Samstag, 24. Februar 2018

Maillane: Eine Pilgerreise zu Frédéric Mistral

 
Plakat aus dem Jahr 2004 zur Feier der einhundertsten
Wiederkehr der Nobelpreis-Verleihung
Frédéric Mistral, 1830 geboren, hatte sich nicht mehr als die Wiederbelebung und den Erhalt der provenzalischen Sprache vorgenommen hier im VIDEO eine Hommage in provenzalischer Sprache. Sein Geburtshaus in Maillane ist der inzwischen
Der Mas du Juge: Leichter zu finden
als es hier den Anschein hat
anspruchsvoll renovierte Mas du Juge an der Straße nach Saint-Rémy-de Provence. In dem riesengroßen Haus können Sie bei Annie Vulpian eine Ferienwohnung mieten oder mit zweihundert Gästen ihren Geburtstag feiern.

In Maillane ist Mistral auch gestorben, dort schrieb er mit dem Versepos „Mirèio“ sein erstes und erfolgreichstes Stück und dort können wir uns ihm in seinem späteren Wohnhaus, das nach seinem Tode 1914 weitestgehend unverändert blieb, indiskret nähern. Heute ist das Mistral-Museum
Grab Mistrals
darin untergebracht. Wesentlich ist das dem provenzalischen Schriftsteller Charles Galtier zu verdanken, der dem Museum fast dreißig Jahre als Konservator diente. Man betritt das Museum von der Gartenseite her, da, wo sich die von Archard geschaffene Mistral-Statue befindet.

Mit der provenzalischen „Dichterei“, die für ihn etwas „meistersängerlich Pedantenhaftes“ hatte, konnte Hugo von Hoffmansthal, der französische Philologie studiert und darin auch promoviert worden war, nichts
anfangen:
„Ihr berühmtestes Werk ist die Mirèio des Mistral, ein Idyll in preziösen künstlichen Strophen. Am Ende dieses viel zu langen Gedichts stehen die wunderschönen Dinge der Vergangenheit steif und tot herum, wie in einem  ungemütlichen Provinzmuseum."



„Die Sonne macht mich singen“, hat sich Mistral sein Motto erwählt und das über der Tür in den Stein hauen lassen, auf provenzalisch natürlich „Lou soulèu me fai canta“.




Das Arbeitszimmer des Nobelpreisträgers kann man heute noch
so besuchen, wie Daudet es nachfolgend beschreibt.

„Das gelbkarierte Sofa, die zwei Strohsessel, die Venus von Arles auf dem Kamin, das Bild des Dichters von Hébert, seine Photographie von Etienne Carjat und in einer Ecke am Fenster der Schreibtisch, ein armseliger kleiner Schreibtisch, wie für einen Steuereinnehmer.“

Das Haus ist von einem kleinen, botanischen wäre zu viel gesagt, Garten mit all jenen provenzalischen Pflanzen umgeben, die in Mistrals Dichtungen eine Rolle gespielt haben. Maulbeere, Olivenbaum, Pinie, Linde und Feige. Jedem der Bäume ist ein Sinnspruch oder ein kleines Gedicht zugeordnet. Dem Mandelbaum zum Beispiel der gute Ratschlag des jungen Kastanienbaumes, er solle es nicht machen wie die Feige, die, zu früh blühend, sich irrt:

Fagués pas coume l‘amelie
Dignié la jouino castelano.
Ane pès flouri trop lèu s‘engano!

Drei Stunden Fußweg sind es von Fontvielle nach Maillane – oder 
Berühmte Postkarte: Der Sonntagsbesuch
von Alphonse Daudet beiFrédéric Mistral
Malhana auf provenzalisch -, wo Frédéric Mistral wohnte, den Daudet eines sonntags unangemeldet aufsuchte. Daudet hatte das Glück, daß er gerade am Kirchweihfest nach Maillane kam und war so zu Mittag Gast im Haus. Mistrals Mutter, hochbetagt, tischte ein ganz besonderes Menue auf: „Zickelbraten, Gebirgskäse, Weinkonfitüre, Feigen, Muskatellertrauben, das Ganze bespült mit dem guten Päpstewein“. Sie selbst aß in der Küche, weil sie kein Wort verstand, wenn französisch statt provenzalisch gesprochen wurde.

Dieses Menue nun werden Sie in Maillane kaum bekommen, aber wenn Sie Ihren Wagen am Place Mistral parken, haben Sie die Auswahl zwischen einigen Bars und Restaurants. In Maillane, so der Eindruck, hat sich seit einhundert Jahren kaum etwas geändert, der Ort ist zeitlos, was andererseits aber auch heißt, daß Sie leicht einen Parkplatz finden.