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Freitag, 13. Mai 2022

Werner Lichtner-Aix: Auf der Suche nach dem idealen Licht




Werner Lichtner-Aix in seinem Atelier des idealen, "sensationslosen" Lichts
Wenn Sie von Orange aus nach Sérignan-du-Comtat, fahren Sie rechts am Harmas von Jean-Henri Fabre vorbei, ein paar hundert Meter weiter sehen Sie das Hinweisschild auf das Atelier-Musée von Werner Lichtner-Aix. Das ist aber auch schon alles, was den Besucher auf dieses sehenswerte Museum hinweist. Geöffnet derzeit nur nach Voranmeldung; siehe Homepage.

Auf Nachfrage im Rathaus erklärt ein geschäftiger Herr wortgewaltig und gestenreich den Weg. Ich habe mich gerade auf einen längeren Spaziergang eingerichtet, da stehe ich auch schon vor dem Eingang. Es ist das sorgfältig restaurierte Haus auf der Rückseite des Rathauses. Eine ältere Dame sucht mit jedem der wenigen Besucher das Gespräch. Ob mir der Bürgermeister den Weg auch so kompliziert beschrieben habe?



Lichtner-Aix sah 1961 die Fauves in Paris und begeisterte sich an Rottmann, C.D.Friedrich, 
Purrmann, Turner oder Claude Lorrain.  © aller Bilder in diesem Beitrag bei Monique Lichtner-Lubcke.
Im übrigen aber hielt sie sehr viel von ihrem alten Bürgermeister. Er sei es immerhin gewesen, der Werner Lichtner-Aix nach Sérignan geholt habe. „Damals“, das war Ende der sechziger Jahre, „ hat Monsieur le Maire dem Werner die Ruine des Château zum symbolischen Preis von einem Franc überlassen.“ Zur Auflage sei allerdings gemacht worden, daß das Gemäuer innerhalb von zwei Jahren renoviert werde. Heute ist der Ortskern weitgehend in einem ordentlichen baulichen Zustand.

Die Dame im Musée-Atelier spricht den Namen des Malers mit deutscher Betonung aus. Ehe ich danach fragen kann, erzählte sie, daß sie kurz nach Kriegsende in Deutschland ihren Mann kennengelernt hat. Er war Offizier der französischen Besatzungskräfte. Lange vor Werner seien sie nach Sérignan gekommen; beide sind inzwischen gestorben. 


Monique's Kochbücher haben viel für Werner's Popularität getan.
Sie wundere sich immer, wie viele, gerade der deutschen Besucherinnen, den Namen von Monique Lichtner kennen. Und die wiederum wundern sich dann, daß deren Mann einer der bekanntesten zeitgenössischen Landschaftmaler in Frankreich war. Des Rätsels Lösung: Zwei Kochbücher, die Monique Lichtner für den Weingarten Verlag geschrieben hat und die ihr Mann mit Aquarellen aus provenzalischen Küchen, Kräutergärten und Weinbergen illustriert hat. Ansonsten sind es, neben Landschaften in Blau und Ocker, die Plätze und Häuser in den kleinen Dörfern um den Ventoux, die Lichtner-Aix inspirierten: die Bar mit den Plantanen und dem Brunnen, der Markt, das Tabakgeschäft, das Boulespiel der alten Männer.

Beispiele seiner Provence-Bilder aus dem Museum Lichtner-Aix
Das Atelierhaus - der Besuch lohnt sich - baute Lichtner nach seinen Vorstellungen vom idealen Licht. Obwohl Lichtner schon lange tot ist: Wer sein Atelierzimmer im zweiten Stock des Hauses betritt, hat das Gefühl, er habe den Raum nur gerade für ein paar Minuten verlassen.


...das Atelier gerade verlassen
Die Palette liegt noch auf dem einfachen Maltisch, eine Leinwand auf der Staffelei und an der Fensterscheibe hat er die verschiedenen Ockertöne aus seinem Sinai-Projekt, der letzten Bildserie, die er gemalt hat, ausprobiert und gemischt. Man ist versucht nachzusehen, ob er mit einem Glas Wein in der Hand drüben in der Bar du Commerce steht. Die Vergänglichkeit bringt sich schnell in Erinnerung, wenn man im Hof des Ateliers an seiner Urne vorbei geht.
Die Bar du Commerce steht inzwischen zum Verkauf, wie viele andere Häuser auch. Die Polizei ist in das ehemalige Office du Tourisme eingezogen und es gehört schon zu den besonderen Ereignissen in Städtchen, wenn der Polizist den Abfluß des Dorfbrunnens von den Platanenblättern säubert.



Dienstag, 6. September 2016

Künstler in Uzès: Iva Tésorio und Jürg Treichler

Der Baum von Tésorio und die Granatäpfel von Treichler
Sie malen schon sehr unterschiedlich, die beiden: Iva Tésorio und Jürg Treichler, die Slowakin und der Schweizer. Und trotzdem oder gerade deshalb gefallen mir die Bilder von beiden sehr gut. Iva Tésorio, die noch nie eine Ansicht der Stadt gemalt hat, wohnt und arbeitet das ganze Jahr über in Uzès, im Chemin de l’ancienne gare, direkt gegenüber dem alten Bahnhof. Besucher haben beim erstenmal oft Schwierigkeiten Ihr Atelier zu finden. Deshalb auch die Telefonnummer auf Ihrer HOMEPAGE.

Jürg Treichler lebt in Zürich, ist viel auf Reisen und seit über vierzig Jahren regelmäßiger Gast im Haus seines Bruders in Saint-Quentin-la-Poterie und entsprechend auch immer wieder in Uzès unterwegs. Offensichtlich haben wir dort die gleichen Vorlieben für

Café de l'Hotel: Einen Picpoul de Pinet bringt die immer elegante Wirtin
zu den Austern vom Marktstand gleich nebenan

bestimmte Bars; mit dem Unterschied, daß er sie malt und ich meinen Beitrag leiste, daß der viele Rosé, der im Languedoc angebaut wird, auch getrunken wird. Alle Kontaktdaten und viele weitere Bilder finden Sie HIER.

Die Bars von Uzes


Treichler hält es mit den Impressionisten, besonders mit Monet, dem in Lausanne geborenen Félix Vallotton und natürlich Henri Matisse, der das so ausdrückte:
„Ich träume von einer Kunst des Gleichgewichts, der Reinheit, der Ruhe, ohne beunruhigende und sich aufdrängende Gegensätze, von einer Kunst, die für uns ein Beruhigungsmittel ist, eine Erholung für das Gehirn, so etwas wie ein guter Lehnstuhl, in dem man sich von psychischen Anstrengungen erholen kann.“ 

Bewundern konnte man Treichlers Bilder 2011 in Galerie des Capucins in Uzès und zuletzt in diesem Jahr in der Kronen-Galerie in Zürich. Der „Tages-Anzeiger“ schrieb: 
„Sein Anliegen, alles einfach Schöne und Heile zur Kenntnis zu nehmen, es aufzuwerten und einer weiteren Zerstörung und Dezimierung entgegenzuwirken, trägt Treichler freilich nicht mit Empörung und Schroffheit vor, sondern mit Weichheit, einladender Bildräumlichkeit, lichterfüllten Flächen und malerischer Harmonie.“
Iva Tésorio hat nach ihrem mit Promotion abgeschlossenen Studium der Kunstpädagogik das Licht des Südens gesucht, viel an Schulen gearbeitet, drei Kinder bekommen, aber trotzdem ihre Kunst immer in
den Mittelpunkt gestellt. In der Renaissance, sagt sie, hätte sie am liebsten gearbeitet und Anklänge finden sich immer wieder in ihren Werken. In vielen Schichten malt sie Wachs und Öl übereinander, zieht mit dem Spachtel ab und übermalt neu, was eine ganz plastische Malerei entstehen läßt. Ihre Leinwände gewinnen die Tiefe des Raumes. Fast immer gibt es nur einen Bildmittelpunkt; das kann ein Baum sein, ein Fisch oder ein Kind, die dadurch eine abstrakte und unwirkliche Wirkung bekommen.

Mehr Kunst in Uzès finden Sie HIER, zum Beispiel von John Townsend und Viva Brébis.




Samstag, 27. August 2016

Uzès: Die Bilder von Viva Blévis und John Townsend

Wenn Sie kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, sagen wir 1950, in Kairo von der Saiyidna-el-Husain-Moschee in den Basar Khan-El-Khalili gegangen wären und sich im größten Souk Nordafrikas verloren hätten, dann hätten Sie einem zierlichen kleinen Mädchen begegnen und so Viva Blévis nach dem Weg fragen können.
(Lieblings)Bild ohne Titel
Die Künstlerin, die heute in Uzès lebt, arbeitet und ausstellt, wurde 1942 in Kairo geboren. Vielleicht wären Sie aber auch Nagib Mahfus über den Weg gelaufen, einem jungen Mann, der damals keinen Gedanken daran verschwendete, einmal Literatur-Nobelpreisträger zu werden. Alles wichtige über ihn wie immer bei Perlentaucher

Dieser Bazar war ursprünglich ein Karawanenhof vom Ende des vierzehnten Jahrhundert, benannt nach dem Emir Dschaharek el-Khalili, seinem Erbauer.

Während Viva nach Paris ging und an der Sorbonne studierte, blieb Mahfus seinem Viertel bis zu seinem Tod im Jahr 2006 (auch literarisch) treu.

Erst in den 1980er Jahren hat Viva Blévis mit der Malerei angefangen und schon schnell in Paris ihre ständigen Ausstellungen gehabt, so etwa zehn Jahre lang im Comptoir du Désert im elften Arrondissement (Popincourt).
Mit dem Jahrtausendwechsel zog es sie nach Uzès im Departement Gard.

Kleines Format (25x15) "Unter den Wolken" von Blévis

Der Ölmalerei ist sie auch hier treu geblieben…und eine zierliche Dame ist sie immer noch, nur etwas älter. Viele, die ihr 
Viva Blévis, wie sie mein
Lieblingsbild malt
Sommeratelier im touristenüberströmten Uzès besuchen, bemerkt sie gar nicht; so konzentriert ist sie bei der Arbeit. Mit wenigen Farben, die sie braucht. Und die sie mit Pinsel, Spachtel, Schwämmen und Lappen bearbeitet, mal auf Holz, meist aber auf Leinwand oder Ölkarton. Oft werden sie zuletzt mit terpentinfreiem Antikwachs überzogen und ganz oder teilweise glänzend gerieben. Abstrakte, nuancenreiche Gemälde entstehen so, die den Betrachter zum Dialog auffordern.

„Mit den Bildern spreche ich ein wenig über mich und meinen Platz in der Welt und natürlich soll der Betrachter auch seine Perspektive einbringen.“
Deshalb ist Viva Bévis auch davon abgekommen ihre Bilder, wie noch vor einigen Jahren, zu betiteln. Meinem Eindruck, daß ihre Palette
Doch eine leichte Gegenständlichkeit
in jüngster Zeit minimal farbiger geworden sei , wider-spricht sie, und auch, daß sie etwas gegenständlicher malt.

„Ich male nicht dekorativ oder ‚hübsch‘. Eher abstrakt und mit feinen Übergängen im Hell-Dunkel-Bereich. Aber wenn ich mit einem Bild anfange, weiß ich oft noch nicht, wohin es mich führen wird und wie später das Resultat aussieht.“
Sie freut sich über einen Kontakt per Homepage oder Mail. Oder ganz direkt in der Rue Masbourguet Nummer 18. Und das Gespräch mit ihr lohnt, wenn sie erst einmal von ihrer Arbeit aufblickt.

So ziemlich das Gegenteil der introvertierten Viva Blévis ist der Engländer John Townsend, der ebenfalls gerade in Uzès (Galerie des Capuzines, gleich neben der Tourist-Info) seine Seestücke ausstellt. Er könnte auch als erfolgreicher Kontakter in einer Werbeagentur arbeiten. Allerdings gibt auch er seinen Bildern keine Titel mehr:

"Das schränkt potentielle Käufer zu sehr in ihrer Phantasie ein. Wenn jemand in einem Bild von Cape Cod oder vom Genfer See lieber die schottische Küste oder die Camargue sieht, dann soll er das tun dürfen. Das ist wie beim Wein. Den soll man nicht totinterpretieren, sondern er soll schmecken."

Ausbruch des Feuers von Blévis und das rote Segel von Townsend
In Goudargues, Aix-en-Provence, Nîmes oder Lussan hingen seine Arbeiten zuletzt. Wenn Sie im Web suchen geben Sie ‚artist‘ und ‚france‘ und keinesfalls ‚nottingham‘ zum Namen dazu, sonst landen Sie bei einem britischen Kinderbuchautor oder Physiker oder bei einem amerikanischen Naturforscher oder Politiker, die übrigens alle längst gestorben sind. Townsend gilt als Maler der übergangslosen Horizonte, wo Wellen und Wolken sich begegnen und man nicht weiß, wo das eine anfängt und das andere aufhört.

Da hat er viel gemeinsam mit Viva Blévis, obwohl es eben bei ihm Wasser und Himmel sind und nicht einfach abstrakte Verwischungen.

„Ich male keine Landscapes sondern Sandscapes,“
Townsend: Maler und Komponist
sagt Townsend und tatsächlich sind viele seiner Untergründe aus Sand, gemischt mit Pigmenten, etwa dem Mineralpigment Ultramarin und den lokalen Ockerfarben. Wenn Townsend nicht malt, komponiert der Manfred Mann-Fan. Schon Ende der 1960er Jahre hat es ihn nach Südfrankreich gezogen, nach Cavillargues und er ärgert sich, daß der englische Akzent immer noch zu hören sei. Cavillargues ein 800-Seelen Dorf, in das Sie auf halbem Weg zwischen Uzès und Bagnols abbiegen müssen. Townsend erreichen Sie über 0033 613 24 00 50 oder seine Homepage.

Sollte er nicht zuhause sein, hätte sich die Fahrt doch gelohnt, wenn Sie im „Chez Ma Mère“  (Route de la Cave) zu Mittag essen. Weitere Arbeiten können Sie dann bei einem Apéro unter ArtWeb ansehen.

Mehr Kunst aus Uzes finden Sie HIER. Zum Beispiel die von Iva Tesorio und Jörg Teichler.

Und natürlich über Oliver Bevan HIER.