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Freitag, 12. Juni 2026

Was die Palme und das Krokodil mit Nîmes zu tun haben


Palmen und Krokodile,wo immer man hinsieht

In Nîmes waren vor allem die Veteranen angesiedelt worden, die Caesars Ägyptenfeldzug überstanden hatten. Eine Palme mit daran angekettetem Krokodil war ihr Erkennungszeichen. Und die späteren Generationen haben es übernommen. Selbst auf den Gullydeckeln findet es sich; oft genug werden Sie in Nîmes darüber hinweglaufen oder ihm, als Tattoo, an besonders attraktiven Stellen begegnen.

Ähnlich wie der Pont du Gard wird auch Nîmes von fast all seinen schreibenden Besuchern enthusiastisch gesehen. «Durch die Provence, die mir ganz dänisch aussah, erreichte ich Nîmes, wo die Größe des prächtigen römischen Theaters mich auf einmal nach Italien zurückversetzte. Das sogenannte Viereckige Haus steht noch in seiner ganzen Pracht, wie der Theseustempel bei Athen; Rom hat nichts so Wohlerhaltenes.» Der römische Süden brachte Hans-Christian Andersen wenigstens zeitweise auf andere Gedanken. Ständig waren seine Ängste gegenwärtig, echte wie vermeintliche, die vor Hunden, vor dem Feuer und besonders die, lebendig begraben zu werden. Das neun Meter lange Seil, das er in Hotelzimmern vor- sorglich ans Fenster legte, kann im Museum in Kopenhagen besichtigt werden. «Ich bin nur scheintot» – einen Zettel mit diesen Worten soll er – nicht nur auf Reisen – immer auf den Nachttisch gelegt haben.

Eines hatte der Mann, den die meisten nur als Märchendichter kennen, mit Thomas Mann gemein: die ausdauernde Unbarmherzigkeit, mit der er Tagebuch führte und jede Alltäglichkeit für notierenswert. Mit der gleichen Hartnäckigkeit, mit der Thomas Mann notierte, wer heute wieder zum Tee gekommen war, ob er von Stechmücken geplagt worden sei oder nicht, schrieb Andersen bereits im Alter 27 Jahren seine erste Autobiographie, in der er all seine eingebildeten Krankheiten und Unpäßlichkeiten auflistete. Wenn man sich selbst nur ausreichend wichtig nähme, dann sei man auf dem Weg, ein Kunstwerk zu werden, hatte Thomas Mann erkannt. Diese These hätte Andersen blind unterschrieben.

Wie viele vor ihm verliebte sich auch Franz von Löher in einen kleinen, mitten in der Stadt gelegenen Tempel, das Maison Carrée. «Es steht dort ein Heiligthum der Kunst, nach welchem Alles wallfahrten sollte, was sich an der reinsten Schönheitsquelle laben will. Es ist nur ein kleiner griechischer Tempel aus weißem Marmor, aber wie ein Götterbild, wie ein himmlischer Gedanke in gediegenen Formen ist das Bauwerk dahingestellt. Seitdem ich dieses gesehen, wanderte ich mit leichtem Kindessinn, in der Seele liebliche Melodien und Gestalten, umher unter den Resten der Kunst und in der Lichtfülle der südlichen Natur. Und immer, immer zog es mich dorthin zurück, meinen Sinn zu läutern und zu erfrischen und nie verließ ich die Stelle ohne sehnsüchtig zurück zu blicken.»


Viel mehr in meinem Buch "Durch den Süden Frankreichs". Signierte Exemplare gerne von manfred.hammes@web.de


 

Freitag, 15. Juli 2022

Nîmes: Jardin de la Fontaine und der Dichter-Bäcker Jean Reboul

Besuchen wir den Jardin de la Fontaine in Nîmes. Schon die Schriftstellerin Sidonie Gabrielle Colette, deren Vornamen fast überflüssige Anhängsel waren, immer war sie nur „die Colette“, ließ sich von den Gärten bezaubern.

„Wir stoßen das schwarze, goldverzierte Gittertor auf, und die Welt verändert sich. Ein Frühling empfängt uns, so märchenhaft schön, daß man jeden Augenblick fürchtet, er könnte versinken oder sich in Dunst auflösen. Der Springbrunnen, wo ein herrisches, grünes Wasser braust, klar, dunkel, blauschillernd wie eine Schlange.“ 
Auch Alfred Kerr, der Essayist und Kritiker, ist durch den Garten hoch spaziert zur Tour Magne und findet diesen Blick auf die Stadt weit beeindruckender als den vom römischen Monte Pincio.
Tour Magne oberhalb des
Jardin de la Fontaine
„Bei Nîmes erhebt sich ein Hügel am Rand.
Dort sieht man selig nieder
über versonnenes Sonnenland
mit Judasbäumen, Mimosen und Flieder;
Tourmagne! Was für ein bunter Segen!
Der Pincio ist ein Hund dagegen.“ 
 Von diesem Turm, über dessen Entstehungsgeschichte lange gerätselt wurde, der aber wohl einer der Wachtürme der römischen Stadtbefestigung war, hat man einen weiten Blick auf die andere Seite der Rhone: HIER in einem kurzen FILM von Valpard.

Beinahe wäre es seit 1601 mit der Aussicht vorbei gewesen. Am Turm zeigten sich überall Risse und er drohte einzustürzen. Ein Gärtner und Amateurarchäologe hatte aus Weissagungen des Nostradamus geschlossen, daß im Fundament des Turmes ein riesiger Schatz verborgen sein müsse.

Daraufhin interessierte sich sogar Heinrich IV. für Schatz und Gärtner, erteilte diesem eine Grabungserlaubnis, die allerdings privat zu finanzieren war und der Krone zwei Drittel des Erlöses sicherte. Gefunden wurde jedoch nichts.

Gegenüber dem Tempel der Diana, in dem auf die Namensgeberin nichts mehr hinweist, steht das Denkmal für den Bäcker Jean Reboul, das ihm

Oase inmitten der Stadt mit der Statue des berühmten Bäckers und Dichters
aber nicht für besonders wohlschmeckende Baguettes errichtet wurde. Er wurde durch ein einziges Gedicht berühmt: L‘Ange et l‘Enfant. Viele Nîmes-Reisende, angefangen von Alexandre Dumas über Frédéric Mistral bis hin zu Hans Christian Andersen haben ihn in der Rue des trois Maures wegen seiner Zeilen über den Engel und das Kind aufgesucht.

„In Nîmes wohnt der Bäcker Reboul, der die allerliebsten Gedichte schreibt. Ich fand das Haus, trat in die Bäckerei ein und wandte mich an einen Mann in Hemdsärmeln, welcher eben Brot in den Ofen schob; es war Reboul selbst; ein edles Antlitz, welches einen männlichen Charakter ausdrückte, grüßte mich. Er bat mich, ihn am Nachmittag zu besuchen, dann würde er mich besser empfangen können. Als ich wiederkam, fand ich ihn in einem fast eleganten kleinen Zimmer, das mit Gemälden, Statuen und Büchern geschmückt war, die letzteren nicht nur aus der französischen Literatur, sondern auch Übersetzungen der griechischen Klassiker. Ein Bild an der Wand stellte sein berühmtestes Gedicht, ‚Das sterbende Kind‘, dar. Hatte ich ihn am Morgen als den betriebsamen Bäcker gesehen, so war er jetzt ganz der Poet.“ Soweit Andersen, aber die Besuche müssen immer irgendwie gleich abgelaufen sein.

Auch Alexandre Dumas betrat am Vormittag das Geschäft. „Sie sind doch wohl gekommen, um den Dichter zu besuchen und nicht den Bäcker“, begrüßte ihn Reboul. Und fuhr fort: „Wenn Sie Brot wollen, bleiben Sie, es ist besonders gut, aber wenn Sie Verse wollen, kommen Sie um fünf Uhr wieder, dann kann ich Ihnen ein paar schlechte geben.“


Der Tod seiner Frau, über den er nie hinweg kam, hatte Reboul zum Dichter werden lassen, wie er Dumas gestand. Zu der Zeit hatte Reboul in ganz Frankreich einen Ruf, der jeglichen Adress-Zusatz auf die an ihn gerichteten Briefe überflüssig machte: „À Monsieur Reboul, poète et boulanger“; Dichter und Bäcker, das genügte, nicht einmal Nîmes war mehr erforderlich.

Sonntag, 29. Mai 2022

(Wieder mal) Pflichtlektüre für Provence-Krimi-Fans: Cay Rademachers „Geheimnisvolle Garrigue“ und „Die Richterin und der Tanz des Todes“ von Liliane Fontaine

Aufführung "Mireille" in der Arena von Nîmes...

Das sind mal Tatorte! Liliane Fontaine lässt ihre Flamenco-Tänzerin auf der offenen Bühne der Arena von Nîmes sterben und Cay Rademacher die Freundin eines Polizisten am Schiffstunnel von Rove verschwinden. Zwei spannende Geschichten, die für die Ermittler aber jeweils mühsam anlaufen. Einmal zu viele, einmal zu wenige Verdächtige – beides gleich schlecht.

...und ein riskanter Besuch im Tunnel von Rove/ Marignane.

An sich müßte ich mich ja für befangen erklären: Der Dumont Verlag zitiert auf der vierten Umschlagseite aus meiner Rezension über Rademacher „Schweigendes Les Baux“ und Fontaine verweist (Seite 59) auf meinen Blogbeitrag über die Pestmauer von Lagnes http://lustaufprovence.blogspot.com/2021/05/eine-pestmauer-quer-durch-die-provence.html . 

Darf ich jetzt die beiden Titel nicht mehr empfehlen? Doch – und wie! Eine Autorin und ein Autor, die Südfrankreich inhaliert haben und uns in ihren Büchern in den Midi verführen.

Beste Lektüre für die Einstimmung auf den Midi - gerne auch mit Champagner!

Von daher beginne ich gleich mal mit Rademachers Hinweis am Ende des Buches: Suchen Sie diesen Ort bitte nicht auf. Wahrscheinlich würden Sie nicht gerade ermordet, weil kaum jemand sich noch in den Tunnel hineintraut, aber genug Stellen, an denen Sie sich den Hals brechen können, gibt es trotzdem. Wer es dennoch nicht lassen kann, sollte wenigstens keine Zigarette ins Wasser werden, denn giftige Zersetzungsgase wie Methan sind dort in brennbarer Konzentration vorhanden. Es könnte im wahrsten Sinne des Wortes „die letzte Zigarette“ werden.

Dieser längste Bootstunnel der Erde ist heute noch in Teilen zugänglich, aber der 2 Meter schmale Gehweg ist an vielen Stellen eingebrochen. 1927 mit großem Pomp eröffnet, brauchte der damalige französische Präsident Gaston Doumergue auf einem Schnellboot der Kriegsmarine gerade mal 35 Minuten, bis er die Entfernung zwischen Marseille und dem Etang de Berre zurückgelegt hatte. Die französische Presse vergleicht den Tunnelbau mit dem der Pyramiden in Ägypten. Nur, ganz so lange hat er nicht gehalten, 1963 ist der Tunnel auf eine Strecke von 200 Metern eingestürzt.

Rademacher schrieb das Manuskript - für mich etwas zu sehr - unter dem Eindruck der Covid-bedingten französischen Ausgangsverbote. Ärzte, die mit Tauchermasken von Decathlon durch die Krankenhäuser eilen und Desinfektionsmittel, die von der Polizei bewacht werden mußten und die man deshalb im Polizeirevier aufbewahrte. Inzwischen hat Macron Covid in Frankreich ja kurz vor seiner Wiederwahl „abgeschafft“ und damit sicher wesentlich zu seinem Erfolg beigetragen.

Junge Frauen verschwinden, nur ein linker Schuh wird gefunden. Genau wie vor 23 Jahren. Und damals hat man den Täter nicht gefasst. Sind Sie allerdings klaustrophobisch veranlagt oder haben gar eine Tunnelphobie, dann lesen Sie den neuen Südfrankreich-Kriminalroman von Cay Rademacher besser nicht. Für alle anderen: Kaufen, im Midi versinken und sich etwas gruseln. Denn der rund 7 Kilometer lange Tunnel du Rove spielt eine entscheidende Rolle in diesem Buch. Was zu Beginn der Bauarbeiten im März 1911 niemand wissen konnte: Der Tunnel entwickelte sich schnell zu einem ebenso teuren wie überflüssigen Projekt. Fünfzehn Jahre später waren 2,3 Millionen Kubikmeter Felsen von 1.300 Tonnen Dynamit zertrümmert und durch 470.000 Kubikmeter Beton ersetzt worden. 

Liliane Fontaine und Cay Rademacher

Könnten nicht die Richterin Mathilde de Boncourt und der Kommissar Roger Blanc einmal gemeinsam ermitteln und sich so näherkommen? Das wird aber wohl nicht gehen, denn er hat ja seine schöne Nachbarin Paulette und sie ihren Commandanten Rachid Bourraada. 

Außerdem hat Mathilde de Boncourt im Flamenco-Milieu und dem der Gitanes, Tziganes und Manouches, wie die Zigeuner sich im Midi nennen oder genannt werden, genug zu tun. Ist die junge Flamenco-Tänzerin wirklich u so unschuldig wie sie gerne tut und wie sie (fast) alle Kollegen sehen? Nur der schwule Tänzer sicher nicht, den sie um sein Erbe bringt. Machen sie ein paar Nächte mit dem alten Choreografen und die anschließende Hauptrolle in der großen Bühnenshow schon verdächtig? Auch neue Ermittlungsmethoden, wie eine stimmliche Gegenüberstellung führen nicht weiter.

De Boncourt und Bourraada sind so sehr in ihre Ermittlungen eingetaucht, daß sie dabei am liebsten auch noch die Frage geklärt hätten, wer denn nun van Gogh das Ohr abgeschnitten hat und ob sein Selbstmord vielleicht doch ein Mord war. Aber das machen die Beiden dann vielleicht im nächsten Band der Serie „Die Richterin“.

Mehr über das Amphitheater von Nîmes unter https://www.geo.fr/histoire/les-arenes-de-nimes-ou-le-renouveau-dun-amphitheatre-romain-vieux-de-2000-ans-209141 .

Und wenn die Autoren mal wieder ungewöhnliche Locations für die nächsten Romane brauchen, empfehle ich einen Blick auf die Homepage von Vincent Duseigne, http://tchorski.morkitu.org/14/tunnel-rove.htm auf der sich auch zahlreiche beeindruckende Bilder des Tunnels von Rove befinden. Weitere Informationen auch hier: https://www.chasse-maree.com/le-tunnel-du-rove-oublie-de-lhistoire/

Freitag, 30. August 2019

Nîmes: Mehr als Daudet und Arena

Daudet nachdenklich im Brunnen
Alphonse Daudets Geburtshaus in Nîmes liegt dort, wo man aus den Markthallen (La Coupole) auf den Boulevard Gambetta hinausgeht. Von dort geht es nach rechts in Richtung Amphitheater. Soweit das auf dem Boulevard Amiral Courbet, wie er wenig später heißt, wegen des ständigen Verkehrs überhaupt möglich ist, überqueren Sie ihn bei erster Gelegenheit. So kommen Sie an Daudets Denkmal auf dem Square de la Couronne vorbei, da, wo es in die Rue Notre Dame hineingeht.

Die Briefe aus seiner Mühle
hat er dort nie geschrieben 
Daudet, der früh nach Paris ging, um dort, wie sein älterer Bruder Journalist zu werden, hat sich mit vielen seiner Schriftstellerkollegen regelmäßig getroffen und ausgetauscht. In den Pariser Salons gehörten die Goncourts, Zola, Flaubert und Victor Hugo zu seinem Bekanntenkreis. Dennoch blieben Sozialkritik und Naturalismus Fremdwörter für Daudet. Selbst Werke wie „Numa Roumestan“ oder „Sappho“ sind im Vergleich zu Zolas schonungslosen Schilderungen immer noch mit einem sozialromantischen Weichzeichner geschrieben. Nur die Themen waren die gleichen: Armut, Reichtum, Kinderarbeit, Familienkampf. Daudet fühlte sich von den Ränken der Tagespolitik abgestoßen.
„Oh Politik, wie ich dich hasse! Unter deinen verschiedenen Kleidern immer dieselbe Verruchtheit; du trennst edle Herzen, die füreinander geschaffen wären, du einst Leute, die getrennt bleiben müssten, du machst den Edlen duldsam für den Schurken, wenn er nur seiner Partei zugehört. Du bist die Korruption des Gewissens, du machst die Lüge zur Gewohnheit, du machst die Menschen gleichgültig gegen die schönen Dinge.“
Das Amphiteater von Nîmes: Ringkämpfe (li) und Oper (re) im 19. Jahrhundert
Rund zwanzigtausend Besucher passen in das römische Amphitheater, das heute eine Sommerfunktion als auch blutige Stierkampfarena hat und im Winter, nach dem jährlichen Umbau, als Kulturzentrum für Tanztheater und kammermusikalische Abende dient. Beides ist in Nîmes gleichwertiges Kulturprogramm. So haben wir Glück gehabt, daß der Versuch Karl Martells die Arena niederzubrennen, mißlang. Für ein römisches Siegesdenkmal hatte er sie gehalten, mit Holz füllen lassen und angezündet - Spuren, die heute noch zu sehen sind.

Als Jean-Jacques Rousseau um 1740 die Arena besuchen wollte, waren, ebenso wie in Arles, die Arkaden und der Innenraum zugebaut:

„Dieses weitläufige und prächtige Amphitheater ist von häßlichen kleinen Häusern umgeben, und andere kleinere und noch häßlichere Häuser füllen seine Arena, so daß das Ganze einen ungleichartigen und verworrenen Eindruck macht, bei dem Ärger und Entrüstung Genuß und Überraschung ersticken."
Die Arenen von Arles (hier im Stich von
Peyret) und Nîmes als kleine mittelalterliche Städte
Mehrere tausend Menschen, wie auch in der Arena von Arles, lebten auf engstem Raum in den einhundertfünfzig Gebäuden der Arena; sogar eine eigene Kirche gab es, die dem Heiligen Martin geweiht war. Als zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Häuser abgerissen wurden, mußte man sie aus einer bis zu sieben Meter dicken Müll- und Schuttschicht ausgraben.

Hermann Ludwig Heinrich von Pückler-Muskau - Literat, Weltenbummler und „Gartenfürst“ - berichtet 1834 von einem Besuch, bei dem alles schon ganz anders aussah:

„Das Amphitheater, welches hunderte angebaute Hütten von außen und innen kaum entdecken ließen, steht jetzt frei und teilweise restauriert."
Liebend gerne hätte er sich in Nîmes im großen Stil landschaftsgärtnerisch betätigt, so wie im Bois de Boulogne, den er für Napoleon III. umgestaltete.

Für manch eine ist Nîmes nur Schuh-Einkaufs-Stadt
Nîmes erschließt sich am allerbesten zu Fuß; allerdings sollte man schon gut fünf bis sechs Kilometer durch die Stadt und den Jardin de la Fontaine einplanen; das ist nicht jederfraus Freude. Glücklicherweise ist Nîmes auch die Hauptstadt der Schuhgeschäfte, sodaß abgelaufene Absätze am besten mit ein, zwei oder drei Paar neuer Schuhe ersetzt werden.


Letztlich ein zufriedenstellendes Ergebnis eines Kulturspaziergangs durch Nîmes


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Viel mehr zu Nîmes und dem Midi in meinem Buch "Durch den Süden Frankreichs" (700 Seiten, über 1.000 Bilder), das ich gerne signiert und portofrei zusende.

So bewertet die FAZ: Eine „profunde Kulturgeschichte, glänzend formuliert, prachtvoll bebildert und vom Verlag wunderschön ausgestattet…die vielleicht fundierteste Darstellung zu diesem Thema, ganz gewiss ist es die am besten geschriebene“.

Professor Rainer Moritz, Leiter des Hamburger Literaturhauses, lobt im MDR die „hochinteressante Mischung aus Literatur, Kunst und Kulinarik“, und Martin-Maria Schwarz im HR „eine akribische Neuerkundung“. Zusammenfassend die Badische Zeitung: „Ein reiseliterarisches Meisterwerk“ und der NDR: „Ein ganz außergewöhnliches Buch!“


 

Samstag, 16. Februar 2019

Nîmes: Maison carrée, Krokodil und Daudet

Nîmes bezieht einen Großteil seiner Attraktivität aus Gegensätzen. Wer sich von der Autobahn nähert, die dominierenden Hochhausgürtel an den Hängen sieht oder sich von Arles oder aus der Camargue kommend durch die ausgelagerten, großflächigen Einkaufszentren der Ville Active hindurchgequält hat, fragt sich, warum er die Stadt nicht einfach umfahren hat.


Das "Maskottchen" der Veteranen aus Caesars Ägyptenkrieg
Manche kommen nur wegen der Krokodile hierher, nicht denen von Lacoste, sondern wegen des Wappentiers der Stadt. In Nîmes waren vor allem die Veteranen angesiedelt worden, die Caesars Ägyptenfeldzug überstanden hatten. Krokodil und Palme hatten sie sich zu ihrem Erkennungszeichen erkoren, das es bis heute geblieben ist. Selbst auf den Gullydeckeln findet es sich; oft genug werden Sie in der Stadt darüber hinweglaufen.

Blick vom Carré d'Art auf das Maison carrée
Aber eine Minute später - die dreiviertel Stunde für die Parkplatzsuche nicht eingerechnet - ist man am Maison Carrée, dreht sich um und erblickt, im Sommer hinter einer Reihe großer Töpfe mit Olivenbäumen, das Carré d‘Art. Und nach einem Altstadtbummel, vorbei an alten Stadtpalästen hinüber zur Arena, will man noch mindestens einen Tag dranhängen. Obwohl Alphonse Daudet meist in Paris lebte und schrieb, bewahrt seine Vaterstadt ihm ein intensives Andenken. Zwar gibt es in Paris ein Denkmal in den Jardins des Champs-Élysées und einen Hinweis an seinem Wohnhaus in der Rue de Bellechasse, aber damit dann auch genug.
Gefühlte hundert Schuhgeschäfte sind offen bis in den späten Abend
Ganz anders in Nîmes: Wenn Sie der Beschilderung zum günstig gleich neben dem Maison Carrée gelegenen Parkhaus P 3 folgen, verlassen Sie dieses durch den „Ausgang A. Daudet“. Schon stehen Sie auf dem Boulevard Alphonse Daudet und blicken gegenüber auf die Buchhandlung, die nach einem seiner Bücher „Aux Lettres de mon Moulin“ heißt, „Briefe aus meiner Mühle“. In den gut sortierten Regalen mit der Regionalliteratur werden selbst ausgefallene Werke aus Klein- und Selbstverlagen angeboten.

Daudets Geburtshaus findet sich ein paar Schritte vom Parkhaus entfernt, hinter den überdachten Markthallen, auf dem Boulevard Gambetta. Hier in der Nummer 20 kam Alphonse 1840 zur Welt, drei Jahre nach seinem Bruder Ernest.

„Je ne sais qu‘une chose, crier à mes enfants: Vive la vie“,
heißt es auf der Gedenktafel: Es lebe das Leben! Heute beherbergt das solide Haus, das aber offensichtlich zuletzt in den fünfziger Jahren farblich aufgefrischt wurde, Ärzte, Immobilienmakler sowie einen Schönheitssalon.Weiter mit Hans Christian Andersen und seiner Angst, lebendig begraben zu werden, geht es HIER .

Samstag, 1. September 2018

Nîmes: Der Märchendichter und seine "dänische Provence"



Hans Christian Andersen im Jahr 1869.
Foto von Thora Hallager
Ähnlich wie der Pont du Gard wird auch Nîmes von fast all seinen schreibenden Besuchern enthusiastisch gesehen. So auch vom dänischen Märchendichter Hans Christian Andersen (1805-1875):

„Durch die Provence, die mir ganz dänisch aussah, erreichte ich Nîmes, wo die Größe des prächtigen römischen Theaters mich auf einmal nach Italien zurückversetzte. Das sogenannte Viereckige Haus steht noch in seiner ganzen Pracht, wie der Theseustempel bei Athen; Rom hat nichts so Wohlerhaltenes.“ 
 Der römische Süden brachte Andersen wenigstens zeitweise auf andere Gedanken. Ständig waren seine Ängste gegenwärtig, echte wie vermeintliche, die vor Hunden, vor dem Feuer und vor allem die, lebendig begraben zu werden. Das neun Meter lange Seil, das er in Hotelzimmern vorsorglich ans Fenster legte, kann im Museum in Kopenhagen besichtigt werden. „Ich bin nur scheintot“, soll er nicht nur auf Reisen immer einen Zettel auf den Nachttisch gelegt haben.



Eines hatte der Mann, den die meisten von uns nur als Märchendichter kennen, mit Thomas Mann gemein: Die ausdauernde Unbarmherzigkeit, mit der er Tagebuch führte und jede Alltäglichkeit für notierenswert hielt, was nicht so schlimm gewesen wäre, aber auch für veröffentlichungswert hielt. Obwohl es dazu natürlich auch eines Verlegers bedurfte. Mit der gleichen Hartnäckigkeit, mit der Mann das Vorhandensein oder die Abwesenheit von Stechmücken notierte, schrieb Andersen mit bereits siebenundzwanzig Jahren eine erste Autobiographie, in der er seine ganzen eingebildeten Krankheiten und Unpäßlichkeiten auflistete.

Wenn man sich selbst nur ausreichend wichtig nähme, dann sei man auf dem Weg ein Kunstwerk zu werden, hatte Thomas Mann notiert. Diese These hätte Andersen blind unterschrieben.