Samstag, 12. Dezember 2015

Nîmes: Mehr als Daudet und Arena

Daudet nachdenklich im Brunnen
Alphonse Daudets Geburtshaus in Nîmes liegt dort, wo man aus den Markthallen (La Coupole) auf den Boulevard Gambetta hinausgeht. Von dort geht es nach rechts in Richtung Amphitheater. Soweit das auf dem Boulevard Amiral Courbet, wie er wenig später heißt, wegen des ständigen Verkehrs überhaupt möglich ist, überqueren Sie ihn bei erster Gelegenheit. So kommen Sie an Daudets Denkmal auf dem Square de la Couronne vorbei, da, wo es in die Rue Notre Dame hineingeht.

Die Briefe aus seiner Mühle
werden an anderer Stelle vorgestellt
Daudet, der früh nach Paris ging, um dort, wie sein älterer Bruder Journalist zu werden, hat sich mit vielen seiner Schriftstellerkollegen regelmäßig getroffen und ausgetauscht. In den Pariser Salons gehörten die Goncourts, Zola, Flaubert und Victor Hugo zu seinem Bekanntenkreis. Dennoch blieben Sozialkritik und Naturalismus Fremdwörter für Daudet. Selbst Werke wie „Numa Roumestan“ oder „Sappho“ sind im Vergleich zu Zolas schonungslosen Schilderungen immer noch mit einem sozialromantischen Weichzeichner geschrieben. Nur die Themen waren die gleichen: Armut, Reichtum, Kinderarbeit, Familienkampf. Daudet fühlte sich von den Ränken der Tagespolitik abgestoßen.
„Oh Politik, wie ich dich hasse! Unter deinen verschiedenen Kleidern immer dieselbe Verruchtheit; du trennst edle Herzen, die füreinander geschaffen wären, du einst Leute, die getrennt bleiben müssten, du machst den Edlen duldsam für den Schurken, wenn er nur seiner Partei zugehört. Du bist die Korruption des Gewissens, du machst die Lüge zur Gewohnheit, du machst die Menschen gleichgültig gegen die schönen Dinge.“
Das Amphiteater von Nîmes: Ringkämpfe (li) und Oper (re) im 19. Jahrhundert
Rund zwanzigtausend Besucher passen in das römische Amphitheater, das heute eine Sommerfunktion als auch blutige Stierkampfarena hat und im Winter, nach dem jährlichen Umbau, als Kulturzentrum für Tanztheater und kammermusikalische Abende dient. Beides ist in Nîmes gleichwertiges Kulturprogramm. So haben wir Glück gehabt, daß der Versuch Karl Martells die Arena niederzubrennen, mißlang. Für ein römisches Siegesdenkmal hatte er sie gehalten, mit Holz füllen lassen und angezündet - Spuren, die heute noch zu sehen sind.

Als Jean-Jacques Rousseau um 1740 die Arena besuchen wollte, waren, ebenso wie in Arles, die Arkaden und der Innenraum zugebaut:

„Dieses weitläufige und prächtige Amphitheater ist von häßlichen kleinen Häusern umgeben, und andere kleinere und noch häßlichere Häuser füllen seine Arena, so daß das Ganze einen ungleichartigen und verworrenen Eindruck macht, bei dem Ärger und Entrüstung Genuß und Überraschung ersticken."
Die Arenen von Arles (hier im Stich von
Peyret) und Nîmes als kleine mittelalterliche Städte
Mehrere tausend Menschen, wie auch in der Arena von Arles, lebten auf engstem Raum in den einhundertfünfzig Gebäuden der Arena; sogar eine eigene Kirche gab es, die dem Heiligen Martin geweiht war. Als zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Häuser abgerissen wurden, mußte man sie aus einer bis zu sieben Meter dicken Müll- und Schuttschicht ausgraben.

Hermann Ludwig Heinrich von Pückler-Muskau - Literat, Weltenbummler und „Gartenfürst“ - berichtet 1834 von einem Besuch, bei dem alles schon ganz anders aussah:

„Das Amphitheater, welches hunderte angebaute Hütten von außen und innen kaum entdecken ließen, steht jetzt frei und teilweise restauriert."
Liebend gerne hätte er sich in Nîmes im großen Stil landschaftsgärtnerisch betätigt, so wie im Bois de Boulogne, den er für Napoleon III. umgestaltete.

Für manch eine ist Nîmes nur Schuh-Einkaufs-Stadt
Nîmes erschließt sich am allerbesten zu Fuß; allerdings sollte man schon gut fünf bis sechs Kilometer durch die Stadt und den Jardin de la Fontaine einplanen; das ist nicht jederfraus Freude. Glücklicherweise ist Nîmes auch die Hauptstadt der Schuhgeschäfte, sodaß abgelaufene Absätze am besten mit ein, zwei oder drei Paar neuer Schuhe ersetzt werden.


Letztlich ein zufriedenstellender Ausklang einer
langen Wanderung





 

Sonntag, 6. Dezember 2015

Stierkampf in der Camargue: Der Schutz des Tieres an erster Stelle

Zahlreiche Verletzungen der Raseteurs gegen Saisonende: Hier Lahcène Outarka.
Das umfängliche Regelwerk der Stierspiele dient vor allem dem Schutz der Tiere, so die maximal fünfzehn Minuten, die der Stier in der Arena verbringen darf: HIER im VIDEO. Die Raseteurs haben Einsätze von sechsmal 15 Minuten. Der Stier entscheidet, ob er rennt, angreift oder einfach eine Viertelstunde im Schatten verbringt, dies höchstens mit dem Risiko ausgepfiffen zu werden; häufiger sollte er das aber nicht tun, denn sonst könnte er auch im "Gardianne de Taureau" enden, einem Gulasch mit Camargue-Reis.

Gardianne am besten mit einem kräftigen Rotwein... Bild: WikiComm
Für die Stiere ist, selbst bei den kleinen Festen, der Tierarzt da, wie in Saint Chaptes vor zwei Jahren, als der Kampf unterbrochen wurde, als sich der Stier einen kleinen Riß unter dem Auge zuzog. Züchter und Tierarzt sahen sich die Wunde sorgfältig an und konnten dann die Raseteurs und die Zuschauer beruhigen. Raynausie von der Manade Chabalier durfte weitermachen und erwischte kurz darauf einen Raseteur mit seinem rechten Horn am Oberschenkel. Das schien nun weniger wichtig zu sein, unterbrochen wurde nicht und der Verletzte mußte bis zur Pause warten, bis der Tierarzt ihn schnell zum Menschendoktor fuhr.
Alte und junge Spezialisten kommentieren und bewerten
Nachdem Anfang diesen Jahres ein Stier über die fast zwei Meter hohen Absperrungen sprang und fünf Zuschauer verletzte, wurde die Arena aus Sicherheitsgründen vollständig gesperrt. ALLE INFOS DAZU HIER mit einem VIDEO.

Der Stier als Kunstobjekt am Garagentor
Erstmals also ein Fête Votive ohne Course, sehr zum Verdruß der meisten Bewohner des Örtchens.