Samstag, 15. Juni 2019

Sauve und Le Vigan: Chamson und Kamisarden

Wenn man weiter in die Cevennen hineinfährt empfiehlt sich ein Gang durch das mittelalterlich Sauve, das uns die Umgehungsstraße geradezu unterschlagen möchte. Die häufigen Hochwasser der Vidourle
Sauve mal ohne Hochwasser
bestimmen den ersten Eindruck von der Stadt, schlanke Häuser auf den Felsen, die ihre unterste Fensterreihe teilweise erst in einer Höhe von zehn Metern haben. Im Haus mit den beiden Rundtürmen lebte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts der Schriftsteller Jean-Claris de Florian, dessen bekanntestes Werk die „Plaisirs d’armour“ sind.

Zwischen Quissac und Sauve befindet sich, ein paar Kilometer in die felsige Garrigue hinein, das Schloß Forian, in dem der Schriftsteller zur Welt gekommen ist. In der Revolution von 1848 wurde es zerstört und später wieder aufgebaut. Das ehemalige Kapuzinerkloster haben die Bewohner des Städtchens ebenfalls zum Schloß erhoben und es nach der russischen Familie, die es im 19. Jahrhundert restaurierte und bewohnte, „Château russe“ getauft.

Das von Pierre Gagnier verfasste Heft über Sauve - für 50 Centimes d’Euro im Offfice de Tourisme - verschafft einen guten Überblick und stellt die zahlreichen Gebäude in ihren historischen Zusammenhängen dar.

Aus Le Vigan stammen die Vorfahren André Chamsons und in den Cevennen verbrachte er auch seine Kindheit. Wir sind jetzt in einer Gegend



unterwegs, in der man sich manchmal bestätigen muß, dass man noch im Süden Frankreichs ist: Hohe Kastanienwälder, Tannen, enge Täler, Schnee bis ins Frühjahr und winterglatte Straßen lassen an den Schwarzwald denken. Im Musée Cevenol werden Leben und Werk von André Chamson in einem eigenen Saal gewürdigt, ähnlich lieblos, wie das Uzès mit André Gide tut. Als Saint-André läßt sich der Ort in Chamsons Werken wiedererkennen. Viele, auch neuere Bücher über die Kamisardenkriege finden sich hier.

In Deutschland sind die eher älteren Datums, wie Ludwig Tiecks Werk „Aufruhr in den Cevennen“ oder Gertrud von Le Forts „Turm der Beständigkeit“. Chamson, der aus einer protestantischen Familie stammt, hat viele Geschichten über den Kampf der Kamisarden gegen die zentralistische Königsgewalt geschrieben. „Castanet, der Kamisarde vom Mont Aigoual“ ist neben „Superbe“, der Großartigen, seine bekannteste Figur.


Freitag, 14. Juni 2019

Hamel wandert - aber untypisch

Hamel wandert und
bringt Sie auch dem Baum näher
Das sind wirklich etwas ungewöhnliche Touren, die der Geologe Harald Hamel da durch Südfrankreich anbietet. Sehr individuell und in kleinen Gruppen von mal fünf, mal neun Personen führt er durch den Midi: Etwa um Sommières oder den Pont du Gard mit Abstechern zum Carrière de Lumière und der van Gogh-Installation oder nach Le Grau zu einer Katamaran-Tour entlang der Küste.
Da bleibt er auch schon einmal an einem Baum stehen und kann - als ausgebildeter Baumpfleger - Ihnen soviel dazu erzählen, daß fast eine kleine Wanderpause daraus wird. Sein besonderes Interesse gilt hier im Süden natürlich den Olivenbäumen. Und auch für die gibt den alten französischen Olivenbauern noch Tips, wie der Schnitt im nächsten Jahr zu einem besseren Ertrag führen kann.


Ein alter provenzalische Gutshof bei Sommières, dessen Ursprünge
ins 14. Jahrhundert zurückreichen.
In Uzes, im Le Carola - wo sonst - haben wir uns getroffen. Und dann erzählt er nicht nur von den Wanderungen, die in der Hitze des Südens mehr Ausflüge sind, sondern auch von seinen Kooperationspartnern vor Ort, den Orten, in denen seine Gäste übernachten, etwa dem Großmutter-Zimmer des "Bize de la Tour" in 
Im Chambre de la Chapelle hilft notfalls auch ein Gebet.

Remoulins oder dem "Mas de la Rivoire" und dort vielleicht in "La petite chapelle", tatsächlich einer Kapelle aus dem 14. Jahrhundert.