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Samstag, 25. Juli 2026

Die guten Weine aus Saint-Maurice und vom Mas Nouguier

Neuanlage eines Weinbergs der Lage Chante Perdrix

Wenn Sie schon einmal in diesem entrückten, aber heilen Winkel sind zwischen Uzès und Alès, empfehle ich dringend die Mitnahme einiger Flaschen etwa aus den Kooperativen von Saint-Maurice-de-Cazevielle, Cruviers-Lascours oder Euzet. Zum Beispiel den Rotwein Mas Cabanel, eine Cuvée aus Syrah und Grenache. Diesen Weine der Kooperative von Saint Maurice können Sie in Maruéjols les Gardons oder in Brouzet les Alès an der Kreuzung von D 6 und D 7 kaufen. An der Départementsstraße 981 finden Sie in der Kooperative von Euzet einen wunderbar trockenen Muscat Petit Grain und den kräftigen Terre de Lacré, einen Rotwein aus Syrah und Grenache, den Sie gut fünf bis acht Jahre aufheben können – wenn Sie so standhaft sind. Nur ein paar Kilometer weiter, in Savignargues, liegt die Domaine Grand-Chemin der Familie Floutier, die hier seit über dreihundert Jahren ihren Wein macht. Amour de Gris heißt der Rosé aus Grenache und Cinsault, seit vielen Jahren ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Sommer.

Michel Cogoluegnes, der mir vor Jahren einen Weinberg mit alten Reben verkaufte und mich dann auch in die Kunst und vor allem die Mühen der Bearbeitung einführte, wurde im November 2012 während der Arbeit im Weinberg von einem Jäger erschossen, der alle Regeln der Vor- und Rücksicht außer Betracht gelassen hat. Eine Cuvée Michel haben unsere Nachbarn Bruno und Esther Schwyter im Jahr darauf abgefüllt. Ein gutgemeinter, wenn auch schlechter Trost. Die Arbeit im Weinberg habe ich lange maßlos unterschätzt. In Marcel Pagnols Die Wasser der Hügel hat der kluge Papet das seinem Neffen Ugolin einmal so erklärt: „Es gibt drei Arten sich zu ruinieren: die Weiber, das Spiel und die Landwirtschaft". 



Viel mehr dazu in meinem Buch Durch den Süden Frankreichs.

Signierte Exemplare gerne von manfred.hammes@web.de


 


Freitag, 31. Mai 2024

Uzès: Die ungewöhnliche Domaine de Malaigue

Kann man einen Wein auch „sozial“ nennen, so wie das Vincent Damourette vor einiger Zeit in einem Beitrag für den Midi Libre getan hat?
Nachdem ich die Domaine besucht habe, muß ich sagen: Er hat recht. Als 1998 die Erträge der Domaine nicht ausreichten, hat François Reboul – mit dem Bäcker-Dichter aus Nîmes hat seine Familie nichts zu tun -, der das Weingut gerade in dritter Generation übernommen hatte, die Löhne seiner Arbeiter komplett ausbezahlt, sich selber aber nichts.


Allerdings ist das nur einmal vorgekommen, denn schon ein Jahr später war die Umwandlung zum Bio-Betrieb erfolgreich abgeschlossen und die vielen neuen Kunden akzeptieren seitdem auch die etwas höheren Preise.
 
„Den Preiskampf nach unten habe viele Winzer und vor allem Kooperativen inzwischen verloren. Den Wein im Bib abzufüllen oder im Vrac zu verkaufen, sagen wir mal für acht bis zehn Euro für die fünf Liter reicht nicht aus. Auch nicht, ihn tankzugweise und noch billiger an die großen Handelsketten zu verkaufen, schafft kein Auskommen,“
sagt Reboul. Und tatsächlich geht es vielen, die den Wein nur an-, aber nicht ausbauen, nicht besonders gut. Und das natürlich gerade in extrem trockenen Jahren, wie 2017, als die Quantität – und nur die zählt für die meisten – dreißig bis vierzig Prozent unter dem Vorjahr lag.

Hinzu kommt, das viele Winzer ihre Trauben im System der Fermage pflegen und ernten. Dabei verpachten Grundeigentümer ihre Weinberge, wobei sie dem Pächter lediglich einen Minimalbetrag von 500 bis 700 Euro je Hektar garantieren. Dafür gibt der Pächter seine Arbeitskraft, setzt seine Traktoren und die Erntemaschine ein, bezahlt Dünger und Spritzmittel und übernimmt die Ablieferung der Trauben in der Kooperative. Trockene Jahre werden so zum Risiko des Pächters. Erst wenn bestimmte Hektar-Gewichte deutlich überschritten werden, also über acht Tonnen liegen, fängt es an sich für den Pächter zu lohnen. Die hohen Werte von 15 oder manchmal über 16% bringen dem Pächter keine höheren Erträge.

        Mein Favorit: Der Rosé                                          Bilder OT Uzès
Entsprechend nehmen die Brachflächen zu. Denn immerhin rund 6.000 Euro bekommt der Eigentümer für einen über sieben Jahre stillgelegten Weinberg. Südfranzösische Winzer ärgern sich hinter vorgehaltener Hand über die Kollegen aus Süditalien, wo die stillgelegten Weinberge schnell wieder bewirtschaftet werden und so also doppelt kassiert wird. Die italienischen Satelliten machen scheinbar die Augen zu, wo die französischen gleich einen Strafbefehl frei Haus liefern.
 
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Viel mehr über Wein und andere Genüsse in meinem Buch "Durch den Süden Frankreichs" (700 Seiten, über 1.000 Bilder), das ich gerne signiert und portofrei zusende. Mail an manfred.hammes@web.de

So bewertet die FAZ: Eine „profunde Kulturgeschichte, glänzend formuliert, prachtvoll bebildert und vom Verlag wunderschön ausgestattet…die vielleicht fundierteste Darstellung zu diesem Thema, ganz gewiss ist es die am besten geschriebene“.

Professor Rainer Moritz, Leiter des Hamburger Literaturhauses, lobt im MDR die „hochinteressante Mischung aus Literatur, Kunst und Kulinarik“, und Martin-Maria Schwarz im HR „eine akribische Neuerkundung“. Zusammenfassend die Badische Zeitung: „Ein reiseliterarisches Meisterwerk“ und der NDR: „Ein ganz außergewöhnliches Buch!“

Samstag, 19. Mai 2018

Saint Césaire de Gauzignan: Domaine CévenCep und andere

Die Silhouette von Saint Césaire de Gauzignan hat sich kaum geändert in den vergangenen einhundert Jahren, auch nicht, daß die Einwohner in erster Linie vom Wein und dem Anbau von Oliven leben.

Die Ölmühle von Roger Paradis produziert regelmäßig auf den großen
Esther und Bruno Schwyter

Messen ausgezeichnete Öle, so das Picholine oder das fruitée à l’ancienne. Während noch vor einigen Jahren fast ausschließlich sich die Kooperativen um den Ausbau und die Vermarktung der Weine
Ölmühle Paradis
kümmerten, entstehen nun immer mehr selbstständige Weingüter. So das von Michael Bourassol (HIER mehr) , das des Bio-Winzers Bruno Schwyter vom Mas Nouguier www.besvins.ch , die Domaine des Vignes Rouges von Raphael et Séverine Dubois und das von Didier und Elisabeth Bonnal, die ihre Weine im Salle Polyvalente einem großen Publikum vorstellten.

Zwei Weißweine, ein Chardonnay und ein Roussane-Sauvignon, beide sehr fruchtig, wurden verkostet, ein Rosé Cinsault aus mittlerweile 40 Jahre alten Reben und die Roten aus den


Traubensorten Grenache, Cabernet und Carignan. Wer nicht dabei war, kann das leicht nachholen, in dem er Didier (06.09.47.68.83) oder Elisabeth (06.19.02.33.91) anruft. Nachholbedarf besteht sicher noch im Marketing; Prospekte und Internetauftritt werden wohl auch kommen, aber im Keller oder dem Weinberg gibt es eben immer Dinge,die gerade erledigt werden müssen.



Wenn Sie alle Weine ausgiebig probiert haben, empfiehlt sich ein Anruf bei Annemarie und Laurent Cogoluègnes (06.15.41.89.04), die in ihrer Gite Isalyne dann hoffentlich noch ein Zimmer für Sie haben.

Als Bischof Césaire das Dorf im 10. Jahrhundert gründete, geschah dies vor allem auch mit Blick auf die leicht hügelige Lage, die gute Weine versprach. Unruhige Zeiten erlebte Saint Césaire während des Kamisardenaufstandes, als zwei Kundschafter der Aufständischen beim Mas Nouguier getötet wurden und die königlichen Truppen die



Kamisarden bei einem Gottesdienst im Clau d’Issoire überfallen konnten. Im Nachbarort Martignargues kam es zu einer großen Schlacht, die die Königlichen verloren. Hier mehr dazu.  

Mit Bürgermeister Frédéric Gras ist vor einigen Jahren eine neue Dynamik in den Ort eingezogen, Neubaugebiete wurden ausgewiesen und die Einwohnerzahl, wie oft in den naturnahen Dörfern des Südens, ist ordentlich gestiegen (von 280 auf 380 in zehn Jahren).

Sonntag, 10. September 2017

Saint-Césaire-de-Gauzignan: Die Domaine des Luces und einige Parallelen zum Château d’Yquem

Wenn ein Winzer die Holzfässer des Château d’Yquem kauft und seine Weine – und gerade auch die Roten, die es bei Yquem ja garnicht gibt – darin lagert, dann spricht das für seinen Ehrgeiz oder es ist nur ein Marketing-Gag. Michael Bourrassol und seine Frau Séverine (Facebook: https://www.facebook.com/severinebourrassol/) haben mit Marketing bisher sehr wenig am Hut, sind also ehrgeizig und haben das schon im ersten Jahr des Bestehens der Domaine des Luces mit hervorragenden Weinen untermauert.

Yquem ist eine französische Aktiengesellschaft mit einem Kapital von 224.640 Euro. Wohl etwas mehr, vermute ich,  haben Michael und Sévrine in die Domaine investiert.Einen ziemlichen
Unterschied gibt es noch bei den Verkaufspreisen: 7 Euro kostet der derzeit teuerste Wein der Domaine des Luces, über 100.000 Euro wurden kürzlich für einen Yquem des Jahres 1787 gezahlt – für die Flasche, nur damit keine Zweifel aufkommen. Dafür hätte der amerikanische Käufer über 14.000 Flaschen bei Michael Bourrassol bekommen und damit ein Mehrfaches von dessen Produktion des ersten Jahres aufkaufen können.

Ganz billige Yquem hat übrigens Lidl vor einigen Jahren angeboten: Den 2011er für 349 Euro und den 1998er als halbe Flasche für 99 Euro. So preiswert ginge das heute nicht mehr.
Mich würde einmal interessieren, welche Ratschläge Sandrine Garbay, die Kellermeisterin von Yquem, die ihren Abschluß am renommierten Institut d’Oenologie de Bordeaux gemacht hat und ‚nebenbei‘ promovierte Biologin ist, den Beiden in Saint-Césaire geben würde. Eingeladen haben sie sie noch nicht.

Vielleicht würde sie auch sagen, daß es da garnicht mehr soviel zu verbessern gibt. Das wäre nicht nur für Michael Bourrassol ein Kompliment, sondern auch für seinen Oenologen Nicolas Berger, der auch die renommierte Domaine Saint-Firmin in Uzès berät. Immer am Donnerstag und Sonntag
fährt er die halbe Stunde raus nach Saint-Césaire. Derzeit ist man dabei die Produktion auf Bio umzustellen. Herbizide werden nicht mehr eingesetzt, statt dessen Rasen- und Mohnblumensamen ausgesät. Die Einzelheiten, auch zur Bodenbearbeitung, erzählt Ihnen Michael gerne.
Die Bourrassols haben ihren ersten Weine schöne Namen gegeben, deren Geschichten dazu man gut behält. Storytelling nennen das dann die Marketingstrategen, eine Kunst, die übrigens auch die Gestalter der Homepage von Iquem perfekt beherrschen; sie nennen das Anekdoten, in denen man etwa erfährt wie der japanische Kaiser plötzlich seine Vorliebe für die Süßweine aus Sauternes entdeckte. Wesentlich bodenständiger und familiärer geht das in Saint-Césaire zu. Daß die „Caprice de Lilou“ die Späße und Launen der kleinen Tochter Lilou wiedergeben, darauf hätte man noch kommen können. Nicht aber auf die Auflösung der „Balade d‘ amoureux“. Diese verliebten Spaziergänge machen die Eltern  der Winzer noch immer mindestens an fast jedem Wochenende. Nur hinter die Geschichte der
„Influence“, meines Lieblingsweines bin ich nicht gekommen. Wer hat hier wen beeinflußt?  Oder ist es der gute Einfluß, den die vier Rebsorten der Cuvée aufeinander haben? Syrah, Grenche, Petit verdot und Carignan sind perfekt aufeinander abgestimmt. Bei Lilou sind es übrigens Viognier und Roussane, eine Rebsorte, die vor allem im Rhônetal angebaut wird; deren Säure gibt dem eher pfirsischfruchtigen Viognier den richtigen Pfiff.

Für eine Weinprobe rufen Sie einfach an : 0033 611 39 44 84. Gegenüber der stillgelegten Kooperative geht’s die schmale Straße runter bis zum Ende und dann auf dem unbefestigten Weg noch ein paar Meter bis zum Weinkeller. Und am besten nehmen Sie auch gleich ein paar Kisten Wein mit, solange die Preise noch nicht auf Yquem-Niveau sind.




Sonntag, 1. Januar 2017

Gelber Drache, roter Wein – Chinesische Betrügereien mit französischem Wein

Die Verwandlung von Wasser in Wein. Bisher nur in Kana und China. Giotto di Bondone um 1305        Bild Wiki cc
Alles, was man nicht für möglich hält, ist nicht unmöglich. Systematisch werden in China Weine gefälscht - so die Recherchen von Journalisten. Ganz so weit, nur noch den eigen angebauten Wein zu trinken, müssen wir allerdings noch nicht gehen.
„So sah ich zum Beispiel einen Wein mit dem Namen Bordeaux Portwein. Ein anderes Etikett verkündete stolz Syrah-Reben aus Bordeaux, während ein als Languedoc verkaufter Wein offensichtlich aus dem Elsass kam, das laut Etikett in Italien liegt. Und obwohl der 1998er für französische Weine kein herausragender Jahrgang ist, wird er von Fälschern bevorzugt verwendet, vermutlich, weil in China die 9 für Harmonie und die 8 für Reichtum stehen.“
Arbeit kann auch Spaß machen
Den ganzen Bericht von Nick Bartman lesen Sie auf der Website von Vinum, dessen Redaktion den Beitrag des Rechtsanwaltes hat übersetzen lassen. Bartman ist spezialisiert auf Maßnahmen gegen Produktpiraterie und hätte sich wahrscheinlich nicht träumen lassen auf eine ganze Wein-Mafia zu stoßen. Die englische Weinkritikerin Jancis Robinson, die eine wöchentliche Kolumne in der Financial Times hat und deren Lieblingsfeind Robert Parker ist, hat ihn auf www.jancisrobinson.com erstmals veröffentlicht. Ein langer Text, sicher, aber wie ein Krimi zu lesen. Flaschen, Etikette, Inhalte – alles systematisch gefälscht, wobei allenfalls tröstlich ist, daß die meisten Flaschen nicht exportiert werden.

Aber es bewegt sich nicht alles im kriminellen Rahmen. „Gelber Drache, roter Wein“ hat der SWR eine Dokumentation genannt und auch die WELT (Ute Müller) und die Badische Zeitung (mal wieder der immer lesenswerte Axel Vieil) nahmen sich des Themas an.

Müller berichtet von den Aktivitäten des Changyu-Konzerns, der in Navarra ein eingeführtes Familienunternehmen mit einer Produktion von immerhin 21 Millionen Flaschen im Jahr gekauft hat. 35 Millionen Euro war den Chinesen die 75prozentige Beteiligung wert, also an sich keine bedeutende Investition für Changyu, dessen Börsenwert über 5 Milliarden Euro beträgt.

Vieil beschreibt die chinesischen Engagements im Bordeaux, wo jeden Monat ein Château den Eigentümer wechselt. Globalisierungsfreunde sollte das freuen, denn Preise und Erträge steigen in diesem zinsfreien Zeiten überdurchschnittlich. Axel Vieil:


„Bordeauxwein kostet heute doppelt so viel wie 2009. China hat vergangenes Jahr für 580 Millionen Euro zehn Prozent der Produktion gekauft und ist wichtigster Exportmarkt. Die übrigen französischen Anbaugebiete brachten es zusammen auf 264 Millionen Euro.“
Auf den Weinmessen in Châlon, Montpellier und Strasbourg weisen Plakate schon heute auf die künftig wichtigsten Weinmessen hin: Hongkong, Peking und Tokio.