Sonntag, 28. August 2016

Provence: Jean Giono zeigt uns die schönen Umwege


Lieber Feldwege alsTGV (wie hier) oder Autoroute
Ein hohes Verkehrsaufkommen auf der Autobahn können Sie aber auch als Chance für eine entspannte Fahrt über die Nebenstraßen aufgreifen. Jean Giono der Provenzale, der kaum einmal aus seiner Hochprovence heraus gekommen war, dafür dort aber jeden Olivenbaum und fast jeden
Stein kannte, der in all seinen Büchern für den
Frieden, die Natur und die Erdverbundenheit des Lebens in der „unfortschrittlichen“ Provence gekämpft hat, er macht uns den Umweg vor:
„Eingeschläfert von dieser Autobahn wie ein von Kreidestrichen hynotisiertes Huhn habe ich mir schließlich einen gleichwohl menschlichen Ruck gegeben und mich an einer beliebigen Abzweigung davongemacht.“


Hier erwartet uns Jean Giono...
Die genaue Lage der Straßen und Feldwege will er uns nicht verraten, braucht er aber auch gar nicht. Wir finden dies alles ebenso, wenn wir einfach in südöstlicher Richtung irgendwie in die Provence hineinfahren. Und dann durchkreuzen wir wie Giono „Felsen, Pinien, Steineichen, Ginsterkraut, Ruinen, Schlösser, Lavendelfelder, Olivenhaine, Mandelbäume, Einöden, wilde Steppen, atemberaubende Ausblicke“. Und ganz zum Schluß seines „Briefes über die provenzalischen Landschaften“ verspricht er uns: „Und an dem Punkt, da warte ich auf Sie.“

Einer hätte sich dort besonders gerne mit Jean Giono getroffen: der deutsche Romantiker Hugo von Hofmannsthal. Sicher, er machte seine Reise durch den Süden Frankreichs zu einem Zeitpunkt, kurz bevor Giono zur Welt kam. Aber die Art des Reisens und des Sehens war der von Giono sehr vertraut und man kann sogar sagen, daß sich Giono bei seinen späteren Schilderungen an die „Vorgaben“ Hofmannsthal gehalten hat. Kein „hastiges und ruheloses Reisen“. Und Landschaftsbeschreibungen sollten sein wie der „seltsame, sinnlose Reiz der Träume. Unserem Reisen fehlt das Malerische und das Theatralische, das Lächerliche und das Sentimentale“.
Auf der Hochebene von Valensole.                       Bild von Steffen Lipp
Die Hektik seiner Reise des Jahres 1892 nahm Hofmannsthal so sehr den Atem, daß er sich Postkutsche und Sänfte zurück wünschte,
„man hatte Zeit, um in Herbergen Abenteuer zu erleben und wehmütig zu werden, wenn ein toter Esel am Wege lag. Man konnte im Vorbeifahren Früchte von den Bäumen pflücken und bei offenen Fenstern in die Kammern schauen. Man hörte die Lieder, die das Volk im Sommer singt, man hörte die Brunnen rauschen und die Glocken klingen.“




Centre Jean Giono in Manosque: Hier finden Sie alles über Giono .

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