Freitag, 12. Juni 2026

Was die Palme und das Krokodil mit Nîmes zu tun haben


Palmen und Krokodile,wo immer man hinsieht

In Nîmes waren vor allem die Veteranen angesiedelt worden, die Caesars Ägyptenfeldzug überstanden hatten. Eine Palme mit daran angekettetem Krokodil war ihr Erkennungszeichen. Und die späteren Generationen haben es übernommen. Selbst auf den Gullydeckeln findet es sich; oft genug werden Sie in Nîmes darüber hinweglaufen oder ihm, als Tattoo, an besonders attraktiven Stellen begegnen.

Ähnlich wie der Pont du Gard wird auch Nîmes von fast all seinen schreibenden Besuchern enthusiastisch gesehen. «Durch die Provence, die mir ganz dänisch aussah, erreichte ich Nîmes, wo die Größe des prächtigen römischen Theaters mich auf einmal nach Italien zurückversetzte. Das sogenannte Viereckige Haus steht noch in seiner ganzen Pracht, wie der Theseustempel bei Athen; Rom hat nichts so Wohlerhaltenes.» Der römische Süden brachte Hans-Christian Andersen wenigstens zeitweise auf andere Gedanken. Ständig waren seine Ängste gegenwärtig, echte wie vermeintliche, die vor Hunden, vor dem Feuer und besonders die, lebendig begraben zu werden. Das neun Meter lange Seil, das er in Hotelzimmern vor- sorglich ans Fenster legte, kann im Museum in Kopenhagen besichtigt werden. «Ich bin nur scheintot» – einen Zettel mit diesen Worten soll er – nicht nur auf Reisen – immer auf den Nachttisch gelegt haben.

Eines hatte der Mann, den die meisten nur als Märchendichter kennen, mit Thomas Mann gemein: die ausdauernde Unbarmherzigkeit, mit der er Tagebuch führte und jede Alltäglichkeit für notierenswert. Mit der gleichen Hartnäckigkeit, mit der Thomas Mann notierte, wer heute wieder zum Tee gekommen war, ob er von Stechmücken geplagt worden sei oder nicht, schrieb Andersen bereits im Alter 27 Jahren seine erste Autobiographie, in der er all seine eingebildeten Krankheiten und Unpäßlichkeiten auflistete. Wenn man sich selbst nur ausreichend wichtig nähme, dann sei man auf dem Weg, ein Kunstwerk zu werden, hatte Thomas Mann erkannt. Diese These hätte Andersen blind unterschrieben.

Wie viele vor ihm verliebte sich auch Franz von Löher in einen kleinen, mitten in der Stadt gelegenen Tempel, das Maison Carrée. «Es steht dort ein Heiligthum der Kunst, nach welchem Alles wallfahrten sollte, was sich an der reinsten Schönheitsquelle laben will. Es ist nur ein kleiner griechischer Tempel aus weißem Marmor, aber wie ein Götterbild, wie ein himmlischer Gedanke in gediegenen Formen ist das Bauwerk dahingestellt. Seitdem ich dieses gesehen, wanderte ich mit leichtem Kindessinn, in der Seele liebliche Melodien und Gestalten, umher unter den Resten der Kunst und in der Lichtfülle der südlichen Natur. Und immer, immer zog es mich dorthin zurück, meinen Sinn zu läutern und zu erfrischen und nie verließ ich die Stelle ohne sehnsüchtig zurück zu blicken.»


Viel mehr in meinem Buch "Durch den Süden Frankreichs". Signierte Exemplare gerne von manfred.hammes@web.de


 

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