Donnerstag, 23. Juni 2016

Nebenstraße mit Weinprobe(n)


Für diesen Blick müssen Sie schon etwas weiter von der Rhône wegfahren.           Bild von Steffen Lipp
Selbst ohne Karte kann man sich auf den kleinen Straßen nicht verfahren. Rhone und Sonne weisen die Richtung. Und es gibt nun wirklich Schlimmeres, als ein kleines Hotel zu finden oder ein Gastzimmer, ein Chambre d‘hôte, wo Sie abends dann gemeinsam mit Ihren Gastgebern essen, sich mit dem Rhone-Buch von Pierre Imhasly auf die morgige Reise am Fluß entlang einstimmen und dann ganz entspannt weiterreisen.

Oder es bietet sich eine spätnachmittägliche Weinprobe an, zum Beispiel in Condrieu. Da müssen Sie einfach Mut aufbringen und auch einmal an einem Haus klingeln, das weniger nach Château oder Domaine aussieht, sondern so, als könnte jeder von uns auch darin wohnen. Und wenn Sie Glück haben, treffen Sie auf ein Weingut wie die Domaine Christophe Pinchon übernommen hat. Auf wenigen Hektar Rebfläche erzeugt er seine Spitzenweine. Oder, wenn es Ihnen eher ums große Etikett als um eine Neuentdeckung geht, fahren Sie aufs Château-Grillet in Verin, wo es, abgesehen vielleicht von Montrachet und Yquem, die renommiertesten und damit teuersten Weißweine gibt.

Hier auch ein paar andere Weingüter in der Nähe.


Wie Sie über die Route Napoléon nach Süden fahren, lesen Sie HIER.



Sonntag, 10. April 2016

Sanary-sur-Mer: "Hauptstadt der deutschen Literatur"


Sanary um 1930: Die Hafenpromenade aufgenommen aus dem Hotel de la Tour,
in dem  Katia und Thomas wohnten, bis sie eine standesgemäße Villa mieten konnten.
Das Städtchen Sanary-sur-Mer hat lange keinen Wert darauf gelegt, daß es in den dreißiger Jahren zur heimlichen „Hauptstadt der deutschen Literatur“ wurde. Ludwig Marcuse hat dieses Schlagwort formuliert. HIER im VIDEO geht es ab der vierzehnten Minute um Sanary und einen Spaziergang, den ich mit Gundi Rubelli zu den Häusern von Thomas Mann und Lion Feuchtwanger gemacht habe.

Zunächst war der Ort geprägt vom Gedenken an Resistance und Befreiung. Übermächtig die Marmortafel am Rathaus, die an den 23. August 1944 erinnert, als Maréchal de Lattre de Tassigny „auf seinem siegreichen Weg an den Rhein“ auch in Sanary die Wehrmacht vertrieb. Gleich nebenan die Rue Gabriel Péri, die an den Organisator des Widerstandes erinnert; er wurde 1941 von den Deutschen erschossen.

Bis 1987 dauerte es, als am Maison du Tourisme von Bürgermeister Ferdinand Bernard eine erste Gedenktafel enthüllt wurde, die eine ganze Reihe von Exilanten verzeichnet. Bernhards Vater war Österreicher, und wie viele der damals „unerwünschten Ausländer“ mußte er einige Zeit im Lager von Les Milles bei Aix-en-Provence verbringen. Mehr als nur denkbar also, daß er dort mit Feuchtwanger oder Hessel Kontakt hatte.



Die Bars "Marine" und "Nautique" waren die Treffpunkte der Autoren.
Hier eine Postkarte vom Anfang der 30er Jahre.
Sein Sohn ist nun stolz darauf, daß die rechtspopulistische Front National in Sanary nur noch ein geringes Wählerpotential hat. Als Bernard ein FN-Gemeinderatsmitglied zum „Faschisten und einer Schande für die Gemeinde“ erklärte, wurde der Prozeß gegen den Bürgermeister ausgerechnet in Toulon verhandelt, einer Hochburg der Rechten. Zu einer Strafe von damals 1 Franc wurde er mehr symbolisch verurteilt.

Zunächst im Verborgenen hat sich der Regionalhistoriker Bartélémy Rotger des Themas angenommen und später in Hervé Monjoin einen würdigen Nachfolger gefunden. Er arbeitet bei der Gemeinde und ist heute das lebendige Lexikon für alle Fragen der Exilliteratur. Eine Verabredung mit ihm im „Nautique“ kommt bei seinem Lieblingsthema auch sehr kurzfristig zustande.

Eine Sammlung der Exil-Literatur kam als Geschenk der deutschen Regierung in die Stadtbibliothek und im Theater Galli blicken nun das Ehepaar Werfel und Thomas Mann auf die Besucher. Inzwischen ist
Kurze Informationen an den
ehemaligen Wohnhäusern der
Exilanten: Hier Walter Bondy
Sanary Etappe von Bildungsreisen-Anbietern geworden, sogar amerikanischen, und das Maison du Tourisme hält ein dreisprachiges Bändchen bereit; sorgfältige Infos und Vorschläge zu Spaziergängen auf den Spuren der Literaten.

Den beginnen Sie am besten, wie es auch die Stadtführungen tun, an der Gedenktafel: „Den deutschen und österreichischen Schriftstellern mit ihren Angehörigen und Freunden, die auf der Flucht vor der Nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Sanary-sur-Mer zusammentrafen.“ Insgesamt nur 36 Namen waren lange Jahre dort verzeichnet, bis die Liste im Januar 2011, also auf den Monat genau 70 Jahre nach Hessels Tod, durch eine auf 68 Namen erweiterte Tafel ersetzt wurde.


                                       Die Gedenktafel (erstmals 1987) für die verfolgten deutschsprachigen Schriftsteller
                                       und Künstler am Hafen von Sanary: Im Jahr 2011 kamen viele Namen dazu.


 




Samstag, 9. Januar 2016

In Uzès und Montpellier: Literatur-Open-Air

Christian Feller verkauft nicht jedem jedes Buch
Wer in Uzes eine Buchhandlung besuchen möchte, die mehr Buch-Sammlung als Buch-Handlung ist, kommt am Besuch bei Christian Feller nicht vorbei. Wenn man ihn findet (am Parkplatz auf der Rückseite des Tour Fenestrelle) und wenn er geöffnet hat. Von manchen Büchern seiner Sammlung trennt er sich höchst ungern und es kann Ihnen passieren, daß er sagt: "Dieses Buch verkaufe ich in diesem Jahr noch nicht. Kommen Sie doch im nächsten Sommer wieder." So könne er erkennen, ob dem Käufer auch tatsächlich etwas an diesem speziellen Titel liegt. Sein lesenswertes eigenes Buch "Uzes dans Guides et les Guides d'Uzès" verkauft er natürlich gerne an jedermann.


1929, als die Weinreben noch
so hoch wuchsen, daß sie per Leiter
geherbstet werden mußten
Tausende von Besuchern finden sich beim jährlichen Bücherfest in Uzès ein. Mehr als einhundert Autoren haben mit Unterstützung einer Bürgerinitiative ihre private Buchmesse initiiert. Nicht immer zur Freude der Verlage und derem Bestreben, die in Frankreich wieder eingeführte Buchpreisbindung auch durchzusetzen, verkaufen sie ihre signierten Exemplare.
„Mit meiner Unterschrift mache ich aus dem verlagsneuen ein gebrauchtes Buch und das kann ich natürlich auch unterhalb des Ladenpreises verkaufen“,
findet ein Autor in Uzès eine französische Lösung.



Open-Air-Buchmesse mit Gut-Wetter-Garantie
Das funktioniert so nicht bei der „Comédie des livres“ in Montpellier; der örtliche Buchhandel regelt das hier über Zentralkassen. Über dreihundert Autoren und fünfzig literarische Zeitschriften sind bei dieser publikumsnahen Open-Air-Messe vertreten. Den Namen hat die Veranstaltung nicht, weil es hier besonders lustig zugeht, das zwar auch, sondern nach dem Veranstaltungsort, dem mitten im Zentrum gelegenen Place de la Comédie.


Kennt sich aus in der Literaturgeschichte
des Departements Gard: Jean-Claude Hauc
Regelmäßig vertreten, einmal weil er in der Stadt wohnt, aber auch, weil er gerade sein fünfzehntes Buch veröffentlicht hat, ist Jean-Claude Hauc: „Le voyage et la plume“ heißt der neue Titel und handelt von tatsächlich noch mit der Feder schreibenden Autoren, die vom Mittelalter bis zur Belle Époque Montpellier ihre Reverenz erwiesen haben.

Obwohl er in Montpellier geboren wurde, spielt hier nicht ein einziger der zahlreichen Romane von Léo Malet. Seine Figur des immer abgebrannten und dennoch immer großkotzigen Privatdetektivs Nestor Burma passt allerdings auch besser nach Paris, wo Burma in jedem Arrondissement mindestens einen Fall löst. Wenn Sie Glück haben bekommen Sie noch irgendwo eine der Hardcover-Ausgaben des Elster Verlages und können mit dem touristischen Anhang und anhand der Karten einen

Meist rettet Nestor Burma leicht bekleidete junge Damen wie im "Stress um Strapse"
ungewöhnlichen Paris-Aufenthalt planen. Vom Diogenes Verlag wurde diese Idee für die Gesamtausgabe der Maigret-Romane übernommen.

Als Bankangesteller, Clochard, Herausgeber eine Modezeitschrift und dann protegiert von den Surrealisten um André Breton, sowie nicht zuletzt nach seiner Gefangenschaft im Stalag X-B (dem Stammlager B des Wehrbezirks 10 in Sandbostel bei Bremen) hatte Léo Malet aus zahlreiche Welten zu berichten; Erfahrungen die seinem Nestor Burma zugute kamen. In „Nestor Burma in der Klemme“ - dessen größte Sorge ist es, auf dem Schwarzmarkt wieder an Pfeifentabak zu kommen - beschreibt Malet das weitgehend unaufgeregte Alltagsleben während der deutschen Besatzung von Paris.

Freitag, 27. November 2015

Konzentrationslager Rivesaltes: Um nicht zu vergessen

Château de Salses: Nicht lange nach dem Bau verlor
es seine strategische Bedeutung zwischen Katalonien und Frankreich
„Um nicht zu vergessen“ baute die Region Languedoc-Roussillon eine Erinnerungsstätte für das Lager von Rivesaltes. Das hat mehr als siebzig Jahre gedauert. Lange war das mit über 600 Hektar riesige Gelände, das nicht weit von Mittelmeer und etwas südlich vom Schloß von Salses liegt, militärisches Sperrgebiet, in dem die gemauerten Baracken vor sich hin verfielen, ohne daß das besonders auffiel. 

Erst als die Region Languedoc gleich nebenan ein Fortbildungszentrum des Handwerks aufbaute, dann ein Industriegebiet, durch das man auch heute zur Gedenkstätte fährt, und schließlich die Investoren für einen Windpark gefunden wurden, erst da tauchte die Frage nach der vorhergehenden Nutzung des Geländes auf. Das war nicht so ganz einfach, da sich insbesondere noch nach dem deutschen Einmarsch in Südfrankreich errichtete Munitionsdepots hier befanden und auch die Minen für den Küstenschutz. Den alten Lagerzaun ließ man von großen Baumaschinen niederwalzen. Noch heute bleiben Sie aber, wenn Sie sich trotz der Warnungen frei im Gelände bewegen, immer wieder im Stacheldraht des ehemaligen Zauns hängen. Und da das Lager in einer der heißesten französischen Regionen liegt, konnten auch die Metalldosen nicht verrotten, aus denen die Gefangenen fast täglich die Sardinen löffelten.


Siebzig Jahres nach Kriegsende endlich auf dem Weg zur Gedenkstätte

Das Lager von Rivesaltes war ursprünglich einmal von ehemaligen Spanienkämpfern als Ausbildungscamp der französischen Armee erbaut worden. Seither hat es unterschiedlichsten Zwecken gedient, war mal Ersatzlager, wenn sich in Gurs zuviele Gefangene befanden, diente der deutschen Wehrmacht als Kaserne, wurde anschließend von den Alliierten als Kriegsgefangenenlager genutzt, war in den 60er Jahren Sammellager für Algerier, Harkis, die in der französischen Armee gegen ihr eigenes Land gekämpft hatten und schließlich, noch nach dem Jahr 2000, Abschiebelager für illegale Einwanderer.

Von Jacqueline Veuve gibt es einen beeindruckenden Dokumentarfilm über das Lager, der die humanitäre Arbeit der Schweizer Krankenschwester Friedel Bohny-Reiter in den Jahren 1941 und 1942 in den Mittelpunkt stellt. Ihr gelang es vor allem viele Kinder vor dem Transport nach Auschwitz zu retten.

Sonntag, 18. Oktober 2015

Course camarguaise: Titelseite für den Stier

Course camarguaise: Immer ungefährlich für den Stier und ein Nachmittagsvergnügen auch für Kinder.
 
Das kann nur im Departement Gard passieren, dem Land der Courses camarguaises  - HIER im VIDEO -,der unblutigen Stierspiele: Die Titelseite der auflagenstärksten Tageszeitung, des „Midi Libre“, ist einem Stier gewidmet. Merkel kommt garnicht vor und Hollande nur im Zusammenhang mit der Frage, mit wem er denn diesmal seinen Urlaub verbringt. Also Stier Greco im Mittelpunkt, der schon viele Tropäen gewonnen hat; und die ganze Seite drei ist im auch noch gewidmet mit einer Homestory.
Alle Termine im Midi Libre und natürlich an den Plakattafeln

Course camarguaise steht manchmal auf den Plakaten der Dorffeste in den Städtchen des Midi. Solche Fêtes Votives sind eine gute Gelegenheit sich diese, mindestens immer für die Tiere ungefährlichen Spiele, erstmals anzusehen.


Viel Respekt vor dem Stier
Nur an drei Empfehlungen sollte sich jeder halten, wenn er einen Course zum erstenmal besucht: Nehmen Sie sich ein Kissen mit, eine Flasche Wasser und setzen Sie sich drittens keinesfalls auf einen der vielen freien Plätze, wenn die Dorfbewohner dicht gedrängt in der gegenüberliegenden Hälfte der Arena sitzen. Denn sonst sitzen Sie hinterher im Gegenlicht der auch um 17 Uhr noch heißen und hochstehenden Sonne.
Oft mit musikalischen Begleitprogramm und vielen Besuchern in der alten Tracht
 
Mit dem Capelado, dem Einzug der Raseteurs beginnt die Veranstaltung, die Eröffnung des ersten Kampfes folgt nach einer Trompetenfanfare. Der Stier kommt aus seinem Stall, auf dessen rot gestrichener Tür das Wort „Toril“ steht. Immer wieder verfolgt er die Raseteurs, manchmal so ungestüm, daß er in die Barrieren kracht oder gar darüber springt.
Jedes der Bändchen, die der Stier zwischen den Hörnern trägt, hat seinen eigenen Wert, der sich steigert, wenn der Stier es gut verteidigt. „Zehn Euro mehr vom Gipsergeschäft Peyric, zehn Euro mehr vom Restaurant 'Les trois Perdrix'.“ So stachelt der Arena-Lautsprecher die Raseteurs an und gerade die örtlichen Handwerker und Bars nutzen diese Art der fast streuverlustfreien Werbung.

Nur zum Spaß arbeiten die Raseteurs und Tourneurs längst nicht mehr. Die Tourneurs, die die Aufmerksamkeit des Stieres auf sich ziehen, um ihn für den Lauf der Raseteurs in die richtige Richtung zu drehen, sind ehemalige Raseteurs, und verdienen in der ersten Liga etwa so viel wie ein Grundschullehrer. Eine ganz wichtige Arbeit, denn nur wenn die gut gemacht wird, können die Läufer, Rechtshänder von der linken Seite und Linkshänder, den Stier durch abwechselnden Einsatz „zum Tanzen bringen“. Großer Beifall dann.

Bei den Raseteurs gehen die Honorare inzwischen in ganz andere Dimensionen. Wer die Trophée der Asse unverletzt durchsteht, kommt schon auf fünfzigtausend Euro, die Spitzenverdiener liegen im sechsstelligen Bereich haben ihre eigenen Fernsehsendungen und sind auf den Covern vieler Magazine zu finden. Aber sie sind bei hohem Risiko von April bis November drei- bis viermal die Woche im Einsatz; und zu Saisonende häufen sich die gefährlichen Situationen und auch die Verletzungen der Raseteurs - HIER IM VIDEO von Lleyton Hew.

Samstag, 17. Oktober 2015

Gide oder Churchill: Pas de sport

Charles Gide (li), der in Uzes lebte und bei dem André Gide oft zu Besuch war.
Das Bild rechts stammt von André Bourdil und wurde 1943 in Tunis gefertigt.
Statue und Bild befinden sich im sehenswerten Borias Museum in Uzes.
In einem Interview zu seinem Geheimrezept des Nicht-Alterns befragt, antwortete André Gide (1869-1951) kürzest: „Pas de Sport!“ und war damit der eigentliche Urheber eines später in englischer Sprache als "No sports! um die Welt gehenden Bonmots seines Nobelpreisträger-Kollegen Winston Churchill (1874-1965). Und da wir schon bei den Bonmots sind. Sicher verbinden Sie Churchchill nicht mit Woodstock. Er sich schon; er kam im britischen Woodstock zur Welt.

Gide war eine imponierende Erscheinung.

„Das Gesicht ist ausdrucksvoll und sensitiv, mit einer hohen, edel gebildeten Stirn, schmalen asketischen Lippen und seltsam mongolisch geschnittenen Augen, die unter
dunkelbuschigen Brauen aufmerksam, oft beinah listig blicken“,
beschreibt ihn Klaus Mann. In Uzès stößt man an vielen Orten auf den Namen Gide. Das Geburtshaus seines Onkels Charles steht gleich gegenüber der Ende des 20. Jahrhunderts dezent und stilgerecht renovierten Kirche Saint Etienne. Am 28. Juni 1847 wurde Charles Gide geboren; exakt einhundert Jahre später erhielt sein Neffe den Nobelpreis. Das Haus von Charles Gide ist ein guter Ausgangspunkt, um in die Stadt einzutauchen.

Schon im Ersten Weltkrieg hat sich André Gide in führender Position des „Foyer Franco-Belge“ engagiert, einer privaten Hilfsorganisation, die sich um Flüchtlinge aus von den Deutschen bereits besetzen Gebieten kümmerte; und einen Krieg später trat er aus dem gleichen moralischen Verantwortungsbewußtsein dem französischen „Comité de Patronage“ bei, das die Arbeit des Amerikaners Varian Fry in Marseille (siehe dort) wesentlich unterstützte.

Gide, so formulierte Jean-Paul Sartre 1951 in „Les temps modernes“, sei
„als Beispiel dafür nicht zu ersetzen, daß jemand seine eigene Wahrhaftigkeit ist“.
Wobei das sicher dem etwas leichter fallen kann, der sein Leben von Anfang an frei von jeglicher finanzieller Sorge verbringt. Sorgen hatte er allenfalls mit der Verwaltung seines großen Vermögens. Da gehörte bis 1920 das aus dem 15. Jahrhundert stammende Schloß des nahe Uzès gelegenen Lussan; und das Schloß von La Roque-Baignard mit über 400 Hektar Ländereien als Familienerbe und die gutdotierte Stellung seines Vaters ließen André Gide immer unabhängig sein. Regelrecht mit Bedauern stellt dies ein französisches Literatur-Lexikon fest; denn „ohne dieses Pech“, so der Schluß, „hätte er uns noch einige zusätzliche große Werke hinterlassen“.

Samstag, 3. Oktober 2015

Auch mit dem Motorrad: Lust auf Provence

 
Der Süden Frankreichs ist nicht nur für diejenigen, die sich per Fahrrad die Bezwingung des Mont Ventoux vorgenommen haben, eine ideale Reisegegend, sondern auch für den Typ von Motorradfahrer, der eine Landschaft "erfahren" will und auch noch etwas drüber hinaus.
 
Wer so unterwegs ist, dem sei ein Buch von Sylvia Harasim und Martin Schrempp aus dem Bonner Heel-Verlag empfohlen, das inzwischen leider nicht mehr lieferbar ist, das aber leicht über Plattformen wie ZVAB oder Abebooks erworben werden kann.


In zehn Touren wird die Provence beschrieben, wobei mir die Fahrt über das Plateau von Valensole - auch wenn es nur mit dem Auto war - besondere Freude und Abwechslung bereitet hat. Viele der hier beschriebenen Bars, Landgasthöfe oder Chambres d'Hôtes sind natürlich speziell auf die Zweiradfahrer ausgerichtet.

Und auch wenn eine Panne des Motorrades oder eines Oldtimers die Reisefreude mal trübt: Die im gleichen Verlag erschienenen Schrauber-Handbücher bieten in der Regel für alle Probleme eine Lösung.

Sonntag, 20. September 2015

Course camarguaise: Stier springt in die Zuschauer

Meist sicher in der ersten Reihe bei einem
Course camarguaise. In Saint Chaptes diesmal nicht. Bild Loula Jacob/TV SUD
Hinter der roten Holzbarriere, der anschließenden Mauer und einem zusätzlichen Absperrgitter, alles in allem sind das über 2 Meter, ist man in den Arenen Südfrankreichs meist sicher - meist. Anfang diesen Jahres hat ein Stier bei einem Course camarguaise in Saint Chaptes auch die eiserne Absperrung durchbrochen und fünf Zuschauer verletzt, einen vierzigjährigen Mann schwer. Loula Jacob war in der Arena und hat eine Fotoserie aufgenommen, die von den Redakteuren des Fernsehsenders TV Sud um Archivmaterial ergänzt wurde: HIER im VIDEO.

Der Manadier (Stierzüchter) Regis Bonnet von der Manade du Seden hat in einem Beitrag für ein VIDEO von TV Sud erklärt, daß der Stier natürlich wieder in die Arena darf, allerdings erst wieder im kommenden Jahr. Bis dahin habe er Zeit sich von dem Schock zu erholen.

Die Wucht des Aufpralls zeigt sich am zerborstenen Horn.   
Bild: Aus dem oben verlinkten Video von TV Sud
In aller Regel sind die Courses aber ein harmloses, manchmal sogar etwas langweiliges und - für die Stiere immer - ungefährliches Nachmittagsvergnügen, wie dieses VIDEO aus Sommières zeigt.

Die Raseteure sind Profis, in eigenen Ecoles des Raseteures ausgebildet, und ihnen sollte man die Arena überlassen. Immer wieder kommt es allerdings vor, daß sich selbst überschätzende Touristen, aber selbst Einheimische, bei einem Abrivado schwer verletzt werden. Die Kraft und Gefährlichkeit selbst eines noch jungen Stiers beweist das folgende Video von Roger Botch.

Samstag, 25. Juli 2015

Pont du Gard: Feuerwerk und Kanufahrt

Lassen Sie sich den Pont du Gard - hier im VIDEO von Nacy Nimes - nicht von den hohen Parkgebühren auf dem Riesenparkplatz des Rive Gauche, also der linken Seite des Gard, vergällen. Man muß ihn einfach gesehen, erfühlt, umwandert und vielleicht sogar erstiegen haben. Am besten parken Sie das Auto in Remoulins. Dann machen Sie einen Spaziergang auf dem rechten Gard-Ufer hin zum Pont und genießen kostenlos das Bauwerk und den Garrigue-Garten. Hier findet man ruhige Picknickplätze, die Ihnen das sogenannte Menue-Quick der Fast-Food-Restauration ersparen.

Einen dieser drei Tische sollten Sie für das Abendmenu und die Lichtschau reservieren.
Wenn Sie sich aber etwas Besonderes gönnen möchten, dann ein wirklich spätes Abendessen, im Juli also nicht vor einundzwanzig Uhr, im Restaurant „Les Terrasses“.

Es wurde lange von Madame Nutile geführt, der Frau des Sternekochs Jerôme Nutile, der sein Restaurant, die „Hostellerie Le Castellas“, nicht weit von hier in Collias hatte. Schade, daß die Beiden nach Nîmes umgezogen ist, in ihren "Mas de Boudan". Die Eröffnung dort war ein großes Fest mit vielen der großen Chefs: Michel Kayzer, Jacques Pourcel und Pascal Ginoux. Hier der BLOG VON JEROME NUTILE, mit vielen Rezeptideen und guten Gründen ihn im Restaurant oder im Bistrot zu besuchen.

Wenn Nutile allerdings zuhause sei, so sagte er mir, sei es seine Frau, die die Küchenherrschaft habe, denn eigentlich sei sie die bessere Köchin, „wenn auch nur ein ganz klein wenig“. Die Reservierung in der ersten Reihe mit dem freien Blick auf den Sonnenuntergang hinter dem Pont du Gard - an manchen Abenden ersetzt er das Feuerwerk - sollten Sie aber bereits ein paar Tage vorher machen.

Normalerweise ist der Aufstieg auf den
Pont du Gard verboten
Das Aufsteigen in, und erst recht auf die obere Bogenreihe, die das Wasser führte und teilweise noch von dicken Steinplatten bedeckt ist, ist inzwischen verboten und durch Eisengitter erschwert; das macht es nicht weniger verlockend. Wenn allerdings in Frankreich schon einmal Absperrgitter angebracht sind, dann wird es dahinter wirklich gefährlich. Wenn Sie schon glauben daran vorbei klettern zu müssen: Keinesfalls sollten Sie sich danach aus der Wasserleitung hinausbewegen. Eine ganze Reihe tödlicher Abstürze hat es gegeben, auch, weil unvorsichtige Kletterer von einer unberechenbaren Mistralbö erfasst wurden.

Greifen Sie lieber auf das abwechslungsreiche Programm des Pont du Gard, das Sie HIER (und auf deutsch) finden.

Möglichst dann sollten Sie den Pont du Gard genießen, wenn wenige andere Menschen dort sind. Für Stendhal wäre das Mitte des 19. Jahrhunderts nicht einmal an einem Feiertag ein Problem gewesen.
„Glücklicherweise und zur Freude des kunstbeflissenen Reisenden trifft der Blick, nach welcher Seite man auch schaut, auf keinerlei Anzeichen menschlicher Kultur. Einsam verströmen Thymian, wilder Lavendel und Wacholder ihren Duft unter einem Himmel von blendender Klarheit. Der Geist wird durch nichts abgelenkt. Es ist ein Erlebnis für wenige ausgewählte Geister. Die anderen denken nur voller Bewunderung an die Geldsummen, die er gekostet haben muß.“

Diese Einsamkeit findet man heutzutage nur noch sehr früh am Morgen, lange vor dem Frühstück. Oder am späten Abend, wenn die beeindruckende Lichtschau der Groupe F - hier in einem ZEITLUPENFILM von Robert Souillol - ihn immer wieder in neuen Farbspielen erscheinen läßt, vorbei ist.

 

Phantasievolle Licht-, Feuer-  und Computerschau               Bilder c Thorsten Schmalbach
 Eine ruhige Pontdu Gard-Tour können Sie auch in Collias beginnen. Sie mieten sich dort bei einem der Anbieter - (die sich alles preislich nicht viel tun)ein paar Minuten in Richtung Uzès und dann links rein - ein Kanu und lassen sich auf dem Wasser zum Pont du Gard treiben; nach längeren Trockenperioden müssen Sie das Boot ab und zu ein paar Schritte durchs Flußgeröll tragen. Am besten, Sie fragen vorher und lassen die Schuhe an, wenn Tragestrecken anstehen. Vor den Wasserschlangen müssen Sie keine Angst haben; das ist eher umgekehrt. Auf der zwei- bis dreistündigen Fahrt finden sich selbst bei Hochbetrieb verschwiegene Anlegestellen. Und am frühen Abend holen die Kanuverleiher Sie kurz vor Remoulins wieder ab und bringen Sie zu Ihrem Wagen zurück.







Sonntag, 7. Juni 2015

Handyfreies Slowfood in Alès: Restaurant Le Mandajors

Auf Seite 2 der Speisekarte steht ein wichtiger Hinweis: Das Mandajors - benannt übrigens nach Louis des Hours de Madajors, dem ersten Bürgermeister, den Alès (damals noch Alais geschrieben) sich im 17. Jahrhundert wählte – sei kein Fast-Food-Restaurant, eher ein Slow-Food-Restaurant.

Immer voll besetzt und Eine immer freundlich und noch mehr in Eile
Eine französische, von den Cevennen angehauchte Küche gibt es. Zum Beispiel ein Steinpilz-Omelette oder Tripes und manche Gerichte verfeinert mit Eßkastanien, die in den Cevennen im Überfluß wachsen. Selbst im Nachtisch werden sie verarbeitet, dem Coupe Cevenol, eine Kalarienbombe aus Vanilleeis und viel Sahne, die mit Eßkastaniensirup getränkt wird. Während Sie auf die empfehlenswerten hausgemachten Steinpilz-Ravioli warten, können Sie die Speisekarte studieren, die viele aktuelle und historische Hinweise auf die Stadt enthält. Und natürlich auf das Restaurant, das am längsten betriebene in Alès. Seit dem Ende der zwanziger Jahre hat es nur fünf Chefs gegeben und Fredéric Begouin, der jetzige Inhaber ist auch schon wieder seit 1991 dabei.
Großer Bahnhof vor dem kleinen und versteckt liegenden Restaurant
In der 1940er Jahren, während des Zeiten Weltkriegs gehörte es der Familie Trinquier, die im vorderen Teil die deutschen Besatzungssoldaten bediente und über den Hinterausgang die französischen Widerstandskäpfer der Résistance mit Essen versorgte. Das Preis-Leistungsverhältnis - Kreditkarten werden nicht akzeptiert - ist ist perfekt, das Tagesmenue ab 12 Euro, die Menues ab 16 Euro und das Viertel Rotwein aus verschiedenen Kooperativen der Cevennen kostet keine 2,50 Euro.


Handyverbot im Mandajors
Der Service agiert mit viel Übersicht und ist ausgesprochen freundlich - mit Ausnahme, wenn im Restaurant ein Handy klingelt, was dann sehr eindrücklich unterbunden wird. Viele Stammgäste und manchmal laute Diskussionen auch von Tisch zu Tisch. Sehr sympathisch und immer wieder einen Besuch wert. Mittags sollte man wirklich um 12 Uhr da sein oder reserviert haben; die 30 Plätze sind regelmäßig besetzt.