Samstag, 3. Juni 2017

Uzès: Der Buchhändler, der seine Bücher ungern verkauft

Christian Feller: Immer eine gute Geschichte auf Lager...
nur Bücher gibt der Buchhändler ungerne her
In Uzes, hinter dem Tour Fenestrelle und der Promenade Racine, in der Rue Julien, finden Sie, in einem Innenhof versteckt, die Buchhandlung von Christian Feller. Der ist allerdings mehr Büchersammler als Buchhändler, was nur heißen soll, daß er sich ungern von seinen Schätzen trennt. In manchen Fällen muß man schon ein besonderes und gut begründetes Interesse an einem bestimmten Titel nachweisen, damit er ihn dann widerstrebend aus dem Regal oder seinem in der Nähe gelegenen Privathaus holt.
Dieses Haus ist nicht nur mit dem ältesten Eingangsportal in Uzès ausgestattet, sondern hat - natürlich und wie es sich für Feller gehört – auch eine literaturhistorisch interessante Vergangenheit.

Jean-Jacques Brousson, dem Sekretär des Literaturnobelpreisträgers Anatole France, hat es gehört. Allerdings hätte es der sich von seinem Gehalt nicht leisten können. Was er denn bisher verdiene, fragte France den gerade zwanzigjährigen Studenten Brousson. Und als der mit „Nichts“ antwortete, war ihm die Stelle sicher. Anatole France großzügig:
"Dann zahle ich Ihnen das Doppelte." 
Diese, ob verbürgt oder nicht, jedenfalls gute Geschichte berichtet Christian Feller in dem Film, den ich mit Jean-Jacques Schaettel und Antoine Chosson, der ein Purist des Dokumentarfilms ist, über die Literaten in Südfrankreich gemacht habe. Unter dem vorhergehenden Link finden Sie einige meiner Gesprächspartner.

Irgendwo hier im Hinterhofgewirr
befindet sich die Buchhandlung
Nur wenige Tage nach dem Tod von Anatole France, der für Frankreich ein Jahrhundertereignis war, erschien Boussons Buch „Anatole France in Pantoffeln“, das nach kürzester Zeit hoch sechsstellig verkauft war und in viele Sprachen übersetzt wurde. Damit hatte Bousson weit mehr verdient, als ihm France für die zehn Jahre ihrer Zusammenarbeit je gezahlt hätte. Von diesem Honorar hat sich Bousson dann seinen Traum eines herrschaftlichen Hauses in der Altstadt von Uzèz erfüllt und mit der ein oder anderen Antiquität, die France ihm als Honorarersatz gelegentlich überließ, ausgestattet.