Samstag, 30. Dezember 2017

George Sand: Weit mehr als Männergeschichten

Eigentlich hieß sie Amantine Aurore Lucile Dupin de Francueil. Als Journalistin beim Figaro wählte sie mit J. Sand ein Pseudonym, das sie später beibehielt.

„Eine Milchkuh mit schönem Stil"
wurde sie von Nietzsche beleidigt - den man allenfalls verstehen kann, sollte er dabei das wenig schmeichelhafte Bild vor Augen gehabt haben, das Eugène Delacroix von ihr gemalt hatte. Da hatte sie sich gerade die Haare abgeschnitten und ihrem Liebhaber Alfred de Musset geschickt. Als de Musset auf einer gemeinsamen Reise nach Venedig schwer erkrankte, verliebte sich Sand in dessen Arzt, mit dem sie nach Paris zurückkehrte.

George Sand 1838.          Bild Wiki cc
Auf dem nebenstehenden Bild von Auguste Charpentier aus dem Jahr 1838 sieht sie so aus, wie sie sich gerne sah.

Neben unbekannten Ärzten sammelte sie vorrangig bekannte Autoren und Komponisten. Mit Chopin war sie in Mallorca unterwegs, mit anderen wie Liszt, Balzac, Flaubert, Dumas und Turgenjew anderswo.

Selbst de Musset bewunderte eher ihre Produktivität als ihre literarischen Qualitäten.

„Ich habe den ganzen Tag gearbeitet. Am Abend hatte ich zehn Verse gemacht und eine Flasche Schnaps getrunken; sie hatte einen Liter Milch getrunken und ein halbes Buch geschrieben.“
Damit kam Sand ungefähr auf den Tagesausstoß ihres Vornamensvetters Georges Simenon. Nur trank der keine Milch dazu, sondern, wenn er es bekam, belgisches Bier und dazu ein paar härtere Sachen. In seiner Pariser Wohnung hatte er sich Mitte der zwanziger Jahre eine Bar einbauen lassen, an der er und seine vielen Gäste regelmäßig einschliefen.

„Um vier Uhr früh kam meine Köchin“,
erzählte er in einem Interview des französischen Fernsehens.
„Sie tippte mir auf die Schulter. ‚Es ist Zeit‘. Ich setzte mich in eine Ecke an meine Maschine und schrieb vierzig Seiten eines Groschenromans. Wenn die anderen aufstanden, um zu frühstücken, hatte ich mein Tagewerk schon fertig.“
Die Vielschreiberin Sand - 180 Bücher und 15000 überlieferte Briefe - hat in den südfranzösischen Cevennen nur Verwunderung ausgelöst, wie Robert Louis Stevenson erzählt.
„Die Bauern, die über keine Literatur verfügten und niemals von Lokalkolorit gehört hatten“,
verstanden nicht, warum sich Sand angeregt mit einem zurückgebliebenen Kind unterhielt. Sie schlossen daraus, daß die Autorin selbst eine einfache Frau sein müsse. Auch ihre oft bewunderte Schönheit kam in den Cevennen nicht an.
„Die bekannteste Herzensbrecherin ihrer Zeit übte auf die Schweinehirten des Velay eine besonders geringe Anziehungskraft aus.“

Freitag, 29. Dezember 2017

Uzès: Die ungewöhnliche Domaine de Malaigue

Kann man einen Wein auch „sozial“ nennen, so wie das Vincent Damourette neulich in einem Beitrag für den Midi Libre getan hat?
Nachdem ich die Domaine besucht habe, muß ich sagen: Er hat recht. Als 1998 die Erträge der Domaine nicht ausreichten, hat François Reboul – mit dem Bäcker-Dichter aus Nîmes hat seine Familie nichts zu tun -, der das Weingut gerade in dritter Generation übernommen hatte, die Löhne seiner Arbeiter komplett ausbezahlt, sich selber aber nichts.


Allerdings ist das nur einmal vorgekommen, denn schon ein Jahr später war die Umwandlung zum Bio-Betrieb erfolgreich abgeschlossen und die vielen neuen Kunden akzeptieren seitdem auch die etwas höheren Preise.
 
„Den Preiskampf nach unten habe viele Winzer und vor allem Kooperativen inzwischen verloren. Den Wein im Bib abzufüllen oder im Vrac zu verkaufen, sagen wir mal für acht bis zehn Euro für die fünf Liter reicht nicht aus. Auch nicht, ihn tankzugweise und noch billiger an die großen Handelsketten zu verkaufen, schafft kein Auskommen,“
sagt Reboul. Und tatsächlich geht es vielen, die den Wein nur an-, aber nicht ausbauen, nicht besonders gut. Und das natürlich gerade in extrem trockenen Jahren, wie 2017, als die Quantität – und nur die zählt für die meisten – dreißig bis vierzig Prozent unter dem Vorjahr lag.

Hinzu kommt, das viele Winzer ihre Trauben im System der Fermage pflegen und ernten. Dabei verpachten Grundeigentümer ihre Weinberge, wobei sie dem Pächter lediglich einen Minimalbetrag von 500 bis 700 Euro je Hektar garantieren. Dafür gibt der Pächter seine Arbeitskraft, setzt seine Traktoren und die Erntemaschine ein, bezahlt Dünger und Spritzmittel und übernimmt die Ablieferung der Trauben in der Kooperative. Trockene Jahre werden so zum Risiko des Pächters. Erst wenn bestimmte Hektar-Gewichte deutlich überschritten werden, also über acht Tonnen liegen, fängt es an sich für den Pächter zu lohnen. Die hohen Werte von 15 oder manchmal über 16% bringen dem Pächter keine höheren Erträge.

Mein Favorit: Der Rosé                                          Bilder OT Uzès
Entsprechend nehmen die Brachflächen zu. Denn immerhin rund 6.000 Euro bekommt der Eigentümer für einen über sieben Jahre stillgelegten Weinberg. Südfranzösische Winzer ärgern sich hinter vorgehaltener Hand über die Kollegen aus Süditalien, wo die stillgelegten Weinberge schnell wieder bewirtschaftet werden und so also doppelt kassiert wird. Die italienischen Satelliten machen scheinbar die Augen zu, wo die französischen gleich einen Strafbefehl frei Haus liefern.