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Freitag, 24. Juni 2022

Wieder mal in Izzo's Bar des Maraîchers


Hassan, kurz vor seinem Tod fotografiert von Norbert Schmidt
Auch nach dem Tod von Hassan, das war schon im Jahr 2009, gehört die Bar des Maraîchers zu den angesagtesten Treffpunkten des La Plaine-Viertels. Wer, animiert durch den Namen, an einen Gemüsegärtner denkt, vertut sich. Wer an eine chice In-Bar mit Tapas oder Wein denkt, ist hier ebenso verkehrt wie diejenigen, die auf Rock oder Reggae hoffen, damit man sich nicht unterhalten muß. Hier singt Brassens immer, Brel oft und Ferré manchmal; hier wird Pastis immer getrunken, Bier oft und eine Coca ausnahmsweise.

Links oben wie immer: Ferré, Brel, Brassens
Das Bild aus dem berühmten Radio-Interview der drei Chansoniers , das man heute immer noch überall nachhören oder sogar ansehen kann, hat Hassan ganz zu Anfang an die Wand gehängt. Das hängt es noch immer und führt, wenn der Rahmen leicht zur Seite bewegt wird, quasi den Nachweis, daß die Bar seitdem nicht mehr gestrichen wurde.
Ein Freund von Hassan aus jener Zeit ist Hakim Hamadouche. „Das war schon mutig damals hier diese drei singenden Dichter in den Mittelpunkt zu stellen“, erklärt er Malika Moine, eine Studentin der Marseille Street School, die gerade für ihren ersten Artikel im Nuit Magazine recherchiert. Da sie im Vorfeld ordentlich recherchiert hat, protestiert sie auch nicht gegen den Mauresque, den Hassans Nachfolger Serge ihr ungefragt hinstellt. Das ist etwas zarte Version des Pastis, bei der ein Schuß Mandellikör dazu gegeben wird.

Ein Absinth-Rezept, das die französischen Soldaten nach 1830 und der Eroberung und Kolonialisierung Algeriens aus Nordafrika mitgebracht hatten und dabei aber an etwas ganz anderes dachten. 75 Millionen Francs hatte der Feldzug gekostet. Der


Mauresque heute und die Träume der Legionäre: Jeune Mauresque et femme Kabyle
französische Staat konfiszierte deshalb den Staatsschatz, der fast das Doppelte dieser Summe betrug und schickte Hussein III. Dey, den letzten Herrscher des Osmanischen Reiches, ins Exil.

Der Berliner Islamwissenschaftler und Historiker Ulrich Haarmann hat sich auf die Spur dieses Geldes gemacht. Nur 40 Millionen kassierte der französische Staat, 60 Millionen kamen zwar bis Paris; dort verlor sich ihre Spur. Und 50 Millionen schafften es nicht einmal in die französische Hauptstadt, sondern gingen irgendwo zwischen Algier und Marseille an irgendwen.

Nach der ersten Eroberung Algiers war es vorrangig die 1831 gegründete Légion étrangère, die die von beiden Seiten mit Massakern unter Zivilisten, mit Folter und Vergewaltigungen geführten Guerillakämpfe in Nordafrika im Namen des französischen Volkes bestritten. Seit 1843 bis nach dem Zweiten Weltkrieg war die Stadt Sidi-Bel-Abbès der Hauptsitz der Fremdenlegion, der dann nach Aubagne bei Marseille verlegt wurde.

Samstag, 15. Februar 2020

Klös-Kunst aus Trascouvieux



 
Nicht weit von seinem geschätzten Max Ernst hat der deutsche Maler und Druckgrafiker Bodo Klös ein Atelier, in Trascouvieux, ein paar Häuser,die zu Laval-Saint-Romain gehören. Nach sieben Kilometern kann er in den Garten des ehemaligen Ernst-Hauses sehen. Klös hat sich insbesondere der Radierung verschrieben und ist mit der „edition noir“ seiner Frau Birgit immer wieder auf den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt vertreten.

Mehrfach konnten Sie seine Bilder auch in der Galerie „La Quincaillerie“ von Florian Besset in Barjac sehen. Norbert Schmidt, langjähriger Redakteur der Gießener Allgemeinen, kennt Klös gut und hat ihm immer wieder Raum gegeben.
Er erzählt auch, wie das Ehepaar Klös Besucher in Barjac immer wieder in die Straße führen, in der die Kurzeck-Freunde Pascale und Jürgen erst mit ihren Restaurant und dann ihrer Liaison scheiterten. Klös habe etwas von Kurzeck, sagt Schmidt. „Er sammelt Details, notiert Sinnliches, das die Seele erfreuen kann.“ Der Künstler plädiere für „Alltäglichkeiten als Glücksentfacher“.
Die ganze Geschichte gibt es auf der Homepage der "Edition Noir", von der auch die Bilder stammen: Schmidt, Norbert: Bodo Klös und dem Loplop auf der Spur.


Samstag, 19. Januar 2019

Ludwig Harig: Kein Leben ohne "Biecher" und den Süden Frankreichs

Nur mit Büchern bleibt das Leben lebenswert. Handschrift Harigs.

Fünfundvierzig Bücher hat Ludwig Harig geschrieben und seinem Vater in einem Gedicht erklärt, warum er ohne „Biecher nit läwe“ kann. Das
Leben ohne Bücher war keines für ihn. Und erst recht nicht ein Leben, das ihn nicht dauernd wieder in den Süden Frankreichs geführt hätte; standesgemäß mit dem Firmenwagen des Vaters, einem Mercedes 170 Coupé.


Reifenpanne an der Côte. Bild: B. Harig
Impulsgeber für diesen Beitrag:
Norbert "no" Schmidt. Bild Bräuning

Die Liebe zum Süden verband ihn mit Norbert „no“ Schmidt, dem ehemaligen Zeitungsmacher von der Gießener Allgemeinen, der sich den Midi allerdings zunächst als Tramper erschloß. Wenn er mich nicht auf Ludwig Harig hingewiesen und mir auch noch gleich seinen Artikel an die Hand gegeben hätte, wäre mir Harig glatt durchgegangen. 1927, im gleichen Jahr wie Martin Walser und Günter Grass ist Harig geboren. Als Schriftsteller, Hörbuchautor und Mehrfachpreisträger war er die wichtigste Figur des saarländischen Literaturbetriebes. Im Bergmanndorf Sulzbach kam er zur Welt und hier hat er sie im Jahr 2018 auch verlassen, ohne indes ein provinzieller Autor gewesen zu sein. Längere Aufenthalte führten ihn nach Paris und Berlin, nach Texas und Großbritannien. Auf eine Geschichte Harigs weist Schmidt besonders hin: "Vor uns wölbt sich das Meer". Enthalten ist sie auf der Doppel-CD »Die Côte d’Azur von Marseille bis Menton«, einer 2014 veröffentlichten Doppel-CD der FAZ, die Sie im Web inzwischen sehr preiswert finden.

"Mein Erzählplan ist ein Lebensplan", schreibt Harig einmal in Kalahari, dem teilweise autobiografischen Roman, der 2007 erschien und dessen Untertitel "Ein wahrer Roman" lautet.

Wie sich die biografische Erfahrung in Literatur wendet, wie Distanz bei gleichzeitiger Nähe hergestellt wird, das kann man in Harigs Büchern immer wieder beobachten, so Ulrich Rüdenauer in seinem Nachruf in der ZEIT und weiter: Das Material durchläuft einen Prozess der subjektiven Objektivierung, das eigene Leben wird zu einem erdachten, es scheint wider im Text oder wird "nachgeschaffen", wie es
Peter Kurzeck einmal ausgedrückt hat. Diese

Peter Kurzeck in seinem Arbeitszimmer in Uzes.
Poetisierung der eigenen, gespiegelten Existenz fand Harig auch bei diesem seinem Vorbild wieder. Kurzeck, den es nach Uzès, in die Nähe des Pont du Gard, gezogen hatte, wo er zum unerbittlichen Archivar und Überarbeiter seines Lebens wurde.   
Als Harig 1953 an die Côte d’Azur reiste beschrieb er schon die Auswirkungen eines MAssentourismus, den es damals nun wirklich noch nicht gab. „Was hat Saint-Tropez ein schäbiges Flair angenommen! Vom Parkplatz am Frachthafen, zwischen Lagerschuppen und Einkaufsbaracken, strömt die Menge an den Staffeleien der Kitschmaler vorbei zu den Anlegestellen der Yachten.“ Und über Le


Brigitte und Ludwig Harig in Saint Tropez. Mehr unter diesem Link.

Lavandou: „Über den Bootsmasten flattern blauweißrote Wimpelchen, winden und verdrehen sich, als müssten sie sich inmitten trostlosen Cabanen- und Budengewirrs vor Lachen krümmen.“