Freitag, 1. Januar 2016

Vom Marais de Vigueirat zum Phare de la Gacholle




Wer von Arles aus - zudem noch durstig und hungrig, weil einem die touristisch überzogenen Preise um die Arena aus der Stadt treiben -, in die Camargue fährt, dem kann an sich nichts besseres passieren, als auf der Straße nach Salin-de-Giraud in Mas Thibert dem Schild „Centre Ville“ zu folgen und später, wenn die alten Landarbeiter-Häuser weniger werden, der Beschilderung zum „Marais du Vigueirat“ zu folgen. Wenn die Straße aufhört eine regelrechte Straße zu sein, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder Sie fahren scharf rechts auf den Deich und finden, mit entsprechender Ausrüstung für ein Picknick den idealen Ort, oder, noch besser, Sie lassen sich von den sechs Kilometer langen, schlaglöchrigen Schotterpiste nicht abschrecken und fahren drauf zu.

Irgendwann können Sie den Wagen reetgedeckt unterstellen und gehen auf einen alten Hof zu. Aber stop! Gleich rechts befindet sich eine sogenannte „Buvette“, denen in Frankreich regelmäßig kulinarisch nicht zu trauen ist: Tranige Pommes und verkohlte Würste sind normalerweise die Markenzeichen. Aber diese ist völlig anders.

Die Besitzerin der Manade bereitet Ihnen einen „Assiette de dégustation“ zu, der wirklich ein Gedicht ist. Alles aus dem auch zu
besichtigendem Garten, Blattsalate, deren Namen der normale Hausmann nicht kennt, Coeur de Boeuf-Tomaten, rote Beete und Karotten in einer feinen Venaigrette, unterschiedliche Tapenade auf sonnengetrocknetem Baguette, eigener Ziegenkäse, eigene Paté de Taureaux und was man sich sonst noch so vorstellt.

Dann aber die zunächst einzige Enttäuschung: Nur Bio-Säfte, Jus de Pommes, de Pêches und was für Kinder so alles gut ist. Ein Glas Wein, nein, „on a pas le droit“ - das dürfe sie nicht ausschenken, obwohl sie ihn selbst anbaue. Aber, im Land der eleganten Umwege, lässt sich auch das zum Guten wenden.

Gegenüber im Office du Tourisme werde ihr Wein verkauft, und auch Reisbier. Dort weiß man gleich Bescheid. Ah, Sie kommen von Madame? Roten, Rosé oder Weißen von der Domaine de l’Attilon könne ich haben. Also einer leichten Sommer-Rosé. Den bekomme ich auch, aber, „on a pas le droit“ nicht gekühlt. Aber, mit einem verständnisvollen Blick, gegenüber an der Buvette könne ich mir den ja ins Eisfach legen lassen und eine Viertelstunde spazieren gehen.


Schließlich findet so dieser wahrhafte „Assiette gourmande“ noch zu seinem Glas Wein, seiner Flasche, besser gesagt. Neidvoll beäugt von einem französischen Paar, das sich diesen Umweg nicht erfragt hatte. Wir haben dann brüderlich geteilt, fast jedenfalls.


Und ehe ich das vergesse: Wunderschöne Spaziergänge oder Kutschfahrten (04.09.98.70.91) unter den Tamarisken hindurch und entlang der sich ständig ändernden Etangs mit den entsprechenden Naturbeobachtungen – über achthundert Pflanzenarten und zahlreiche Wasservögel, Schlangen und Schildkröten - kann man von hier aus machen. Elisabeth, Babette, wie sie hier genannt wird und Robert sind ein eingespieltes Team beim Öffnen der Gatter und bei der Beantwortung der zahlreichen Besucherfragen. Und danach hat jedenfalls der Rosé sicher die richtige Temperatur.



Einsamkeit pur am Phare de la Gacholle. Stundenlang können Sie
alleine durch die salzflirrende Hitze der Camargue laufen.
Der Leuchtturm von Gacholle ist nicht weit von hier, den kleinen Umweg sollten Sie machen. Ich erwähne ihn hier, weil der Tip zum
Besuch des Marais du Vigueirat von Madelaine Fourniol gekommen ist, die heute, ihrer Enkel wegen, in Dions wohnt, schräg gegenüber von der Ginguette, die übrigens auch wegen des freundlichen Service immer für ein kleines Mittagessen gut ist.
Madleine Fourniol bei der Treibholzsuche und eines der von ihr gestalteten Hotelzimmer
Der Phare de la Gacholle ist Madelaines Geburtshaus und bis zum achtzehnten Lebensjahr hat sie in dieser Einsamkeit gelebt. Jeden Morgen rund 10 Kilometer Schulweg am Strand und durch die Dünen.

Das hat sie bis heute nicht losgelassen, wie Sie unter www.canalblog.com/search/posts/fourniol sehen und lesen können.
Heute baut sie Möbel und Innendekorationen, selbst für komplette Hotels, aus meergebleichtem Treibholz, das sie einmal in der Woche, meist montags in ihrem roten Range-Rover-Pickup einsammelt. Der Besuch in ihrem Atelier in Dions lohnt sich. Manche Lampe entsteht aus einem einzigen Stück Holz; dabei werden die Leitungen wie unsichtbar im Inneren des Stammes untergebracht und selbst Spezialisten haben Schwierigkeiten, dem Weg der Fräsung zu folgen.