Samstag, 22. August 2020

Kasperski's Frauen von Camaret

Camaret-sur-Mer: Rund um den Vauban-Turm
ein Paradies für Schiffswrack-Liebhaber
Gabriela Kasperski liebt die Bretagne und scheinbar noch mehr die Menschen dort, zum Beispiel Nadège, Vivienne, Ayala, Magalie und Aileen. Natürlich sind auch ein paar Männer im Spiel, eher am Rande; die machen dann Komplimente, benehmen sich daneben oder sind wenigstens handwerklich einzusetzen. Aber insgesamt würde ich dem Buch einen anderen Titel geben: „Die Frauen von Camaret“ – und den Hinweis, es sei ein Kriminalroman,


weglassen. Scheinbar war der Verlag sich dabei auch nicht ganz sicher, denn das Wort findet sich auf dem ur-bretonischen Titelmotiv ziemlich klein zwischen Gicht und Wolken. Das Bild zeigt übrigens den Leuchtturm vor der Landspitze Pointe du Raz auf einem Felsen, der La Vieille, „die Alte“ heißt. Die französische Post hat ihn briefmärklich verewigt.

Manchmal wochenlang mußten die beiden Leuchtturmwärter auf La Vieille aushalten, ehe eine Ablösung möglich war.
Meine Frau fragte mich nach der Lektüre: „Warum sollte ich eigentlich diesen Frauenkrimi lesen?“ Ja, genau deshalb! Ihr hat er gefallen, mir nicht, was aber nichts gegen das angenehm zu lesende Buch und seine Protagonistin Tereza Berger, die Petite Suisse, sagt, die in Camaret-sur-Mer ein Haus geerbt hat und innerhalb weniger Tage sich ein funktionierendes Frauen-Netzwerk aufbaut, so gut, daß sie beschließ dort zu bleiben und – was sehr sympathisch ist – eine deutsche Buchhandlung zu gründen. Drücken wir ihr die Daumen, daß das in diesem kleinen Örtchen funktioniert, das seit 1975 eine ständig sinkende
Steilküsten und Sandstrände in der Umgegend von Camaret-sur-Mer
Einwohnerzahl hat; gerade mal zweieinhalbtausend sind es noch. „Die alten Säcke“ der Groupe des Anciens versuchen die kleine Schweizerin aus dem Ort zu ekeln, was aber natürlich nicht gelingt. Da passt dann schon „Morwen et sa soif pour les hommes“ auf, die Sindarin, die die Jüngeren aus dem Herrn der Ringe kennen. Kasperski erzählt im Buch die ganze Sage von Gwenach’ram, dem Leuchtturmwärter und neunfachen Vater von Mädchen…

Alles in allem eine leicht und locker geschriebene Strandlektüre, bei der es für den Fortgang der kriminalistischen Handlung kaum etwas ausmacht, wenn der bretonische Wind einmal ein paar Seiten weiterblättert.

Gabriela Kasperski: Bretonisch mit Meerblick. Emons Verlag, 12 Euro

 

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