Mehr als 200 Gemälde und Zeichnungen hat van Gogh während seiner Zeit in Arles und Saint-Rémy-de-Provence geschaffen. Keines befindet sich mehr in Arles. Zu Lebzeiten konnte er kaum einmal ein Bild verkaufen. Lange ging man davon aus, daß der „Rote Weinberg“ überhaupt das Einzige gewesen sei. Wie die Recherchen von Malte Lohmann für ein Buch des Nimbus Verlages ergeben haben, hat van Gogh zusätzlich sechs Zeichnungen von Den Haag im Rahmen einer Ausstellung und zwei Ölgemälde aus der Zeit in Arles selbst verkauft. Käufer war ein Trödler am Rond Point des Arènes. %20-%20Kopie.png) |
| Nicht einmal van Gogh hat dieses Gemälde je gesehen:Bild KI |
Das
eine Bild zeigt einen wandernden Scherenschleifer unter den Platanen am
Boulevard des Lices und das zweite einen Landstreicher, der am Ufer eines
Baches in der Nähe von Montmajour gesessen habe. Erzählt hat van Gogh das dem
Ingenieur Félix Serret aus Arles. Dessen Notizen darüber gelangten 1937 in die
Hände von Monsieur Garagnon, der als Englischlehrer am Gymnasium von Arles
arbeitete.
Selbst
diejenigen, die van Gogh porträtierte, waren meist nicht besonders stolz auf
die Bilder; dies sogar dann nicht, wenn er sie ihnen schenkte. Der Arzt Félix
Rey, der van Gogh in Arles behandelt hatte, nahm das Portrait immerhin mit nach
Hause. Er war damals Assistenzarzt und lebte noch bei seinen Eltern. Reys
Großmutter war so erbost über die Darstellung ihres Enkels, daß sie mit dem
Bild ein Brett am Hühnerstall ersetzte. Das jedenfalls erzählte Pauline Rey,
die Tochter des Arztes in einem Gespräch mit René Garagnon von der Association
des Amis du Vieil Arles, der mir die Tonband-Aufzeichnung vorgespielt hat.
Es
ist nicht nur einmal vorgekommen, daß Kunsthändler die Zeitzeugen in Arles und
Saint Rémy aufsuchten, um ihnen Bilder für wenig bis gar kein Geld
abzuschwatzen. Auch Félix Rey ist seinen van Gogh für mehr oder weniger Nichts
losgeworden. Kurz nach 1900 kam ein Soldat des 55sten Infanterie-Regiments, er
hieß Charles Camoin und war ein damals völlig unbekannter Maler, in die Praxis,
um sich krankschreiben zu lassen.
Rey
erzählte von dem van Gogh am Hühnerstall und bekam wenige Tage später eine
Postkarte von Camoin; er wolle das Bild kaufen und fragte nach dem Preis.
Zunächst wollte Rey 5 Francs verlangen, was die Großmutter für unanständig
hielt; da solle er es lieber verschenken. Dann verbesserte er seinen Brief und sagte
„dann male ich eben eine 3 vor die 5“. So wurde das Geschäft für 35 Francs gemacht.
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| Camoins Wiedergutmachung: Der Hafen von Cassis
(Ausschnitt) |
Bei
dem tatsächlichen Wert, der damals schon über 25.000 Francs lag, bekam Camoin
wohl doch ein schlechtes Gewissen und schenkte Rey ein Gemälde von sich, „Le
Port de Cassis“ und die Kopie einer Ärzteszene von Rembrandt, die Rey bis zu
seiner Pensionierung in seiner Praxis aufhängte. Die Hafenszene aus der
Provenienz Rey wurde 2010 von Christie’s zum doppelten Schätzpreis für 307.000
Euro verkauft.
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