Samstag, 15. April 2017

Anduze: Mitarbeiten im Kloster von Cabanoule

Einsam in den Cevennen. Alle Bilder Monastère Dieu-Paix
"Cabanoule?" sagt das Navi: Das hätte es noch nie gehört. Auch ein Monastère Dieu-Paix nicht. Und doch gibt es das Kloster 4 oder 5 Kilometer von Anduze entfernt in einem kleinen Nebental auf der rechten Seite des Gardon. Wenn Sie tatsächlich hin wollen, werden Sie es schon finden, zum Beispiel über die Anfahrtsskizze der Homepage oder einfach mitten in der Kurve vor der Töpferei "Les Enfants de Boisset" links den Berg hochfahren. 

Ehemals ein Zisterzienserkloster wird es heute von zwölf Schwestern, Trappistinnen, und einem Bruder bewohnt. Genau so viele waren es 1970, bei der Gründung der Gemeinschaft - eine heilige Zahl, die nie unterschritten wurde. Die Klostergemeinschaft kaufte damals einen aufgegebenen Bergbauernhof und hat ihn selbst hergerichtet und später die Kirche erbaut.

Ehemals ein Bauernhof mit der für die Cevennen typischen Terrassierung
Neben den sozialen Engagements arbeiten die Bewohner in den klostereigenen Werkstätten, produzieren Lavendelessenz, ein riesiges Feld befindet sich hinter der erst 1998 eingeweihten und ganz schlicht ausgestatteten Kirche , oder sie rollen Kerzen - Zigarren sagen die Schwestern dazu - aus Bienenwaben oder
produzieren eine sehr kalorienhaltige Süßigkeit: die Rocamandines, kleine Marzipankugeln, die mit schwarzer oder weißer Schokolade ummantelt sind.

Im Laden erklärt Schwester Marie Christine, dass man mit dem trappistischen Schweigegebot nicht so genau nehme: "Man soll nichts
Soeur Marie Christine
übertreiben. Schließlich leben wir im 21. Jahrhundert." Sie und ihre Mitschwestern sind tatsächlich kommunikativ und aufgeschlossen - das zeigen auch die Portraits auf der Homepage. Die Preise im Klosterladen sind nicht immer nach zu vollziehen. Mal die 40 Centimes für einen Ring mit christlichen Symbolen, vergoldet 50 Centimes, mal die 14 Euro für ein kleines Glas Honig. Mit Klöstern in Frankreich, Spanien und Griechenland tauscht man die Produkte und verkauft gegenseitig - ein funktionierendes System. Die Ikonen aus dem griechischen Partnerkloster sind mit "handwerklich und handgearbeitet" gekennzeichnet. Das seinen sie auch "irgendwie", sagte Schwester Marie Christine, aber "ich glaube nicht, dass sie handgemalt sind, vielleicht handverpackt". Sonst müssten sie ja auch viel teurer sein als 50 oder 80 Euro. "Da fehlt dann eine Null oder zwei."


Ostereinkauf im Kloster
Das Kloster bietet auf Voranmeldung einige Zimmer an, für alle, die die absolute Ruhe suchen. Aber auch für die, die im Kloster mitarbeiten wollen: "Sei es ein Tag, eine Woche, ein Monat." Dieser freiwillige Dienst wird von vielen wahr genommen - auch wegen der drei Mahlzeiten am Tag und der ebenso phantasievollen wie gesunden Klosterküche. Einen kleinen Weinvorrat sollten sie aber auf dem Zimmer haben.