Freitag, 8. Mai 2026

Tauroentum bei Saint-Cyr: Atlantis am Mittelmeer?


                      „Was sehen wir denn in Tauroetum? Drei abwesende Tempel, zwei nicht anwesende Bäder,                            zwei nicht existierende Promenaden und einen unauffindbaren Zirkus.“

Normalerweise denkt man eher an die Kykladeninsel Santorin, wenn von einem Atlantis im Mittelmeer die Rede ist. Doch auch die Geschehnisse und Funde von Tauroentum regen immer wieder die Phantasie an. Wer von Marseille nach Osten fährt, kommt in Saint-Cyr-sur-Mer in der Route de la Madrague Nummer 131 zu einem Museum, das ausschließlich einer Stadt gewidmet ist, von der zunächst sogar Historiker der Auffassung waren, es habe sie nie gegeben. Dieses Gallo-Römische Museum von Tauroentum steht indes genau auf den Überresten dieser Stadt.

Lange war dieses Tauroentum für ein Sagengespinst gehalten wurde, für eine Legende, die sich ein Pfarrer und ein Soldat ausgedacht hätten, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. 1755 hatte der Theologe Barthélemy am Strand und in den Dünen Mosaikteile und Münzen gefunden. Knapp dreißig Jahre später war es der Marineoffizier François-Louis-Claude Marin aus La Ciotat, der Säulen, Grabsteine, Fresken, Teile der Stadtmauer und ein ganzes Theater fand.

Bis heute werden immer wieder Funde aus Atlantis angeschwemmt: Angeblich.

So schnell er die Dinge ausgrub, so schnell wurden sie von den Anwohnern der Gegend gestohlen, manchmal auch von Wind und Wellen wieder zugedeckt. So vollständikg, daß der Archäologe Joseph Méry das Ganze als nie gesehen verspottete. In einem Brief an Alexandre Dumas schrieb er: „Was sehen wir denn in Tauroetum? Drei abwesende Tempel, zwei nicht anwesende Bäder, zwei nicht existierende Promenaden und einen unauffindbaren Zirkus.“

Für die Schriftsteller, ob Historiker oder Geographen, aus der römischen und griechischen Zeit stellte sich die Frage nach der Realität von Tauroentum nicht. Strabon, Ptolemäus und Apollodorus von Ephesus beschrieben den Ort mit seinem Hafen und den Befestigungen und benutzen Begriffe wie portus und oppidum.

Für die Römer hieß der Ort Taurentum. Beeindruckend die Villa maritima, das Landhaus eines reichen Römers, das sich durch eine etwa achtzig Meter lange Terrasse mit direktem Zugang zu Strand und Meer auszeichnete. Der Ort soll im 1. Jahrhundert vor Christus rund zweitausend Einwohner gehabt haben. Auch Julius Cäsar erwähnt die Stadt in seinem Buch „De bello civili“ als „Tauroenta, quod est castellum Massiliensum“. Zweitausend Jahre später bestätigen Satellitenaufnahmen der NASA die korrekte Darstellung der antiken Autoren.

Viel mehr in meinem Buch "Durch den Süden Frankreichs". Signierte Exemplare von manfred.hammes@web.de

                                                Aus den Rezensionen:


 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Ich freue mich auf Ihre Anregungen. mh