Freitag, 9. Oktober 2026

Mit einem Bild von Vincent van Gogh den Hühnerstall repariert

Mehr als 200 Gemälde und Zeichnungen hat van Gogh während seiner Zeit in Arles und Saint-Rémy-de-Provence geschaffen. Keines befindet sich mehr in Arles. Zu Lebzeiten konnte er kaum einmal ein Bild verkaufen. Lange ging man davon aus, daß der „Rote Weinberg“ überhaupt das Einzige gewesen sei. Wie die Recherchen von Malte Lohmann für ein Buch des Nimbus Verlages ergeben haben, hat van Gogh zusätzlich sechs Zeichnungen von Den Haag im Rahmen einer Ausstellung und zwei Ölgemälde aus der Zeit in Arles selbst verkauft. Käufer war ein Trödler am Rond Point des Arènes.

Nicht einmal van Gogh hat dieses Gemälde je gesehen:Bild KI

Das eine Bild zeigt einen wandernden Scherenschleifer unter den Platanen am Boulevard des Lices und das zweite einen Landstreicher, der am Ufer eines Baches in der Nähe von Montmajour gesessen habe. Erzählt hat van Gogh das dem Ingenieur Félix Serret aus Arles. Dessen Notizen darüber gelangten 1937 in die Hände von Monsieur Garagnon, der als Englischlehrer am Gymnasium von Arles arbeitete.

Selbst diejenigen, die van Gogh porträtierte, waren meist nicht besonders stolz auf die Bilder; dies sogar dann nicht, wenn er sie ihnen schenkte. Der Arzt Félix Rey, der van Gogh in Arles behandelt hatte, nahm das Portrait immerhin mit nach Hause. Er war damals Assistenzarzt und lebte noch bei seinen Eltern. Reys Großmutter war so erbost über die Darstellung ihres Enkels, daß sie mit dem Bild ein Brett am Hühnerstall ersetzte. Das jedenfalls erzählte Pauline Rey, die Tochter des Arztes in einem Gespräch mit René Garagnon von der Association des Amis du Vieil Arles, der mir die Tonband-Aufzeichnung vorgespielt hat.

Es ist nicht nur einmal vorgekommen, daß Kunsthändler die Zeitzeugen in Arles und Saint Rémy aufsuchten, um ihnen Bilder für wenig bis gar kein Geld abzuschwatzen. Auch Félix Rey ist seinen van Gogh für mehr oder weniger Nichts losgeworden. Kurz nach 1900 kam ein Soldat des 55sten Infanterie-Regiments, er hieß Charles Camoin und war ein damals völlig unbekannter Maler, in die Praxis, um sich krankschreiben zu lassen.

Rey erzählte von dem van Gogh am Hühnerstall und bekam wenige Tage später eine Postkarte von Camoin; er wolle das Bild kaufen und fragte nach dem Preis. Zunächst wollte Rey 5 Francs verlangen, was die Großmutter für unanständig hielt; da solle er es lieber verschenken. Dann verbesserte er seinen Brief und sagte „dann male ich eben eine 3 vor die 5“. So wurde das Geschäft für 35 Francs gemacht.

Camoins Wiedergutmachung: Der Hafen von Cassis (Ausschnitt)

Bei dem tatsächlichen Wert, der damals schon über 25.000 Francs lag, bekam Camoin wohl doch ein schlechtes Gewissen und schenkte Rey ein Gemälde von sich, „Le Port de Cassis“ und die Kopie einer Ärzteszene von Rembrandt, die Rey bis zu seiner Pensionierung in seiner Praxis aufhängte. Die Hafenszene aus der Provenienz Rey wurde 2010 von Christie’s zum doppelten Schätzpreis für 307.000 Euro verkauft.

 

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Freitag, 25. September 2026

Wie in Roquebrune das Architektur-Ideal einer Frau vergewaltigt wird

 

Das Haus E.1027: 1930 einsam, heute umbaut

Nicht immer haben schöne Dinge einen Anspruch auf eine ebensolche Umgebung. Das geschichtsträchtige Haus mit dem seltsamen Namen E.1027 hat die irische Architektin Eileen Gray in Roquebrune-Cap-Martin bauen lassen. Es liegt zwischen Monaco und Menton, zwar direkt am Meer, ein paar Meter allerdings nur entfernt von der Bahnlinie und den heute die Küste dominierenden Ferienwohnungen im Riviera-Plattenbaustil.

Ebenfalls in Roquebrune, aber ganz anders, in einem riesigen Gartengelände, das einst zum Jagdrevier der Familie Grimaldi aus Monaco gehörte, liegt die „Villa La Pausa“ von Coco Chanel. Vor rund einhundert Jahren und damit fast zeitgleich zu E.1027 wurde die Villa geplant und erinnert doch eher an ein Zisterzienser-Kloster. Neben Igor Stravinsky waren es vor allem die Maler, die Coco sich hierher einlud: Pablo Picasso und Salvador Dali gehörten dazu. Später war es Winston Churchill, der nach dem Zweiten Weltkrieg hier als Autor seine klösterliche Ruhe fand. Nachdem das Haus ab den 1950er Jahren jahrzehntelang in Privatbesitz war, gehört es heute wieder dem Unternehmen Chanel und kann nur mit einer entsprechenden Einladung besucht werden.

Coco und das nach ihrem Haus benannte Parfum

Auf das Haus von Gray aufmerksam gemacht hat mich der Karlsruher Architekt Rainer Schneider. Und die Aufmerksamkeit hat es verdient. Zunächst des Namens wegen: E.1027 heißt es und verknüpft die Initialen von Eileen (E) Gray (7) und ihres rumänischen Partners Jean (10) Badovici (2) mit den Ordnungszahlen des Alphabets. Ein Haus für die Empfindsamkeiten und Bedürfnisse seiner Bewohner sollte es werden, ein offenes Haus mit Rückzugsecken, ein weißes Haus, innen wie außen, nach dem ausdrücklichen Willen seiner Erbauerin – so Gray 1929. 


Eileen Gray und Jean Badovici
Nachdem Gray das Haus ihrem jüngeren Architekten-Kollegen geschenkt hatte, hatte der nichts Besseres als seinem Kumpel, dem Architekten Le Corbusier die Erlaubnis zu erteilen, die „Baracke zu verschmieren“ – so hat sich „Corbu“ tatsächlich ausgedrückt. Und genau das tat er dann auch, mit knalligen Farben und teilweise erotischen Motiven. Eine plumpe Rache für die kritische Bewertung von Le Corbusier in einer Architekturzeitschrift, in der Gray dessen Konzept der „Wohnmaschinen“ für als alles andere als menschenfreundlich charakterisiert hatte.

„Corbu“ als Nacktmaler in Grays Haus

Jahre später wurde in dem lange leerstehenden und dann von einem kroatischen Fremdenlegionär besetzten Haus der Schweizer Arzt Peter Kaegi ermordet. Ihm wird eine sehr seltsame Rolle im Zusammenhang mit dem Tod von Le Corbusier zugeschrieben, dessen Erbe er angetreten hatte. Mit Voranmeldung kann das Haus, das sich als „Maison en Bord de Mer“ inzwischen im Eigentum des französischen Staates befindet, im Rahmen offizieller Führungen besichtigt werden.

 

 

 

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Freitag, 4. September 2026

Ludwig Harig: Unzufrieden mit Saint Tropez

 

Standesgemäß mit Papas Auto an die Côte d'Azur
 

Der Schriftsteller und Mehrfachpreisträger Ludwig Harig kam 1927 im saaarländischen Bergmanndorf Sulzbach 1927 zur Welt und hier hat er sie im Jahr 2018 auch verlassen, ohne indes je ein provinzieller Autor gewesen zu sein. Längere Aufenthalte führten ihn nach Paris und Berlin, nach Texas und Großbritannien. Fünfundvierzig Bücher hat Harig geschrieben. Das Leben ohne Bücher war keines für ihn. Und erst recht nicht ein Leben, das ihn nicht dauernd wieder in den Süden Frankreichs geführt hätte; standesgemäß mit dem Firmenwagen des Vaters.

Als Harig 1953 an die Côte d’Azur reiste beschrieb er schon die Auswirkungen eines Massentourismus, den es damals nun wirklich noch nicht gab. „Was hat Saint-Tropez ein schäbiges Flair angenommen! Vom Parkplatz am Frachthafen, zwischen Lagerschuppen und Einkaufsbaracken, strömt die Menge an den Staffeleien der Kitschmaler vorbei zu den Anlegestellen der Yachten.“ 

 

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Freitag, 14. August 2026

Die Erfindung des Champagners: Natürlich in Südfrankreich

Der Südfranzose geht von einigen unerschütterlichen Grundwahrheiten aus. So kommt alles Gute und Wichtige, wie könnte es anders sein, aus dem Midi. Dazu gehört natürlich auch der Champagner, der wahre und ursprüngliche, etwa eine Blanquette de Limoux aus dem Haus Antech. Brut Classique steht auf der Flasche, aber aus rechtlichen Gründen nichts von Champagner. 

Françoise Antech-Gazeaus betreibt mit ihrem Sohn Baptiste ein Weingut in siebter Generation. Die Blanquette gebe es seit 1531, erklärt sie. Und erst mehr als hundert Jahre später ist ein Mönch, nämlich jener Dom Pérignon, den wir viel eher mit Champagner in Verbindung bringen, bei einer Wallfahrt hierhergekommen. Und hier habe er das Verfahren kennen gelernt, sagt Madame: „Also ohne Südfrankreich kein Champagner!“

Tatsächlich war Dom Perignon aus Hautvillers in der Champagne zur Benediktiner-Abtei von Saint Hilaire gepilgert, die auf halbem Weg zwischen Limoux und Carcassonne liegt. Er wollte dort den Sarkophag des Missionars Saturninus besuchen.

Im Kloster von Saint Hilaire hatte Dom Pérignon sich mit dem Kellermeister, er selbst übte das gleiche Amt in Hautvillers aus, angefreundet und sehr genau beobachtet, wie der Wein bereits vor der abgeschlossenen Gärung auf Flaschen gezogen wurde. Durch die ansteigenden Temperaturen im Frühjahr fing der Restzucker wieder an zu gären, mit dem ungewollten Nebeneffekt allerdings, dass viele der Flaschen explodierten. Das sei der Vin du Diable lernte der Mann aus der Champagne, der, kaum dass er zuhause war, dickere Glasflaschen herstellen ließ und den Korken zunächst noch mit einer Schnur an der Flasche befestigte. Heute ist die Sicherung aus Draht und heißt Agraffe oder in Frankreich Muselet.

 

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Samstag, 25. Juli 2026

Die guten Weine aus Saint-Maurice und vom Mas Nouguier

Neuanlage eines Weinbergs der Lage Chante Perdrix

Wenn Sie schon einmal in diesem entrückten, aber heilen Winkel sind zwischen Uzès und Alès, empfehle ich dringend die Mitnahme einiger Flaschen etwa aus den Kooperativen von Saint-Maurice-de-Cazevielle oder Cruviers-Lascours. Zum Beispiel den Rotwein Mas Cabanel, eine Cuvée aus Syrah und Grenache. Diesen Weine der Kooperative von Saint Maurice können Sie in Maruéjols les Gardons oder in Brouzet les Alès an der Kreuzung von D 6 und D 7 kaufen. An der Départementsstraße 981 finden Sie in der Kooperative von Euzet einen wunderbar trockenen Muscat Petit Grain und den kräftigen Terre de Lacré, einen Rotwein aus Syrah und Grenache, den Sie gut fünf bis acht Jahre aufheben können – wenn Sie so standhaft sind. Nur ein paar Kilometer weiter, in Savignargues, liegt die Domaine Grand-Chemin der Familie Floutier, die hier seit über dreihundert Jahren ihren Wein macht. Amour de Gris heißt der Rosé aus Grenache und Cinsault, seit vielen Jahren ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Sommer.

Michel Cogoluegnes, der mir vor Jahren einen Weinberg mit alten Reben verkaufte und mich dann auch in die Kunst und vor allem die Mühen der Bearbeitung einführte, wurde im November 2012 während der Arbeit im Weinberg von einem Jäger erschossen, der alle Regeln der Vor- und Rücksicht außer Betracht gelassen hat. Eine Cuvée Michel haben unsere Nachbarn Bruno und Esther Schwyter im Jahr darauf abgefüllt. Ein gutgemeinter, wenn auch schlechter Trost. Die Arbeit im Weinberg habe ich lange maßlos unterschätzt. In Marcel Pagnols Die Wasser der Hügel hat der kluge Papet das seinem Neffen Ugolin einmal so erklärt: „Es gibt drei Arten sich zu ruinieren: die Weiber, das Spiel und die Landwirtschaft". 



Viel mehr dazu in meinem Buch Durch den Süden Frankreichs.

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Freitag, 12. Juni 2026

Was die Palme und das Krokodil mit Nîmes zu tun haben


Palmen und Krokodile,wo immer man hinsieht

In Nîmes waren vor allem die Veteranen angesiedelt worden, die Caesars Ägyptenfeldzug überstanden hatten. Eine Palme mit daran angekettetem Krokodil war ihr Erkennungszeichen. Und die späteren Generationen haben es übernommen. Selbst auf den Gullydeckeln findet es sich; oft genug werden Sie in Nîmes darüber hinweglaufen oder ihm, als Tattoo, an besonders attraktiven Stellen begegnen.

Ähnlich wie der Pont du Gard wird auch Nîmes von fast all seinen schreibenden Besuchern enthusiastisch gesehen. «Durch die Provence, die mir ganz dänisch aussah, erreichte ich Nîmes, wo die Größe des prächtigen römischen Theaters mich auf einmal nach Italien zurückversetzte. Das sogenannte Viereckige Haus steht noch in seiner ganzen Pracht, wie der Theseustempel bei Athen; Rom hat nichts so Wohlerhaltenes.» Der römische Süden brachte Hans-Christian Andersen wenigstens zeitweise auf andere Gedanken. Ständig waren seine Ängste gegenwärtig, echte wie vermeintliche, die vor Hunden, vor dem Feuer und besonders die, lebendig begraben zu werden. Das neun Meter lange Seil, das er in Hotelzimmern vor- sorglich ans Fenster legte, kann im Museum in Kopenhagen besichtigt werden. «Ich bin nur scheintot» – einen Zettel mit diesen Worten soll er – nicht nur auf Reisen – immer auf den Nachttisch gelegt haben.

Eines hatte der Mann, den die meisten nur als Märchendichter kennen, mit Thomas Mann gemein: die ausdauernde Unbarmherzigkeit, mit der er Tagebuch führte und jede Alltäglichkeit für notierenswert. Mit der gleichen Hartnäckigkeit, mit der Thomas Mann notierte, wer heute wieder zum Tee gekommen war, ob er von Stechmücken geplagt worden sei oder nicht, schrieb Andersen bereits im Alter 27 Jahren seine erste Autobiographie, in der er all seine eingebildeten Krankheiten und Unpäßlichkeiten auflistete. Wenn man sich selbst nur ausreichend wichtig nähme, dann sei man auf dem Weg, ein Kunstwerk zu werden, hatte Thomas Mann erkannt. Diese These hätte Andersen blind unterschrieben.

Wie viele vor ihm verliebte sich auch Franz von Löher in einen kleinen, mitten in der Stadt gelegenen Tempel, das Maison Carrée. «Es steht dort ein Heiligthum der Kunst, nach welchem Alles wallfahrten sollte, was sich an der reinsten Schönheitsquelle laben will. Es ist nur ein kleiner griechischer Tempel aus weißem Marmor, aber wie ein Götterbild, wie ein himmlischer Gedanke in gediegenen Formen ist das Bauwerk dahingestellt. Seitdem ich dieses gesehen, wanderte ich mit leichtem Kindessinn, in der Seele liebliche Melodien und Gestalten, umher unter den Resten der Kunst und in der Lichtfülle der südlichen Natur. Und immer, immer zog es mich dorthin zurück, meinen Sinn zu läutern und zu erfrischen und nie verließ ich die Stelle ohne sehnsüchtig zurück zu blicken.»


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Dienstag, 9. Juni 2026

Vaison, Gigondas und das bemerkenswerte Hôtel Les Florets

Das Hôtel des Florets 1935 (oben links) und heute: Untypisches Frühstück.
Vaison ist einen früh begonnenen Vormittag und einen Besuch im Musée Théo Desplans wert. Ausgrabungsfunde sind in zahlreichen Häusern der Gegend verbaut, etwa das antike, mit Mosaiken ausgelegte Bad im Haus von Monsieur de Saint-Marcel, bis es diesem zu viel wurde. Dauernd klingelten Touristen und wollten sein Bad sehen, das komplett aus römischen Säulen und Mosaiken errichtet worden war. Der Eigentümer hat dann alles kurz und klein schlagen lassen und wieder in die Ausgrabungsstätte zurückgebracht. Ebenso waren die Mosaiken, schöne Tierbilder, beim Weinhändler Andreas Guigon kaum mehr zu erkennen. Wieder andere füttern bis heute ihre Tiere aus römischen Sarkophagen. Baumeister und Marmorschneider plünderten die alten Stätten, zersägten die Säulen und verwendeten beim Bau ihrer Häuser mit Vorliebe die großen Steine aus den römischen Gräberfeldern.

Der Nachmittag ist in Vaison wichtiger als der Vormittag, denn  der endet mit einem Mittagessen auf der schattigen Terrasse des «Hotel Les Florets» im Tal hinter Gigondas - wenn Sie denn rechtzeitig reserviert haben: 0033490 65 85 01. Seit Generationen ist man hier gut aufgehoben; seit 1960 sind Hotel und Restaurant in Famlienbesitz. Die Hausnummer 1243 in der Rue des florets sagt uns, daß wir rund 1,2 Kilometer ins Tal hinein fahren müssen, ehe wir das Hotel erreichen; die französischen Hausnummern berechnen sich vom Beginn einer Straße in Metern bis zum entsprechenden Haus.

Blick auf die Dentelles de Montmirail

Einen so wunderschönen Blick auf die Dentelles de Montmirail haben Sie hier, daß man sich die Wanderung dorthin gut ersparen kann. Anhand der Weinkarte läßt sich zudem ohne größere Anstrengung durch die Domainen von Gigondas und Vacqueyras spazieren, wobei beim Château Saint Cosme – die gleichnamige Kapelle lohnt ebenso – auf alle Fälle ein Halt eingeplant werden sollte. Viele der Zimmer des Hotels werden erst am späteren Nachmittag gebucht, nachdem ein solcher "Weinkarten-Spaziergang", wegen der diversen Degustationen, von der Tagesordnung gestrichen wird. Ruhiger, und in der Nebensaison dazu ausgesprochen preiswert, werden Sie kaum übernachten können. 

Völlig untypisch ist das Frühstück im Florets. Weit weg von einem Café au lait und einer Scheibe aufgebackenem Baguette wird hier alles aufgefahren, was das Herz begehrt; siehe Bild oben.

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Freitag, 8. Mai 2026

Tauroentum bei Saint-Cyr: Atlantis am Mittelmeer?


                      „Was sehen wir denn in Tauroetum? Drei abwesende Tempel, zwei nicht anwesende Bäder,                            zwei nicht existierende Promenaden und einen unauffindbaren Zirkus.“

Normalerweise denkt man eher an die Kykladeninsel Santorin, wenn von einem Atlantis im Mittelmeer die Rede ist. Doch auch die Geschehnisse und Funde von Tauroentum regen immer wieder die Phantasie an. Wer von Marseille nach Osten fährt, kommt in Saint-Cyr-sur-Mer in der Route de la Madrague Nummer 131 zu einem Museum, das ausschließlich einer Stadt gewidmet ist, von der zunächst sogar Historiker der Auffassung waren, es habe sie nie gegeben. Dieses Gallo-Römische Museum von Tauroentum steht indes genau auf den Überresten dieser Stadt.

Lange war dieses Tauroentum für ein Sagengespinst gehalten wurde, für eine Legende, die sich ein Pfarrer und ein Soldat ausgedacht hätten, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. 1755 hatte der Theologe Barthélemy am Strand und in den Dünen Mosaikteile und Münzen gefunden. Knapp dreißig Jahre später war es der Marineoffizier François-Louis-Claude Marin aus La Ciotat, der Säulen, Grabsteine, Fresken, Teile der Stadtmauer und ein ganzes Theater fand.

Bis heute werden immer wieder Funde aus Atlantis angeschwemmt: Angeblich.

So schnell er die Dinge ausgrub, so schnell wurden sie von den Anwohnern der Gegend gestohlen, manchmal auch von Wind und Wellen wieder zugedeckt. So vollständikg, daß der Archäologe Joseph Méry das Ganze als nie gesehen verspottete. In einem Brief an Alexandre Dumas schrieb er: „Was sehen wir denn in Tauroetum? Drei abwesende Tempel, zwei nicht anwesende Bäder, zwei nicht existierende Promenaden und einen unauffindbaren Zirkus.“

Für die Schriftsteller, ob Historiker oder Geographen, aus der römischen und griechischen Zeit stellte sich die Frage nach der Realität von Tauroentum nicht. Strabon, Ptolemäus und Apollodorus von Ephesus beschrieben den Ort mit seinem Hafen und den Befestigungen und benutzen Begriffe wie portus und oppidum.

Für die Römer hieß der Ort Taurentum. Beeindruckend die Villa maritima, das Landhaus eines reichen Römers, das sich durch eine etwa achtzig Meter lange Terrasse mit direktem Zugang zu Strand und Meer auszeichnete. Der Ort soll im 1. Jahrhundert vor Christus rund zweitausend Einwohner gehabt haben. Auch Julius Cäsar erwähnt die Stadt in seinem Buch „De bello civili“ als „Tauroenta, quod est castellum Massiliensum“. Zweitausend Jahre später bestätigen Satellitenaufnahmen der NASA die korrekte Darstellung der antiken Autoren.

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                                                Aus den Rezensionen: