Sonntag, 6. September 2015

Mit Peter Kurzeck auf dem Markt in Uzès

Arbeitszimmer mit Blick auf den Boulevard
Samstags auf dem Markt in Uzès - hier im VIDEO. Unseren Thé à la menthe, „nie mit Zucker“, haben Peter Kurzeck und ich meist früh am Vormittag im „L‘Oustal“ am Place aux Herbes getrunken. Ich habe fast immer gefroren dort im feuchten Schatten der dickmaurigen Arkaden; er nie, weil immer korrekt mit Weste, Sakko und Einstecktuch. Wenn wir uns dann verplauderten und ich die Verabredung mit meiner Frau im alteingesessenen (seit 1963) "Le Carola" am Boulevard Gide nicht so ganz einhalten konnte, gab er mir eine überzeugende Entschuldigung mit auf den Weg: 
„Rund um die Uhr reicht die Zeit nie ganz aus".
So räsoniert der Ich-Erzähler in seinem Roman „Als Gast“, und liefert das zeitliche Argument gleich mit. Der 1943 in Böhmen geborene Vielfachpreisträger lebte lange Jahre als sorgfältiger Archivar der eigenen Biographie nomadisch immer wieder mal auch mitten in Uzès und inventarisierte seine Umgebung; und mehr noch seine Erinnerungen.

Und wenn dann die Nachmittagssonne Schattenspiele der Platanen in sein Arbeitszimmer projiziert und der Nachbar nicht gerade in einem nächtlichen Renovierungsanfall mit dem Bohrer neben Kurzecks Bett die Wand durchstößt, dann kann er in Ruhe auch die zehnte Korrektur der schreibmaschinengetippten Seiten seinen Ansprüchen genügend zurechtfeilen. Ob und wann er den meiner Frau vor einigen Jahren beim „Hausacher Leselenz“ im Schwarzwald versprochenen Uzès-Roman abliefert, hat sie mit viel Geduld, wenigen Nachfragen und letztlich bis zu seinem Tod abgewartet.

"Wenn ich schreibe, kann mir nichts passieren"
war er sich sicher. Einen Pfefferminztee trinke ich gelegentlich auch heute noch im "L'Oustal".

Immer wieder überarbeitet und kein Lektor durfte dran rühren