Freitag, 23. Oktober 2026

Kongeniales Paar: Mistral und Mont Ventoux

 

Mont Ventoux                              Steigungsprofil
Wenn der Mistral durchs Rhônetal fegt: Bis zu fünfzehn Grad kälter wird es innerhalb von Minuten. Dann können Sie auch im Sommer schon mal die Pullover aus dem Koffer holen. Wer diesen schneidenden Wind nicht erlebt hat, kann ihn nicht nachempfinden. Sommers wie winters kommt er überraschend, dauert drei, sechs, manchmal neun Tage und kann die Menschen verrückt machen. Es gibt Strafprozesse, in denen Verteidiger den Mistral als Rechtfertigungsgrund bemüht haben.

Wie früher die Maler des Lichts müssen heute die Fotografen dem Sturmwind dankbar sein. «Der Mistral fegt den Himmel rein, wehte die Schwüle, die Wolken fort», freute sich Wolfgang Koeppen über sein Glück. Das ist der richtige Tag, um auf den Mont Ventoux hinaufzufahren; wichtig vor allem, daß Sie sich nicht zu nahe am Straßenrand halten und das Steuer mal ausnahmsweise wirklich mit beiden Händen. Das gilt an solchen Tagen erst recht auf den Autobahnen, wo Sie aber ständig vor den «Vents violents» gewarnt werden. In der klaren Luft des Mistral «sind die Bäume sturmgepeitscht, Felder und Sträucher wie das erregte Meer».

Bereits in der Antike war der Mistral den Menschen ein furchterregendes Naturschauspiel. Der griechische Geograph Strabon nennt ihn «Melanboreas», schwarzer Nordwind, ein Begriff, der in der Dauphiné noch bis ins 19. Jahrhundert gebräuchlich war, als er überall sonst schon Mistral hieß. Der Name leitet sich her vom lateinischen magistralis, ein Meisterwind also.

Petrarca zwischen zerrissenen Mistral-Wolken
Am 26. April 1336 stand Francesco Petrarca als Erster oben auf dem Gipfel des Ventoux – als Erster jedenfalls, der den Weg auf den Berg auch dokumentierte. «Zuerst stand ich, durch einen ungewohnten Hauch der Luft und durch die ganz freie Rundsicht bewegt, einem Betäubten gleich da.» Der Blick reicht vom Rhônetal zu den Alpen, dann zum Mittelmeer und bis hin zu den Pyrenäen.

Viel mehr in meinem Buch "Durch den Süden Frankreichs", das ich gerne signiert zusende: manfred.hammes@web.de 


 


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