Samstag, 19. Januar 2019

Ludwig Harig: Kein Leben ohne "Biecher" und den Süden Frankreichs

Nur mit Büchern bleibt das Leben lebenswert. Handschrift Harigs.

Fünfundvierzig Bücher hat Ludwig Harig geschrieben und seinem Vater in einem Gedicht erklärt, warum er ohne „Biecher nit läwe“ kann. Das
Leben ohne Bücher war keines für ihn. Und erst recht nicht ein Leben, das ihn nicht dauernd wieder in den Süden Frankreichs geführt hätte; standesgemäß mit dem Firmenwagen des Vaters, einem Mercedes 170 Coupé.


Reifenpanne an der Côte. Bild: B. Harig
Impulsgeber für diesen Beitrag:
Norbert "no" Schmidt. Bild Bräuning

Die Liebe zum Süden verband ihn mit Norbert „no“ Schmidt, dem ehemaligen Zeitungsmacher von der Gießener Allgemeinen, der sich den Midi allerdings zunächst als Tramper erschloß. Wenn er mich nicht auf Ludwig Harig hingewiesen und mir auch noch gleich seinen Artikel an die Hand gegeben hätte, wäre mir Harig glatt durchgegangen. 1927, im gleichen Jahr wie Martin Walser und Günter Grass ist Harig geboren. Als Schriftsteller, Hörbuchautor und Mehrfachpreisträger war er die wichtigste Figur des saarländischen Literaturbetriebes. Im Bergmanndorf Sulzbach kam er zur Welt und hier hat er sie im Jahr 2018 auch verlassen, ohne indes ein provinzieller Autor gewesen zu sein. Längere Aufenthalte führten ihn nach Paris und Berlin, nach Texas und Großbritannien. Auf eine Geschichte Harigs weist Schmidt besonders hin: "Vor uns wölbt sich das Meer". Enthalten ist sie auf der Doppel-CD »Die Côte d’Azur von Marseille bis Menton«, einer 2014 veröffentlichten Doppel-CD der FAZ, die Sie im Web inzwischen sehr preiswert finden.

"Mein Erzählplan ist ein Lebensplan", schreibt Harig einmal in Kalahari, dem teilweise autobiografischen Roman, der 2007 erschien und dessen Untertitel "Ein wahrer Roman" lautet.

Wie sich die biografische Erfahrung in Literatur wendet, wie Distanz bei gleichzeitiger Nähe hergestellt wird, das kann man in Harigs Büchern immer wieder beobachten, so Ulrich Rüdenauer in seinem Nachruf in der ZEIT und weiter: Das Material durchläuft einen Prozess der subjektiven Objektivierung, das eigene Leben wird zu einem erdachten, es scheint wider im Text oder wird "nachgeschaffen", wie es
Peter Kurzeck einmal ausgedrückt hat. Diese

Peter Kurzeck in seinem Arbeitszimmer in Uzes.
Poetisierung der eigenen, gespiegelten Existenz fand Harig auch bei diesem seinem Vorbild wieder. Kurzeck, den es nach Uzès, in die Nähe des Pont du Gard, gezogen hatte, wo er zum unerbittlichen Archivar und Überarbeiter seines Lebens wurde.   
Als Harig 1953 an die Côte d’Azur reiste beschrieb er schon die Auswirkungen eines MAssentourismus, den es damals nun wirklich noch nicht gab. „Was hat Saint-Tropez ein schäbiges Flair angenommen! Vom Parkplatz am Frachthafen, zwischen Lagerschuppen und Einkaufsbaracken, strömt die Menge an den Staffeleien der Kitschmaler vorbei zu den Anlegestellen der Yachten.“ Und über Le


Brigitte und Ludwig Harig in Saint Tropez. Mehr unter diesem Link.

Lavandou: „Über den Bootsmasten flattern blauweißrote Wimpelchen, winden und verdrehen sich, als müssten sie sich inmitten trostlosen Cabanen- und Budengewirrs vor Lachen krümmen.“

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