestens
an fast jedem Wochenende. Nur hinter die Geschichte der

„Influence“, meines
Lieblingsweines bin ich nicht gekommen. Wer hat hier wen beeinflußt? Oder ist es der gute Einfluß, den die vier
Rebsorten der Cuvée aufeinander haben? Syrah, Grenche, Petit verdot und
Carignan sind perfekt aufeinander abgestimmt. Bei Lilou sind es übrigens
Viognier und Roussane, eine Rebsorte, die vor allem im Rhônetal angebaut wird;
deren Säure gibt dem eher pfirsischfruchtigen Viognier den richtigen Pfiff.
Für eine Weinprobe rufen Sie einfach an : 0033 611 39 44 84.
Gegenüber der stillgelegten Kooperative geht’s die schmale Straße runter bis
zum Ende und dann auf dem unbefestigten Weg noch ein paar Meter bis zum
Weinkeller. Und am besten nehmen Sie auch gleich ein paar Kisten Wein mit, solange die Preise noch nicht auf Yquem-Niveau sind.