Samstag, 29. April 2017

Salon de Provence: Seifenmanufakturen Fabre und Rampal-Latour

Julie und Marie Bousquet-Fabre   Bilder:Schetter
Es waren einmal vierzehn; nur noch zwei Manufakturen für Seife gibt es heute in Salon de Provence: Marius Fabre und Rampal-Latour (in der rue Félix Pyat) stellen die traditionelle Savon de Marseille in vierter Generation beziehungsweise seit 1828 her.

Als im Jahr 1900 der 22jährige Marius Fabre in einer Scheune in Salon-de-Provence zwei Seifensiedekessel und ein paar Gießbecken aufstellte, begann eine Familientradition, die andauert. Julie und Marie Bousquet-Fabre, die Urenkelinnen des Gründers kümmern sich heute in der Avenue Paul Bourret ums Geschäft.

1688 legt Ludwig XIV. mit dem Edikt von Colbert die Regeln für die Herstellung der Seife fest. Sie muß in offenen Kesseln gesiedet und darf ausschließlich aus hochwertigen pflanzlichen Ölen hergestellt werden. Künstliche Farbstoffe und Konservierungsmittel sind tabu. Marius Fabre ist heute eine von nur noch vier traditionellen Seifenmanufakturen, die nach diesen Regeln arbeiten.


Pflanzenöl und Soda kochen
zehn Tage bei 125 Grad
Eine Spezialität bei Fabre ist die Herstellung einer schwarzen Schmierseife „Savon Noir“; auch auf der Basis von Olivenöl . Sie ist ein „Wundermittel“ für vielfältigste Anwendungen, von der Bodenpflege bei Holz und auf Fliesen bis hin zum putzen von Silber oder Kupfer. Auf dem Hundefell hilft sie gegen Blattläuse und macht das Fell besonders weich und glänzend.

Das Museum direkt neben der Fabrik lohnt den Besuch, auch weil speziell für Kinder ein Workshop mit dem Diplom des „kleinen Seifensieders“ angeboten wird.


Noch einmal gut 70 Jahre ist die Manufaktur Rampal-Latour . Deren Gründer, Pierre Rampal lernte sein Handwerk in Marseille, wo er auch Seifenmeister wurde. Eine erste große Auszeichnung, eine Goldmedaille, gab es auf der Weltausstellung des Jahres 1900. Zu Beginn der 1950er Jahre, bedingt durch das Aufkommen der Waschmaschinen, fanden viele Siedereien keine Abnahme mehr. Rampal-Latour und Fabre überlebten, weil sie sich mit naturreinen kosmetischen Produkten dem Markt anpassten und einen Trend eher mitbegründeten als aufsprangen.

Samstag, 8. April 2017

Bambousseraie bei Anduze: Kleines Asien im Midi

Auch roter und schwarzer Bambus in der Bambousseraie bei Anduze
In den Bambusgärten von Prafrance bei Anduze herrscht das Mikroklima wie man es eher aus den subtropischen Gegenden Kleinasiens oder Südamerikas kennt. Bei Filmaufnahmen, wie zum Beispiel für Clouzots „Lohn der Angst“ aus dem Jahr 1952, mußten die Bambuswälder als südamerikanische Kulisse für Yves Montand, der aus Marseille stammt, und Peter Van Eyck herhalten.

Bestimmte Sorten wachsen bis zu 1 Meter pro Tag
Der Name des rund fünfunddreißig Hektar großen ehemaligen Landgutes hat eine zum Leidwesen der Eigentümer heute nicht mehr gültige Bedeutung. Prafrance bedeutete einmal steuerfrei. Eugéne Mazel, ein reicher Gewürzhändler und Botaniker, hatte das Gut Mitte des 19. Jahrhunderts gekauft, um sich sein Asien in Südfrankreich zu verwirklichen. Das gelang in der Anfangsphase auch, doch dann führten die immensen Kosten für Personal und die künstliche Bewässerung zu seinem Ruin.

Seit 1902 ist es nun die Familie Nègre- Crouzet, die die Parkanlagen führt, jährlich weiter ausbaut und ein gewinnbringendes Unternehmen daraus gemacht hat. Nicht nur der Berliner Zoo ist guter Kunde in Prafrance; von hier kommen die Bambusschößlinge für die Pandas in zahlreichen Zoologischen Gärten. Zwei bis vier Stunden sollten Sie für die Besichtigung der Wassergärten, der Koi-Teiche, des Labyrinths und des Teehauses einplanen. Nur niemals an einem Sommersonntag nach zehn Uhr hierher kommen. Es sei denn, Sie wollen die dann mindestens dreißigminütige Wartezeit vor der Kasse mit der Lektüre des ausgesprochen gut übersetzten deutschen Führers verbringen.

Eine verwunschene Wasser- und Urwaldlandschaft
Dem Reiz am Ausgang eine kleine Bambuspflanze im Topf mitzunehmen, sollten Sie widerstehen. Es sei denn, Sie hätten vor, in Ihrem Garten einen jahrelangen Kampf gegen einen späteren Bambusdschungel zu führen. Einen Kampf, den Sie mit Ihrem normalen Gartenwerkzeug zudem ziemlich sicher verlieren. Aber viele Landschaftsgärtner freuen sich über den Auftrag Ihren Garten mit Bagger und Radlader umzupflügen, um die meterlangen Wurzeln zu entfernen.

Sonntag, 2. April 2017

Alès: Der Resistance-Dichter und sein Drucker


In einem der heruntergekommenen Stadtviertel von Alès zeugt ein Museumsbergwerk von besseren Zeiten. Hier, wo schon die Benediktiner im 13. Jahrhundert mit dem Abbau der Kohle begannen, zieht sich ein 650 Meter langer Gang durch den Berg Montaud. Ganz authentisch vermitteln ehemalige Bergwerker Arbeit, Leben und Gefahren unter Tage. Bei nur 14 Grad Temperatur gehört ein Pullover zur Ausrüstung. Hier können Sie auch gut ihre größeren Kinder „abladen“, während Sie dreihundert Meter weiter die Straße runter in eine völlig andere Welt einfahren.

Wirklich sehenswert und das bei freiem Eintritt
Eine sorgfältig renovierte neoklassizistische Villa, eine wahre Schatzkammer für Buch- und Kunstfreunde. Nur soll dieses Haus offensichtlich niemand finden, denn die wenigen Hinweisschilder auf „P.A.B.“ lassen an alles mögliche denken, nur nicht an die Musée-Bibliothèque von Pierre André Benoît. Selbst wenn Sie nicht zur Mine wollen, können Sie aber deren Beschilderung „Mine témoin“ folgen und fahren dann automatisch an der Musée-Bibliothèque vorbei.

Benoît und seine Künstler
 
Für Braque, Miro, Picasso und Arp war Benoît die Anlaufstelle, wenn es um qualitativ hochwertige Drucke ihrer Kunstwerke ging. Und auch vielen Autoren war André Benoît der Ansprechpartner, um mit René Char und Paul Valéry oder André Breton nur die bekanntesten zu nennen. Vor allem die Zusammenarbeit mit René Char hat den Drucker
und Verleger Benoît geprägt. Bis zum Jahr 1954, als sie sich endlich auch persönlich kennen lernten, hatte Benoît bereits eine ganze Reihe der Bücher Chars gedruckt.

Daß später Picasso und Matisse die Bücher René Chars, der als Dichter der Resistance in die Literaturgeschichte eingegangen ist, illustrierten oder Georges Braque die von Benoît verlegten Bücher, war dann schon völlig selbstverständlich. Aus solchen Druckaufträgen und Kooperationen hat Benoît seine Sammlung aufgebaut.

Samstag, 25. März 2017

Jacqueline Kennedy, Juliette Greco und die starken Frauen des Languedoc

Im erzbischöflichen Palast von Uzès tagt gelegentlich die genealogische Gesellschaft des Languedoc-Roussillon, die die Region mit ihren Forschungen um vier „starke“ Frauen bereichert hat.
Edith Piaf als US-Graffiti. Sonst natürlich: Je ne regrette rien.     c Paul Stumpr
Daß Edith Piaf aus dem Süden stammt, läßt sich gut vorstellen. Und Anne de Montemart (1847-1933) sowieso; die Herzogin von Uzès war die

Anne de Montemart:  die
erste Französin mit Führerschein
erste Frau in Frankreich, die den Führerschein machte und tatsächlich auch ein Automobil lenkte. Bei den Pferden im Stall durfte sie das angstmachende technische Gerät aber nicht unterstellen; das setzte der Pferdeknecht beim Herzog durch.

Anne de Montemart: Gelegentlich
auch schnell zu Pferd unterwegs
Ähnliches passierte zu jener Zeit Reisenden auch in den damaligen wie heutigen Touristenmetropolen. Als Rudyard Kipling, der Autor des „Dschungelbuchs“ in Avignon Station machte, verbot ihm der Hotelbesitzer sein Auto im Hof zu parken; das mache die Pferde scheu.

Auf einem überlebensgroßen Bild von Antoine Weisz im Musée Borias ist die Herzogin de Montemart als Reiterin in jagdlicher Umgebung dargestellt; wie immer übrigens in Trauerkleidung, die sie seit dem Tode ihres Mannes trug - da war sie gerade 29 Jahre alt. Die dritte im Bunde ist Jacqueline Kennedy, die in direkter Linie von Simon Mercier (1610-1686) abstammt, einem Wollschneider aus Saint Michel d‘Euzet. Und mit Juliette Greco aus Montpellier (* 27.2.1927)ist das Quartett perfekt. Wenn es nur irgendwie geht, gönnen Sie sich die Greco, die ja oft im Midi auftritt. Wenn Sie Glück haben, gehört Ihr

Chanson über „Monsieur Faulkner“ ins Programm und das Leben, das eine „drôle d‘histoire“ ist. Wenn man ihre Stimme bei diesem Lied hört, wünscht man sich nichts anderes als dieser Idiot oder der einfältige Erzähler dieser Geschichte zu sein:

La vie, c'est une drôle d'histoire
Contée par un sot
Ou par un nigaud
Une histoire
Qui s'enfuit

pleine de bruit, de fureur
Pleine de bruit, de fureur. 


 La vie, un chemin bizarre
Qui monte et descend
Et tourne et se prend
Au Hasard
Mort ou vif
Plein de nuit, de lueurs
Quand l'un rit, l'autre pleure
Comme dit Monsieur Faulkner.

Viens, viens,
Nous n'y pouvons rien
Un jour, y a plus de tout à l'heure
Viens, viens,
Ton temps t'appartient
Et par ta pauvre vie mon Coeur.

Longues, longues et froides années
Pourquoi courez-vous
Pour nous harceler ?
Moi je veux
Pour le peu
Que j'ai à faire sur la terre
Vivre au gré de mon coeur
Comme dit Monsieur Faulkner.
 





Samstag, 11. März 2017

Barjac: Mehr als Anselm Kiefer und Antiquitäten

Barjac ein Städtchen, das Ostern und im August zur Hauptstadt des globalen Antiquitätenhandels wird. Einkäufer aus den Vereinigten Staaten, aus England und selbst Japan fanden hier bis in die achtziger Jahre günstige Ware. Hunderte von Händlern gibt es auch heute noch, nur sind die Schnäppchen-Zeiten längst vorbei.
Der Brunnen vor dem alten Rathaus
Nicht zuletzt hat dafür der erste Messetag, der sogenannte Händlertag gesorgt. Da findet man die guten und preiswerten Dinge ab dem zweiten Tag zwar immer noch, aber zum mindestens doppelten Preis beim Standnachbarn.

Wenn Sie dennoch einmal mittendrin und nicht nur dabei sein wollen, mieten Sie sich zu Ostern bei Catherine L‘Helgoualch ein. Ihre „Domaine de la Sérénité“ liegt am Rathausplatz, also mitten im Messetrubel, ein auffälliges altes Maison de Maître und mit wertvollen Stilmöbeln, Sammlerstücken und Stoffen eingerichtet; kein Wunder, ist die Inhaberin doch selbst Antiquitätenhändlerin.

Mit Anselm Kiefer ist einer der bekanntesten deutschen Nachkriegskünstler hierher gezogen. Seine großformatigen Bilder und Collagen, zu sehen etwa in den Kunstsammlungen der Deutschen Bank, bei Würth in Erstein und Frieder Burda in Baden-Baden, sind heute teilweise noch voluminöseren Installationen gewichen.


Ein großformatiges Blumen-Bild (2,80 x 1,90 Meter) hat Kiefer den Einwohnern von Barjac geschenkt; es hängt in der Mairie und ziert zu Beginn dieses Jahres 2017 mit einem Text von Arthur Rimbaud, den dieser im Oktober 1870 geschrieben hat, die Homepage der Stadt.


C'est un trou de verdure où chante une rivière
Accrochant follement aux herbes des haillons
D'argent ; où le soleil, de la montagne fière,
Luit : c'est un petit val qui mousse de rayons.


Un soldat jeune, bouche ouverte, tête nue,
Et la nuque baignant dans le frais cresson bleu,
Dort ; il est étendu dans l'herbe sous la nue,
Pâle dans son lit vert où la lumière pleut.


Les pieds dans les glaïeuls, il dort. Souriant comme
Sourirait un enfant malade, il fait un somme:
Nature, berce-le chaudement : il a froid.


Les parfums ne font pas frissonner sa narine ;
Il dort dans le soleil, la main sur sa poitrine
Tranquille. Il a deux trous rouges au côté droit.

 

Immer seltener ist er zuletzt in der öffentlichen Wahrnehmung. Warum ausgerechnet Barjac?
„Das Verlassen eines Landes ist eine Art Hygiene. Früher habe ich mich mit der jüngsten deutschen Geschichte beschäftigt. Doch das kann man nicht ständig machen.“
In La Ribaute, einem fünfunddreißig Hektar großen ehemaligen Landgut, denkt er sich seine eigene Welt, und konstruiert seinen Sinn des Lebens.
„Ich halte das Leben aus, in dem ich in einem kleinen Bereich eine Ordnung herstelle“,
sagte er in einem Interview mit Dorothee Müller in der Süddeutschen Zeitung. Doch dann ist ihm Ordnung nicht der richtige Begriff.
„In dem ich in meinen künstlerischen Tätigkeiten einen Zusammenhang herstelle. Sonst würde ich nicht leben.“


Samstag, 4. März 2017

Jean Giono: Der Mann, der die Bäume pflanzte

 
Wer heute zu Fuß oder mit dem Wagen in den waldreichen Cevennen unterwegs ist, kann sich kaum vorstellen, daß diese Landschaft zweihundert Jahre zuvor fast kahl gewesen ist. Über Jahrhunderte hatten die riesigen Tannen- und Buchenwälder als Bau- und Brennholz herhalten müssen, ohne daß sich jemand Gedanken gemacht hätte, wo die kommenden Generationen ihr Holz herholen sollten.

Mitte des 19. Jahrhunderts begann der Förster Georges Fabre mit der Wiederaufforstung der Cevennen. Sein Pendant auf der anderen Seite der Rhone war der Schäfer Elzéard Bouffier, dem Jean Giono mit seiner Geschichte „Der Mann, der die Bäume pflanzte“ ein Denkmal setzte. Wenn Sie knapp zwanzig Minuten Zeit haben, lohnt der Film von Margret und Jürgen Vanscheidt, den Sie HIER ANSEHEN können. Die umgewandelte Super8-Qualität ist naturgemäß nicht mehr berauschend, es lohnt aber wegen der Nähe zu Gionos Text und einem guten Gespür für die Bilder. Selbst wenn Sie gar keine Zeit haben, sehen Sie sich einen oskarprämierten Zeichentrickfilm HIER (in langsam gesprochener und gut zu verstehender französischer Sprache)an: Frédéric Back hat ihn 1987 gedreht und neben dem Oskar auch die Goldene Palme in Cannes dafür gewonnen. Sowas von zurecht!


Ausgerechnet in der Modezeitschrift „Vogue“ erschien 1954 der Erstabdruck von Gionos Geschichte.
„Dieser Mann war mehr als ein Schäfer, denn er pflanzte täglich hundert Eicheln und andere Baumsamen in den verkarsteten Boden, denn er hatte erkannt, daß das Land ohne Bäume sterben würde und beschloss, dem abzuhelfen. So Gott ihm das Leben gönnte, würde er in dreißig Jahren so viel gepflanzt haben, daß diese zehntausend bereits gepflanzten Bäume sich dagegen wie ein Tropfen im Meer ausnehmen würden.“
Giono hat Bouffier über Jahre hinweg immer wieder besucht und bei seinen Wanderungen begleitet.
„Wenn dieses Wirken frei ist von Egoismus, und wenn der Impuls, der sein Handeln leitet, ungewöhnlich großherzig ist, wenn auch nicht nach Belohnung und Anerkennung geheischt wird und dieses Wirken darüber hinaus Zeichen in der Welt hinterlassen hat, dann begegnet man zweifellos einem unvergeßlichen Menschen.“
Die Folgen waren offensichtlich.
„Als ich zum Dorf hinabstieg, sah ich Wasser in Bachläufen fließen, die seit Menschengedenken trocken gewesen waren. Noch nie war es mir geschenkt, derartige Folgen von Arbeit zu erleben.“
Vor Fabres Zeit war hier nichts als Ödland

Wenige Jahre später sind diese provenzalischen Wälder teilweise militärischen Interessen geopfert worden. Sie wurden abgeholzt, um Raketensilos, Panzerübungsplätzen und Öltanks Platz zu machen.

„Unversehrt blieben nur wenige Buchen und Erlen“, erinnerte sich Giono in einem Interview kurz vor seinem Tode. „Sie werden nicht einmal die Spur eines Andenkens an Elzéard Bouffier finden. Seien Sie zufrieden mit dem Text und dem Geist der Sache. Er hat sein Genügen in sich.“
Bouffier ist 1947 im Alter von fast neunzig Jahren gestorben und ähnlich in Vergessenheit geraten wie Georges Fabre. Und was links der Rhone die Raketensilos sind, sind auf den Hochebenen des Larzac und in den Cevennen die Schießplätze.
 

Samstag, 25. Februar 2017

Firmin Abauzit: Der wahre Philosoph

Seine protestantische Mutter flüchtete mit dem damals Sechsjährigen in die Cevennen, als nach dem Edikt von Nantes ihr Sohn katholisch erzogen werden sollte. Dann wanderten sie in die Schweiz aus, wo Firmin Theologie und Physik studierte und sich zum gefragten Diskussionspartner etwa eines Isaac Newton entwickelte.
Blick aus dem Museum auf die Türme der Stadt Uzès

Nachdem er Newton erste Fehler nachgewiesen hatte, sagte der nur noch:
„You are well worthy to judge between Gottfried Leibniz and me.“
Firmin Abauzit
Und auch bei Voltaire hatte Abauzit einen tiefen Eindruck hinterlassen. Als ein Bewunderer Voltaires einmal sagte, er sei nur gekommen, um einen wirklich großen Denker zu sehen, antwortete dieser:
„Dann müssen Sie zu Abauzit gehen.“


Für Jean-Jacques Rousseau war er
„le seul vrai philosophe du siècle“. 
Brigitte Chimier, Kunstgeschichte hat sie studiert bevor sie Museumsleiterin in Uzes wurde, kann Ihnen viel über Abauzit und das Bild erzählen, das dort von ihm im Boreas-Museum hängt. Aber auch alles über Ulysse Dumas , über den sie eine Ausstellung organisiert hat.Den Landwirt aus
Brigitte Chimier weiß alles über Uzès

Baron, zwischen Uzès und Alès gelegen, zog es zur Archäologie und Höhlenforschung. Zahlreiche Ausgrabungen und Untersuchungen hat er in der Region durchgeführt und darüber geschrieben; meist im „Bulletin archéologique“ zum Beispiel über Megalithen bei Foissac oder die Höhle von Seynes. Auch als Dichter und Fotograf hat sich Dumas einen Namen gemacht, der mit gerade mal 36 Jahren 1909 gestorben ist.

La Rose des Vents
In seinem stattlichen Mas, dem „Maison d’Ulysse“ gleich gegenüber der Mairie von Baron können Sie ruhig und gediegen, aber nicht ganz preiswert übernachten. Zu einem ordentlichen Preis-Leistungsverhältnis essen Sie in der „Rose des Vents“, einem Restaurant, das zwar direkt an der D 981 liegt, aber dennoch eine ruhige und schattiger Terrasse in Richtung der direkt anschließenden Weinberge hat.

Celine Zouhir hat Ihre Küchen- und Servicemannschaft gut im Griff und sieht alles. Französisch regional und manchmal kreolisch angehaucht ist die Küche und gute Steacks. Ansonsten zeichnet sich Baron nur noch durch eines aus, die samstäglichen Polizeikontrollen an der Straße nach Uzès nämlich, sehr gewinnbringend, weil fast jedermann zu schnell unterwegs ist zum Markt.

Samstag, 28. Januar 2017

Maguelone: "Kleines Propriété" einer Professorenwitwe

Als der Schriftsteller Moritz Hartmann, so um 1850, auf dem Canal du Rhone à Sète von Aigues-Mortes nach Sète reiste, machte er an „der weltberühmten, sagenhaften, vielbesungenen Insel“ Halt und war schnell enttäuscht.
Von der westgotischen Burg über die Kathedrale zum Weinanbau im Mittelmeer

„Es sieht traurig aus, dieses kleine Eiland, das einstens einen mächtigen Bischofssitz auf seinem schmalen Rücken getragen.“
Heute ist aus der Insel eine Halbinsel geworden, auf die Sie in den unvertouristeten Monaten mit dem Auto fahren und von dort eine einsamste Strandwanderung machen können. Öde und einsam empfand auch
Nicht nur im November: Viel Platz am Strand
Hartmann den geschichtsträchtigen Ort. Selbst die auf dem Meer vorbeiziehenden Schiffe
„würdigen das alte Gemäuer keines Blickes. Einige Rinder, der Schaffner mit Weib und Kind sind die einzigen Bewohner, und das Land, das ehemals so stolze Titel trug, gehört als ‚kleine Propriété’ einer simplen Professorswitwe aus Montpellier.“

Rund eintausend Jahre lang, bis ins 16. Jahrhundert, war Maguelone Bischofssitz, ein kleiner Flecken Land von nicht einmal einem Quadratkilometer. Die Kathedrale war mehr Wehrkirche als Gotteshaus und mit ihren Mauern von zweieinhalb Metern Dicke, mit den Pechnasen und Schießscharten Teil der Stadtmauer geworden. Und immer waren
Wehrhaft (Bild: cc Wiki Bonhu1962)
Stadt und Kirche umkämpft. Die Sarazenen eroberten den Ort im 8. Jahrhundert, wenig später dann Karl Martell: Die von den Arabern geschonte Kirche wurde vom Christen zerstört. Wieder und prächtiger aufgebaut, weil sich immer wieder Päpste hier aufhielten, war Maguelone während der Religionskriege mal protestantisch, mal katholisch, bis Richelieu den Befehl zum Schleifen gab. Diesmal blieb aber wenigstens die Kirche erhalten.

Allmählich ist Maguelone dabei, seinen Frieden zu finden. Dies ist vor allem 
den "Compagnons de Maguelone" verdanken, die sich dort um schwer erziehbare und behinderte Jugendliche kümmert. Auf deren Homepage können Sie einen virtuellen Rundgang durch die Kirch machen und Sie bekommen einen Überblick über die klassischen Konzerte in diesem klangwunderbaren Raum.

Weiter gibt es eine Gaststätte, in der der dort angebaute Wein verkauft wird - an dem Diabetiker ihre Freude haben werden - und einen Hofladen am südlichen Ortausgang von Palavas; lassen Sie sich von dem Schild „Sackgasse“ nicht abschrecken. Den Einkauf aber am besten erst bei der abendlichen Rückfahrt, es sei denn, Sie müßten sich noch noch für ein Strandpicknick versorgen.

Von dort sind es gerade mal zwei drei Kilometer zur Kathedrale, die Sie im Sommer auch mit dem kleinen Bähnchen zurücklegen können, das abends diejenigen Strandbesucher einsammelt, die südlich von Maguelone gerne für sich sein möchten und das selbst in der Hochsaison auch können. Und wahrscheinlich werden Sie auch eine
Eldorado für Kinder und ältere Kieselfreunde
Tasche voller Muscheln und besonders schön vom Meer zugeschliffenen Handschmeichler-Kiesel mit nach Hause nehmen.



Samstag, 21. Januar 2017

Les Baux: Morgners weiblicher Troubadour

Irmtraud Morgner
Gab es auch Troubadourinnen? Für die DDR- Schriftstellerin Irmtraud Morgner (1933 bis 1990; Bild: Bundesarchiv, Ausschnitt)) keine Frage. Ihre Trobadora Beatriz wird nach einem achthundertjährigen Schlaf sehr rüde aufgeweckt - in der DDR. „Dieser Roman, der so lächelnd schon im Titel verspricht, uns in eine ferne Provence des Mittelalters zu entführen, spielt heute“, warnte der Luchterhand Verlag seine westdeutschen Leser schon auf dem Umschlag der Taschenbuchausgabe.

Der Roman „Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura“ erschien 1974. Da wurde sie bereits von ihrem Mann, dem Lyriker und Drehbuchautor Paul Wiems für das Ministerium für Staatssicherheit bespitzelt. 1977 ließ sich Morgner von Wiems scheiden.

Der erste Satz:

„Natürlich ist das Land ein Ort des Wunderbaren.“
Da hat Irmtraud Morgner sich gründlich geirrt, sollte sie tatsächlich die DDR als das gelobte Land der Emanzipation der Dichterinnen und Schriftstellerinnen gemeint haben; obwohl man das bei nicht weiß, schließlich war sie dort im Vorstand des Schriftstellerverbandes.  Oder hat sie ihn ironisch beschrieben, diesen Staat, in dem ideologische Bewertungen entschieden, wer schreiben durfte, wer gedruckt und gelesen werden durfte. Ein bürokratisch kontrolliertes System der Literaturgewährung für die Leser. Die für mich nachvollziehbarste Deutung bezieht diesen Satz auf das Land, in dem die Trobadora eingeschlafen ist, auf die Provence, auf Les Baux.
Übergangslos: Stadt Fels Ort.                                         Bild Oleg Znamenskiy cc
„Sie brannte auf das Wiedersehen mit der einzigartigen Stadt, die in wilder Felsenlandschaft hoch aus einem Monolith gehauen war, ohne sichtbare Übergänge vom Fels zum kunstvollen Gemäuer. Diese knochenähnlich verwitterten Felsenformen, die nackt und gewaltig in Kräutern stehen, steil.“
Dann trifft sie einen Autofahrer, der ihr erklärt, daß statt des Bauxit heute die Touristen ausgebeutet werden, und sie in die tief in die Felsen gehauenen Weinkeller von Sarragan schickt.

Immer die ideale Temperatur.                Bild:Cave
Genießen Sie im Sommer einen Temperaturunterschied von meist mehr als zwanzig Grad und gönnen Sie sich hier Ihren Apéro in Form von ein zwei Gläschen Rosé, der aber wirklich nur hier schmeckt. Alles andere als ein großer Wein und denken Sie an die Trobadora und die Ausbeutung. Mit dem Bauxit, das ihm seinen Namen gab, hat Les Baux heute gar nichts mehr zu tun. Das kommt heute aus Brignoles, im Landesinneren zwischen Marseille und Toulon an der A 8 gelegen. Zwei Millionen Tonnen dieses Ausgangsmaterials zur Aluminiumherstellung werden hier gewonnen.

Wer mehr über die Agententätigkeit von Wiems nachlesen will, dem sei das Buch „Sicherungsbereich Literatur. Schriftsteller und Staatssicherheit in der Deutschen Demokratischen Republik“ von Joachim Walther ans Herz gelegt, das 1999 bei Ullstein erschien. Zu den vom bespitzelten Autoren gehörten Heinrich Böll und Günter Grass, aber auch Jurek Becker und Wolf Biermann, sowie Andrej Sacharow und Lew Kopelew.

 


Sonntag, 1. Januar 2017

Gelber Drache, roter Wein – Chinesische Betrügereien mit französischem Wein

Die Verwandlung von Wasser in Wein. Bisher nur in Kana und China. Giotto di Bondone um 1305        Bild Wiki cc
Alles, was man nicht für möglich hält, ist nicht unmöglich. Systematisch werden in China Weine gefälscht - so die Recherchen von Journalisten. Ganz so weit, nur noch den eigen angebauten Wein zu trinken, müssen wir allerdings noch nicht gehen.
„So sah ich zum Beispiel einen Wein mit dem Namen Bordeaux Portwein. Ein anderes Etikett verkündete stolz Syrah-Reben aus Bordeaux, während ein als Languedoc verkaufter Wein offensichtlich aus dem Elsass kam, das laut Etikett in Italien liegt. Und obwohl der 1998er für französische Weine kein herausragender Jahrgang ist, wird er von Fälschern bevorzugt verwendet, vermutlich, weil in China die 9 für Harmonie und die 8 für Reichtum stehen.“
Arbeit kann auch Spaß machen
Den ganzen Bericht von Nick Bartman lesen Sie auf der Website von Vinum, dessen Redaktion den Beitrag des Rechtsanwaltes hat übersetzen lassen. Bartman ist spezialisiert auf Maßnahmen gegen Produktpiraterie und hätte sich wahrscheinlich nicht träumen lassen auf eine ganze Wein-Mafia zu stoßen. Die englische Weinkritikerin Jancis Robinson, die eine wöchentliche Kolumne in der Financial Times hat und deren Lieblingsfeind Robert Parker ist, hat ihn auf www.jancisrobinson.com erstmals veröffentlicht. Ein langer Text, sicher, aber wie ein Krimi zu lesen. Flaschen, Etikette, Inhalte – alles systematisch gefälscht, wobei allenfalls tröstlich ist, daß die meisten Flaschen nicht exportiert werden.

Aber es bewegt sich nicht alles im kriminellen Rahmen. „Gelber Drache, roter Wein“ hat der SWR eine Dokumentation genannt und auch die WELT (Ute Müller) und die Badische Zeitung (mal wieder der immer lesenswerte Axel Vieil) nahmen sich des Themas an.

Müller berichtet von den Aktivitäten des Changyu-Konzerns, der in Navarra ein eingeführtes Familienunternehmen mit einer Produktion von immerhin 21 Millionen Flaschen im Jahr gekauft hat. 35 Millionen Euro war den Chinesen die 75prozentige Beteiligung wert, also an sich keine bedeutende Investition für Changyu, dessen Börsenwert über 5 Milliarden Euro beträgt.

Vieil beschreibt die chinesischen Engagements im Bordeaux, wo jeden Monat ein Château den Eigentümer wechselt. Globalisierungsfreunde sollte das freuen, denn Preise und Erträge steigen in diesem zinsfreien Zeiten überdurchschnittlich. Axel Vieil:


„Bordeauxwein kostet heute doppelt so viel wie 2009. China hat vergangenes Jahr für 580 Millionen Euro zehn Prozent der Produktion gekauft und ist wichtigster Exportmarkt. Die übrigen französischen Anbaugebiete brachten es zusammen auf 264 Millionen Euro.“
Auf den Weinmessen in Châlon, Montpellier und Strasbourg weisen Plakate schon heute auf die künftig wichtigsten Weinmessen hin: Hongkong, Peking und Tokio.