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Donnerstag, 11. Februar 2021

Nizza: Wenn Hotel dann die "Villa Rivoli"

Barbara Kimmig im Garten ihrer "Villa Rivoli"    Bild BZ/privat
Mein Lieblingshotel in Nizza heißt „Villa Rivoli“. Man fühlt sich hier auch so persönlich aufgehoben wie in der Villa einer Freundin und so garnicht nicht wie in einem Hotel. Lange wußte ich nicht, daß das Haus Barbara Kimmig gehört, die in der Ortenau, nur ein paar Kilometer von meinem Wohnort, aufgewachsen ist. Erst als ich dort einmal zu einem Vortrag der deutsch-französischen Gesellschaft eingeladen war, habe ich das erfahren. HIER im VIDEO führt die Deutsche in englisch durch ihr französisches Hotel.

Die "Villa Rivoli", ist ein schmuckes 26-Zimmer-Haus mitten in Nizza, mitten in einem schönen Garten und nur wenige Meter (vielleicht 200) vom Meer und der Uferpromenade entfernt. Hubert Röderer danke ich für seinen Artikel, den er in der Badischen Zeitung veröffentlicht hat und den ich hier leicht gekürzt wiedergebe:
 

Barbara Kimmig kam 1962 im in Oberkirch zur Welt - im August, im Sternzeichen des Löwen. Beharrlichkeit schien ihr in die Wiege gelegt worden zu sein. Sie wuchs zusammen mit zwei älteren Geschwistern in Lautenbach auf, der Vater war einst Packereimeister bei der Papierfabrik Koehler, die Mutter Hausfrau, heute sind sie Rentner.

Barbara Kimmig besuchte die Realschule in Oberkirch, ehe sie mit dem Beginn ihrer Ausbildung zur Hotelfachfrau in Brenner’s Park Hotel in Baden-Baden ihre berufliche Richtung einschlug, der sie bis heute die Treue hält. Bereits mit 20 Jahren verschlug es sie 1982 nach Montreux, ins dortige "Palace" Von da ging’s nach Nizza ins "Negresco", das Luxushotel mit 121 Zimmern und 24 Suiten, das auch Gründungsmitglied der renommierten Hotelvereinigung "The Leading Hotels of the World" ist. Spätestens hier dürfte sie davon geträumt haben, irgendwann mal nicht nur Reservierungen anzunehmen oder im Service auszuhelfen, sondern als Hotelbesitzerin nach eigenem Gusto schalten und walten zu können.

Doch die Zeit war natürlich noch nicht reif und das Portemonnaie noch zu dünn. 1985 zog sie weiter nach London, wo sie im "Mayfair" an der Rezeption arbeitete, und wo ihr abermals die gute deutsche Ausbildung sehr hilfreich war: "Wer vom Brenner’s kommt, ist bei seinem neuen Arbeitgeber gut angesehen. Die Ausbildung dort ist viel wert."

1986 folgte der "Europäische Hof" in Heidelberg, wo sie alsbald zur Direktionsassistentin aufstieg. Ende der 80er Jahre verdingte sie sich für mehrere Saisons als Hotelreiseleiterin für die TUI auf der Insel Brac im damaligen Jugoslawien: "Dort habe ich viel Geld verdient und es gab keine Möglichkeit, es auszugeben."

Oase inmitten der Altstadt
Als sie ein paar Jahre später ein zweites Mal im "Negresco" anheuerte, stieg sie schnell zur Marketing-Direktorin hoch. Es war der Beginn der Seßhaftigkeit, auch der Geburt von Tochter Fanny geschuldet, die 1998 zur Welt kam: "Ich wollte nicht mehr ständig unterwegs sein und mit meiner Zeit flexibler umgehen können." Also griff sie 2003 zu, als sie die Chance bekam, ihr erstes eigenes Hotel zu kaufen, die heruntergekommene "Villa la Tour" in der Altstadt. 2007 erwarb sie Hotel Nummer zwei, die "Villa Rivoli".
 

Hubert Röderer schrieb
diesen Beitrag für die BZ/hsl
Hier, in der fünftgrößten Stadt Frankreichs, hat Barbara Kimmig längst Wurzeln geschlagen: "Ich bin ja auch schon 20 Jahre hier." Hinter ihr liegt ein weiter, mit vielen Umzügen verbundener Weg, der sie in die feinsten Häuser führte und der aus einer "kleinen" Hotelfachangestellten eine stolze Hotelbesitzerin machte, die trotz der riesigen Konkurrenz von 350 Hotels in der Stadt nach eigenen Angaben gut zu bestehen weiß: "Man muss ständig an der Qualität arbeiten." Und jedem Gast das Gefühl geben, willkommen zu sein. Dafür sei sie auch sechs Tage in der Woche von frühmorgens bis abends im Haus unterwegs. 

Natürlich sollte Sie in Nizza weit mehr interessieren als das Rivoli als ideale Ausgangsbasis für die Entdeckung von Stadt und Umland. Wenn Sie es sich leicht machen und das sehen wollen, was jemand, der viele Jahre hier verbracht hat, Ihnen empfiehlt, dann lesen Sie die "Gebrauchsanweisung für Nizza und die Côte d'Azur" von Jens Rosteck, der wundersamerweise inzwischen auch in der Ortenau wohnt.

"Mit einer großen Lust am Erzählen entzündet der Autor hier ein wahres Feuerwerk eines Insiders. Intelligent, vielschichtig, sehr gut recherchiert und spannend verwebt der Autor Wissenswertes zur Geschichte der Stadt und dem savoir vivre an diesem faszinierenden Ort..." heißt es in einer Rezension auf Rostecks HOMEPAGE.



Samstag, 5. Januar 2019

Cannes und Nizza: Das Negresco und andere Hotelpaläste

Lord Brougham: Ihm hat Cannes viel zu verdanken
Heute fahren viele Menschen nur deshalb nach Cannes, um Autos zu filmen, wobei man für einen gewöhnlichen Bugatti schon garnicht mehr das Handy zückt: Da sollte es dann schon ein Pagani Huayra oder ein DMC Aventador Roadster sein oder ein Octane oder ein Novitec - HIER im VIDEO.
  
Cannes, das "kleine englische Dorf, wie Lawrence Durrell den Ort bezeichnete, war Mitte des 19. Jahrhunderts "entdeckt" worden. In Croix-des-Gardes, dem ältesten Wohnviertel der Stadt, hatte der britische Schriftsteller und Rechtsanwalt Lord Brougham ein Urlaubsschloß gebaut, um seiner kränkelnden Tochter Eleonore eine sonnige und gesunde Umgebung bieten zu können.

Ein weiterer englischer Adeliger wurde kurz darauf der erste Immobilien-Spekulant an der Côte d'Azur. Sir Thomas Woolfield kam vier Jahre nach Brougham und kaufte für billiges Geld mehrere Hektar Land in der Umgegend, das parzelliert, bebaut und weiterverkauft wurde.

Dreißig Paläste hat er innerhalb von ein paar Jahren ans sonnenhungrige Publikum gebracht. Seine „Villa Viktoria“, roter Backstein im englischen Stil des 15. Jahrhunderts dominiert noch heute den Boulevard du Midi, westlich des alten Hafens. Zuletzt übergab er das Geschäft seinem Gärtner John Taylor, dessen Familie das Unternehmen bis heute fortführt. Die Büros finden sich an der Croisette.


Der Comic, der die Geschichte des Carlton erzählt, ist nicht mehr lieferbar.
Mit etwas Charme und einer guten Geschichte bekommen Sie noch ein Exemplar an der Rezeption.
 
Im alten Cannes, bevor Brougham das Örtchen zur Stadt machte, gab es die palmenbestandene Promenade ebensowenig wie die Hotel-Paläste „Majestic“, „Carlton“ oder „Martinez“ oder in Nizza das „Negresco“, die bis heute die Bilder der beiden Städte, nicht nur an den Uferpromenaden prägen. Ein liebenswertes, kleines und persönlich geführtes Hotel in Nizza finden Sie HIER. 

Wer in Cannes einmal ein einfaches und reelles Restaurant sucht, geht in die Rue de Meynadier ins "Bons Enfants" oder ins Farigoule und liest HIER vorher nach.


Das „Negresco“ trägt bis heute den Namen seines Gründers, den des Rumänen Henry Negresco. Bis zu seinem fünfzehnten Lebensjahr, arbeitete er in der Wirtschaft seines Vaters in Bukarest, ehe er als Kellner, später Koch in zahlreichen europäischen Küchen arbeitete, schließlich nach Monte Carlo kam und später in Nizza Küchenchef des „Casino Municipal“ wurde.

Den Traum vom eigenen Hotel verwirklichte er mit dem Geld des Automobilunternehmers Alexandre Darracq. Zur Eröffnung im Jahr 1912 waren sieben Regierungsoberhäupter anwesend und natürlich Gustave Eiffel, der die Stahlkonstruktion der Kuppel entworfen hatte und freimütig erzählte, daß die Brust einer seiner vielen Geliebten ihm da als Modell gedient hatte; nur von welcher, das wisse er nicht mehr ganz genau. Ganze zwei Jahre dauerte die ganze Herrlichkeit, das Hotel wurde im Weltkrieg zum Militärhospital umfunktioniert. Negresco war ruiniert und starb zwei Jahre nach Kriegsende in Paris.

Alles über die Côte und noch
mehr über Nizza finden Sie
in Jens Rostecks
Gebrauchsanweisung.
Wer das „Negresco“ an der Promenade des Anglais in Nizza oder das „Carlton“ an der Croisette in Cannes heute betritt, kann kaum mehr nachfühlen, wie es Zelda und F. Scott Fitzgerald ging, als sie erstmals das „Hôtel de Paris“ in Monte Carlo besuchten.
„Um uns herum wieselten Hotelangestellte, sie brachten uns Billetts und Genehmigungen, Stadtpläne, Landkarten, insgesamt fast so etwas wie eine ganz neue Identität.“
Auch wenn, wie schon beim Negreso, die Inneneinrichtung teurer war als der gesamte Bau, so werden die Personalkosten heute ganz anders kalkuliert; von fünf Bediensteten pro Gast ist bei weitem nicht mehr
Blick vom Splendid in Cannes auf den Yachthafen                                     Bild Hotel
die Rede. Wenn der Literaturkritiker Fritz Joachim Raddatz, der mal Cheflektor bei Rowohlt war und seine Bücher über Heine und Rilke in Nizza geschrieben hat, auf seinem Beobachtungsposten im Negresco saß, blieb für ihn nur
„ein Gipfel an zirkushaft dekorierter Geschmacklosigkeit, wobei die russischen Milliardäre ihre gleich-blonden, gleich-langbeinigen Mädchen bei AVIS offenbar gleich mitbestellen“.
Aber solange Menschen wie ein britischer Schlagersänger namens John
„ein eigenes Zimmer für seine 300 Brillen“
bestellt, müsse uns um den Fortbestand des Hauses nicht bange sein.
Auch die weiteren üblichen Verdächtigen aus den Bereichen Kino und Musik haben hier genächtigt: Beatles, Mick Jagger und die Garbo -
nur um die Spanne anzudeuten.

Donnerstag, 22. März 2018

Kestens "fremde Götter": Aktueller denn je

 
In, wie immer bei Nimbus, sorgsamer
Gestaltung und Ausstattung
Wäre der Roman "Die fremden Götter" , den Hermann Kesten 1948 in New York schrieb, siebzig Jahre später, also jetzt, zum ersten Mal erschienen, wären die Filmrechte längst verkauft und der Film im nächsten Jahr in den Kinos - was sicher auch den Verlag freuen würde. Ende der 1940er Jahre ging das noch nicht, mit dieser tragikomische Farce, in der Freiheit und Toleranz einen schweren Stand haben und die auch deshalb heute aktueller ist, denn je.
"Ich glaube, es wird das erste Mal im deutschen Film sein, dass neben der Tragik oder dem Ernst so nah die Komik steht - übrigens wie es im Leben ja auch ist",
hatte Filmemacher Gerhard Born noch kurz vor der endgültigen Absage an Kesten geschrieben.

In dem Film hätten, ganz am Rande, einige Szenen in einem Konzentrationslager spielen sollen und das glaubten die Produzenten dem noch vom Nationalsozialismus geschädigten Publikum nicht zumuten zu können. Wahrscheinlich hatten sie recht. Denn damals gab es andere Themen für die Filmbranche. In der USA etwa Howard Hawks, der mit Gary Grant „Die männliche Kriegsbraut“ drehte, in Frankreich „Tatis Schützenfest“ und in Deutschland etwa eine Verwechslungskomödie mit Hans Moser und Theo Lingen „Um eine Nasenlänge“.

Aber „Die fremden Götter“, eine religiös-fanatische Auseinandersetzung zwischen Juden, Katholiken und Buddhisten, die sich in einem Teufelskreis gegenseitiger Verkennung hochschaukeln versprachen nicht ausreichend Kinobesucher; und mochte es noch so viele Ansätze für eine Komödie geben. Das Drehbuch hätte ein früher Vorläufer zur Komödie „Monsieur Claude und seine Töchter“ des Regisseurs und Drehbuchautors Philippe de Chauveron werden können. Wobei übrigens der Originaltitel - Qu’est-ce qu’on a fait au Bon Dieu?/ Was hat man dem lieben Gott nur angetan - dem Film viel gerechter wird.




Hermann Kesten (Bild: Monacensia München)
Der Schweizer Nimbus Verlag hat nun das Wagnis einer (Wieder)Veröffentlichung - in seiner verdienstvollen Reihe „Unbegrenzt haltbar“ - auf sich genommen und im Anhang auch den Schriftwechsel zwischen dem Autor Kesten und dem Produzenten Born veröffentlicht. Erstmals ist das Buch 1948 im Amsterdamer Querido Verlag erschienen. Querido war, neben etwa Allert de Lange, ebenfalls in Amsterdam, Obrecht in Zürich und Graphia in Karlsbad, der Verlag für die vielen Exilautoren, die seit 1933 vor den Nachstellungen der Nationalsozialisten und ihren Bücherverbrennungen geflohen waren.


Die Promenade des Anglais in Nizza: Kurz nach dem Krieg weitgehend autofrei
Das Buch spielt in Nizza, kurz nach Ende des Krieges: Walter Schott und seine Frau haben de façon miraculeuse die KZ-Haft überlebt und sind heimgekehrt in die Stadt, wo sie vor der Deportation ihre Tochter Luise zurücklassen mussten. Sie finden ihr Kind unverhofft wieder – französische Nachbarn hatten das Mädchen in einem Kloster in Avignon versteckt. Luise, dort fromm erzogen und inzwischen 17 Jahre alt, hat sich zur Erz-Katholikin entwickelt. Die Eltern versuchen Luise zum Judentum zurück zu führen. Vergeblich. Dann sollen Onkel und der Sohn des Rabbis es richten. Aber auch Onkel Colombe, ein alternder Lebemann und selbstgefällige Buddhist sowie Théodore, ein aufgeklärter Philosophiestudent, sind erfolglos, wollen aber möglichst auch garnicht erfolgreich werden.
Den Beiden geht es weniger um den elterlichen Bekehrungsauftrag und das Seelenheil des Mädchens. Sie wollen die junge, attraktive Frau für sich gewinnen und sind plötzlich sogar bereit, selbst zum Katholizismus überzutreten. Aber auch Luise ist verliebt, nämlich in den atheistischen Fotografen Henri. Das kann nicht gut gehen, auch wenn alle, im wahrsten Sinne des Wortes, guten Glaubens sind. Sie werden aber blind gegenüber den Folgen ihres Handelns und führen so oft das Gegenteil dessen herbei, was sie an sich beabsichtigen. Aber hier nicht mehr, sonst ist der tempo- und spannungsreiche Inhalt zu sehr vorweg genommen. Manchmal muß man eben selber lesen - und frau auch.

Hermann Kesten: Die fremden Götter. Herausgegeben von Albert M. Debrunner. Nimbus Verlag, Wädenswil/Schweiz, 248 Seiten, 28 Euro, ISBN 978-3-03850-045-2.

Der Buchhändler Ihres Vertrauens wartet auf Sie! Im gleichen Verlag ist übrigens auch die gewichtige Kesten-Biographie von Albert M. Debrunner erschienen. Folgen Sie dem LINK.


Donnerstag, 4. Mai 2017

Theodor Wolff: Irrfahrt über Nizza, Cannes, Aix-en-Provence und Montpellier

Die Promenade der Engländer heute,
aber scheinbar in der 1930er Jahren. Ein Foto von mue62 und gleichzeitig der Link
zu vielen weiteren beeindruckenden Fotos aus Südfrankreich.
Theodor Wolff, ehemaliger Chefredakteur des Berliner Tageblatts, das bis 1933 die einflußreichste Tageszeitung der Hauptstadt war, hatte Autoren wie Alfred Kerr, Rudolf Olden, Kurt Tucholsky, Joseph Roth und Alfred (und nicht Albert) Einstein für das Blatt gewonnen. Früh mußte er aus dem nationalsozialistischen Deutschland fliehen.
In Nizza hatten sich die Wolffs nach 1938 behaglich eingerichtet. Ein Haus am Meer, einige tausend Bände in der Bibliothek, die alten Möbel und Bilder - zu jedem konnten sie die Geschichte erzählen, wie sie auf einem der Pariser Flohmärkte gefunden hatten und warum sie es dann gekauft hatten – aber auch die vielen Treffen mit freundlichen Menschen hatten sie hoffen lassen,
„nicht wieder hinaus zu müssen, in eine verrückte Welt, in das Chaos und die dunkle Ungewißheit“.

Selbst die wenigsten Journalisten wissen
mit dem Namen noch etwas anzufangen. Bild BDZV
Wolff war angesehen in Nizza, nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, daß einer seiner beiden Söhne auf Seiten Frankreichs in der Fremdenlegion kämpfte. „Sie haben nichts zu befürchten“, hieß es von der Präfektur.

Dann aber doch. Alle Österreicher und Deutschen hatten das Gebiet der 14. Militärzone sofort zu verlassen. Ein letzter Gang durch die Stadt, ein Blick auf die Boulespieler, die das alles nicht interessiert:

„Kleinbürger in Hemdsärmeln messen nach jedem Kugelwurf sachkundig und wichtig die Distanz.“
Abfahrt nach Cannes, im Gepäck die Flohmarktkäufe wie ein kleines Mädchenbild von Gauguin und einen Toulouse-Lautrec. Zwei Tage später ein Hotel in Roquefavour bei Aix; da fallen abends die ersten Bomben und eine alte Engländerin setzt sich mit ihrem Opernglas in den Garten, „um das Schaupiel besser genießen zu können“. Weiter über Arles nach Montpellier und Saint-Gilles, „wo ein anlockendes Plakat die Existenz eines WC verkündet und damit die Vornehmheit“ des Hotels zu erkennen gibt.

Der Krieg, „der dort irgendwo im Norden Frankreichs Schrecken und Unglück erzeugt“, findet hier nicht statt; man liest allenfalls darüber.

„Hier unten, wo weder die Deutschen noch die Italiener die Sonne des Lebens verdunkeln, ist der Krieg eine Angelegenheit des Nordens, im übrigen sogar die Ursache mancher, allerdings taktvoll verschwiegener Vorteile, da er so viele zahlungsfähige Personen in die sonst spärlicheer besuchten Gegenden treibt."
Wolffs Bemühungen, Ausreisepapiere in die Vereinigten Staaten zu erhalten, scheitern mehrfach. 1943 wird er, wieder zurück in Nizza, von der italienischen Besatzungsmacht verhaftet, an die Gestapo ausgeliefert und stirbt noch im gleichen Jahr, nach einer Gefangenschaft im Konzentrationslager Oranienburg, im Jüdischen Krankenhaus in Berlin.

Den meisten ist Wolff nur als Namensgeber für den Journalistenpreis geläufig, den der Bundesverband der Zeitungsverleger jedes Jahr verleiht.