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| „Was sehen wir denn in Tauroetum? Drei abwesende Tempel, zwei nicht anwesende Bäder, zwei nicht existierende Promenaden und einen unauffindbaren Zirkus.“ |
Normalerweise
denkt man eher an die Kykladeninsel Santorin, wenn von einem Atlantis
im Mittelmeer die Rede ist. Doch auch die Geschehnisse und Funde von
Tauroentum regen immer wieder die Phantasie an. Wer von Marseille nach
Osten fährt, kommt in Saint-Cyr-sur-Mer in der Route de la Madrague
Nummer 131 zu einem Museum, das ausschließlich einer Stadt gewidmet ist,
von der zunächst sogar Historiker der Auffassung waren, es habe sie nie
gegeben. Dieses Gallo-Römische Museum von Tauroentum steht indes genau
auf den Überresten dieser Stadt.
Lange war dieses Tauroentum für
ein Sagengespinst gehalten wurde, für eine Legende, die sich ein
Pfarrer und ein Soldat ausgedacht hätten, um Aufmerksamkeit zu erzeugen.
1755 hatte der Theologe Barthélemy am Strand und in den Dünen
Mosaikteile und Münzen gefunden. Knapp dreißig Jahre später war es der
Marineoffizier François-Louis-Claude Marin aus La Ciotat, der Säulen,
Grabsteine, Fresken, Teile der Stadtmauer und ein ganzes Theater fand.
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| Bis heute werden immer wieder Funde aus Atlantis angeschwemmt: Angeblich. |
So
schnell er die Dinge ausgrub, so schnell wurden sie von den Anwohnern
der Gegend gestohlen, manchmal auch von Wind und Wellen wieder
zugedeckt. So vollständikg, daß der Archäologe Joseph Méry das Ganze als
nie gesehen verspottete. In einem Brief an Alexandre Dumas schrieb er:
„Was sehen wir denn in Tauroetum? Drei abwesende Tempel, zwei nicht
anwesende Bäder, zwei nicht existierende Promenaden und einen
unauffindbaren Zirkus.“
Für die Schriftsteller, ob Historiker
oder Geographen, aus der römischen und griechischen Zeit stellte sich
die Frage nach der Realität von Tauroentum nicht. Strabon, Ptolemäus und
Apollodorus von Ephesus beschrieben den Ort mit seinem Hafen und den
Befestigungen und benutzen Begriffe wie portus und oppidum.
Für
die Römer hieß der Ort Taurentum. Beeindruckend die Villa maritima, das
Landhaus eines reichen Römers, das sich durch eine etwa achtzig Meter
lange Terrasse mit direktem Zugang zu Strand und Meer auszeichnete. Der
Ort soll im 1. Jahrhundert vor Christus rund zweitausend Einwohner
gehabt haben. Auch Julius Cäsar erwähnt die Stadt in seinem Buch „De
bello civili“ als „Tauroenta, quod est castellum Massiliensum“.
Zweitausend Jahre später bestätigen Satellitenaufnahmen der NASA die
korrekte Darstellung der antiken Autoren.
Viel mehr in meinem Buch "Durch den Süden Frankreichs". Signierte Exemplare von manfred.hammes@web.de
Aus den Rezensionen:



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