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Freitag, 14. Juni 2019

Hamel wandert - aber untypisch

Hamel wandert und
bringt Sie auch dem Baum näher
Das sind wirklich etwas ungewöhnliche Touren, die der Geologe Harald Hamel da durch Südfrankreich anbietet. Sehr individuell und in kleinen Gruppen von mal fünf, mal neun Personen führt er durch den Midi: Etwa um Sommières oder den Pont du Gard mit Abstechern zum Carrière de Lumière und der van Gogh-Installation oder nach Le Grau zu einer Katamaran-Tour entlang der Küste.
Da bleibt er auch schon einmal an einem Baum stehen und kann - als ausgebildeter Baumpfleger - Ihnen soviel dazu erzählen, daß fast eine kleine Wanderpause daraus wird. Sein besonderes Interesse gilt hier im Süden natürlich den Olivenbäumen. Und auch für die gibt den alten französischen Olivenbauern noch Tips, wie der Schnitt im nächsten Jahr zu einem besseren Ertrag führen kann.


Ein alter provenzalische Gutshof bei Sommières, dessen Ursprünge
ins 14. Jahrhundert zurückreichen.
In Uzes, im Le Carola - wo sonst - haben wir uns getroffen. Und dann erzählt er nicht nur von den Wanderungen, die in der Hitze des Südens mehr Ausflüge sind, sondern auch von seinen Kooperationspartnern vor Ort, den Orten, in denen seine Gäste übernachten, etwa dem Großmutter-Zimmer des "Bize de la Tour" in 
Im Chambre de la Chapelle hilft notfalls auch ein Gebet.

Remoulins oder dem "Mas de la Rivoire" und dort vielleicht in "La petite chapelle", tatsächlich einer Kapelle aus dem 14. Jahrhundert.

Samstag, 27. April 2019

Pont du Gard: Bauwerk für Jahrtausende


Für viele das Sinnbild des französischen Südens: Der Pont du Gard
Die anrührendste Szene aus den vielen Beschreibungen des Pont du Gard liefert der Volksstückeschreiber und Regisseur Marcel Pagnol. Er erinnert sich an seinen Großvater, einen Steinmetz, der bei den regelmäßigen Ausflügen an den Pont du Gard immer wieder eine bestimmte Stelle aufsuchte, und dort, seine römischen Kollegen bewundernd, mit der Hand über Steine und Fugen strich.
„Nach dem Essen setzte er sich ins Gras, die Familie gruppierte sich im Halbkreis um ihn herum. So verweilten sie im Angesicht der tausendjährigen Brücke, einem Meisterstück römischer Baukunst, das der Großvater bis zum Abend nicht mehr aus den Augen ließ.“
Das hätte beim amerikanischen Romancier Henry James nur ein verständnisloses Kopfschütteln hervorgerufen: „Und all das nur, um das Wasser von ein paar Quellen zu einer kleinen Provinzstadt zu leiten!“ Von Haus aus wohlhabend, studierte James erst kurz an der Harvard-Law-School, ehe er beschloß Schriftsteller zu werden, nach Europa reiste und 1882 seine „Kleine Frankreichtour“ schrieb.

Prosper Mérimée, 1834 zum Verantwortlichen für die systematische Erfassung und Instandsetzung der französischen Baudenkmäler ernannt - aber auch als Novellist und Übersetzer Puschkins, Gogols und Turgenjews hervorgetreten -, bewunderte neben der Bauleistung vor allem die auf Langfristigkeit angelegte Planung der römischen Baumeister.


An verschiedenen Stellen ragen aus dem Pont du Gard noch heute die Steine heraus, die das Gerüst trugen. Nach Beendigung des Bauwerkes hätte man sie leicht entfernen können, aber die Bauverantwortlichen entschieden dagegen:
„Welches Vertrauen doch die Römer auf die Dauer ihres Reiches setzten, daß sie vorhersahen, man könne eines Tages den Pont du Gard reparieren müssen.“ 
Direkt aus dem Pont du Gard Steinbruch:
Eine "römische" Gartenmauer im Nachbarort Vers
Nicht alle im Pont du Gard verbauten, so wunderschön zugeschnittenen Steine haben die Zeit überstanden. Viele finden sich heute als Türsturz, Fensterbank oder gar Gartenmauer benachbarter Häuser wieder.


Nur zufällig im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört


Das hatten sich die Strategen der Wehrmacht gut ausgedacht: Wenn man ein Munitionslager in der Nähe des Pont du Gard errichtete, würden die Alliierten von einer Bombardierung absehen. Und dem war auch so. Dann aber, nach der Landung und dem Vormarsch der Amerikaner und Briten in Südfrankreich versuchten die Deutschen das Lager, das aus immerhin 159 Baracken bestand, zu sprengen. Doch glücklicherweise hatte die Sprengschnur einen Defekt und so blieben auch die Dörfer Vers und Castillon verschont. Nach dem Krieg dauerte es zwei Jahre, bis fast fünfzigtausend Tonnen Munition geborgen und vernichtet werden konnten.

Während der ersten zweitausend Jahre hat er das nicht nötig gehabt. Ganz anders die zu Beginn des 17. Jahrhunderts auf Höhe der untersten Pfeiler angebaute Brücke, die schon nach gut einhundert Jahren von den Architekten Laurens und Daviler restauriert werden mußte. Fast vierzig Jahre, bis 1747, wurde daran gearbeitet. Gut über zweihundert Jahre ist der Verkehr zwischen Nîmes und Uzès über dieses Brückchen gefahren, das auch in späterer Zeit immer wieder verstärkt und ausgebessert werden mußte. Dem römischen Teil des Pont du Gard haben nicht einmal Busse, Lastwagen und schwere Militärfahrzeuge etwas anhaben können.


Samstag, 20. April 2019

Pont du Gard: Zweisterne-Imbiß für unseren Hund

Moritz Hartmann: Der Revolutionär  
findet Zuflucht beim Adeligen
Remoulins bildet „den Stapelplatz aller Besucher des römischen Monuments“, schrieb Moritz Hartmann in einer Novelle für die Kölnische Zeitung. Selbst den deutschen Lesern mußte dieses Monument nicht mehr namentlich benannt werden; der Pont du Gard war auch hier gleichbedeutend für die römische Provence. Es sei so üblich, „daß man im Gasthaus Pferd und Wagen stehenläßt, und von da aus zu Fuß dem Gardon entgegengeht, während welcher Zeit das freundliche Gasthaus ein üppig südliches Mittagessen für die Rückkehrenden bereitet. Dieses Gasthaus gibt dem fremden Wanderer auch einen Führer mit. Der Führer heißt Porthos, wie der eine der Dumasschen Mousquetäre und ist unter seinen Kollegen sicher einer der merkwürdigsten dieses Jahrhunderts."

Pont du Gard: Im 19. Jahrhundert hieß er nur "das römische Monument".
Den Namen Fremdenführers verdiene er nicht,
"denn schweigsam, ja stumm geht er neben dem Wanderer einher und begnügt sich, durch einfaches Stehenbleiben auf die schönsten An- und Aussichtspunkte aufmerksam zu machen. Er unterscheidet sich dadurch aufs vorteilhafteste von seinen Kollegen, die gewöhnlich im Wanderer keinen eigenen Gedanken aufkommen lassen und es für ihre Pflicht halten, die ganze Zeit mit eingelerntem Geplauder auszufüllen.“
Und niemals, sagt Hartmann, er wisse es ganz gewiß, habe dieser Führer auch nur das kleinste Trinkgeld angenommen. Bescheiden und dankbar nehme er allenfalls am Mittagessen teil. „Unter Menschen sind diese Tugenden alle ausgestorben, besonders, wenn sie in der Nähe berühmter Monumente wohnen.“ Ach, und er habe ganz vergessen zu erwähnen, daß „Porthos nichts anderes als ein Hund“ sei, ein großer Hund, der morgens vor dem Hotel gewartet hatte.

Ausnahmsweise kocht der Sterne-Koch auch für einen Hund
Dankbar bin ich Jerôme Nutile, daß er für meinen Film über literarische und gastronomische Entdeckungen in Südfrankreich die Szene des Hundes Porthos mit- und nachgespielt hat. So ist "unser Porthos" der bisher einzige Hund, der von einem Zweisterne-Koch bedient wurde – mit abgenagten Knochen der Lammkoteletts aus dem Tagesmenu, das sei dazu gesagt.



Samstag, 6. Oktober 2018

Pont du Gard: Das Wasser fließt bergauf

Domnine Reynert erklärt die dicken Kalkablagerungen
in der abgedeckten Wasserrinne oben auf dem Pont du Gard 
Die Leistungen der römischen Bauingenieure sind beeindruckend: Über fünfzig Kilometer wird das Wasser der Eure von der Quelle bei Uzès bis Nîmes geleitet. Nur gut zwölf Meter beträgt insgesamt das Gefälle, wie Domnine Reynert erklärt, die Pressechefin der Site du Pont du Gard. Fünf Meter weniger, als immer noch in den meisten Reiseführern zu lesen ist. Einige Eindrücke vom Pont du Gard und ein Gespräch mit Zweisternekoch** Jérôme Nutile HIER im VIDEO (etwa ab Minute 20).

An manchen Stellen gelang es den Römern, durch eine Verengung des Kanals das Wasser so zu beschleunigen, daß es bergauf floß. Mit Domnine den Weg durch den Wasserkanal der obersten Arkadenreihe zu machen, ist ein Erlebnis. Von Louis Benoit erzählt sie, einem Schlosser, der den Pont du Gard 1611 bestieg und seine Handwerkermarke, einen Schlüssel, in den Stein einritzte.

Seither haben alle Handwerker, die im weitesten Sinne dem Bausektor zugerechnet werden, vom Zimmermann über den Steinmetz natürlich bis hin zu den Schlossern das Recht, sich hier zu verewigen. Nur allerdings, solange sie sich auf ihrer einjährigen Wanderschaft, ihrer „Tour de France“ befinden.Wen der seltene Vorname von Domnine Reynert an etwas erinnert: Sie stammt aus Sisteron und ja, ihre Eltern haben Sie nach der Romanfigur von Paul Arène getauft.

Lange hielt sich die Legende, die Olivenbäume
am Pont du Gard seien während des Baus gepflanzt worden.
Tatsächlich sind sie ein paar hundert Jahre alt,
kommen aus Spanien und stehen seit gut 60 Jahren hier.
Und auch andere Legenden um den Pont du Gard rückt sie zurecht. Die drei alten Olivenbäume auf dem linken Ufer - kaum jemand kann daran vorbeigehen ohne Frau, Kind, Hund oder wen auch immer darunter zu fotografieren - stammen nicht aus der Zeit um Christi Geburt, wie immer wieder zu lesen ist. Es sind nicht einmal französische Bäume, sondern rund tausendjährige Olivenbäume aus Andalusien, die nach dem großen Frost von 1956 hierher verpflanzt wurden.
Und auch die Geschichte, daß die Römer den Pont du Gard in einem leichten Bogen gebaut hätten, um so ein Gegengewicht gegen den Mistral zu berücksichtigen, ist eine Mär. Tatsächlich haben sie ihn kerzengerade über den Fluß gezogen. Die inzwischen sichtbare Wölbung ist den Sonnenstrahlen zuzuschreiben. Täglich 5 Zentimeter gegen die Steine auseinander, um sich nachts 4,999 Zentimeter wieder zusammen zu ziehen. So entsteht eine jährliche Lücke von 2 Millimetern auf der Sonnenseite, die sich im Laufe von zweitausend Jahren zu einer insbesondere im Wasserkanal deutlich erkennbaren Kurve entwickelt hat.

Obwohl die Bauarbeiten an unterschiedlichen Stellen gleichzeitg begannen, stimmten überall die Anschlüsse. Sogar bergauf ließen die römischen Ingenieure das Wasser fließen, in dem sie die den Kanal enger machten und so die Fließgeschwindigkeit erhöhten. Mehr als tausend Arbeiter waren beschäftigt, über fünfzigtausend Tonnen Stein wurden verbaut. In Nîmes endet der Kanal im Castellum divisorium,


Leicht zu finden: Vom Office de Tourisme gerade mal ein paar Meter den Berg hoch
einem Verteilbecken, aus dem heraus das Wasser durch Bleirohre in die einzelnen Stadtteile geleitet wurde. Mehr darüber HIER AUF DER HOMEPAGE VON NIMES .So jedenfalls konnte die Großstadt Nîmes jahrhundertelang mit täglich zwanzigtausend Kubikmetern frischen Quellwassers versorgt werden: Also rund vierhundert Liter je Einwohner.
Von dieser Seite noch stabil aussehend, aber die andere...siehe Film unten
Vor lauter Pont du Gard wird aber die kurz vor dem Zerfall stehende Römerbrücke an den Stadtgrenzen von Uzes und Blauzac vergessen. Anderswo wäre man froh ein solches Kleinod touristisch vermarkten zu können. Hier aber ist die verantwortliche Stadtverwaltung von Uzes offenbar froh, wenn die Brücke bei den Überschwemmungen der nächsten Jahre endgültig zerstört wird. Jacques Roux hat das im April 2015 in einem Artikel für den "Midi libre" aufgegriffen. Hier EIN FILMISCHER EINDRUCK von dem, was da im wahrsten Sinne des Wortes den Bach runtergeht. Les Seynes heißt das im Sommer harmlose Bächelchen, das sich aber mit den Regen des Spätherbstes in einen bis zu einhundert Meter breiten Strom entwickelt.


 

Samstag, 25. Juli 2015

Pont du Gard: Feuerwerk und Kanufahrt

Lassen Sie sich den Pont du Gard - hier im VIDEO von Nacy Nimes - nicht von den hohen Parkgebühren auf dem Riesenparkplatz des Rive Gauche, also der linken Seite des Gard, vergällen. Man muß ihn einfach gesehen, erfühlt, umwandert und vielleicht sogar erstiegen haben. Am besten parken Sie das Auto in Remoulins. Dann machen Sie einen Spaziergang auf dem rechten Gard-Ufer hin zum Pont und genießen kostenlos das Bauwerk und den Garrigue-Garten. Hier findet man ruhige Picknickplätze, die Ihnen das sogenannte Menue-Quick der Fast-Food-Restauration ersparen.

Einen dieser drei Tische sollten Sie für das Abendmenu und die Lichtschau reservieren.
Wenn Sie sich aber etwas Besonderes gönnen möchten, dann ein wirklich spätes Abendessen, im Juli also nicht vor einundzwanzig Uhr, im Restaurant „Les Terrasses“.

Es wurde lange von Madame Nutile geführt, der Frau des Sternekochs Jerôme Nutile, der sein Restaurant, die „Hostellerie Le Castellas“, nicht weit von hier in Collias hatte. Schade, daß die Beiden nach Nîmes umgezogen ist, in ihren "Mas de Boudan". Die Eröffnung dort war ein großes Fest mit vielen der großen Chefs: Michel Kayzer, Jacques Pourcel und Pascal Ginoux. Hier der BLOG VON JEROME NUTILE, mit vielen Rezeptideen und guten Gründen ihn im Restaurant oder im Bistrot zu besuchen.

Wenn Nutile allerdings zuhause sei, so sagte er mir, sei es seine Frau, die die Küchenherrschaft habe, denn eigentlich sei sie die bessere Köchin, „wenn auch nur ein ganz klein wenig“. Die Reservierung in der ersten Reihe mit dem freien Blick auf den Sonnenuntergang hinter dem Pont du Gard - an manchen Abenden ersetzt er das Feuerwerk - sollten Sie aber bereits ein paar Tage vorher machen.

Normalerweise ist der Aufstieg auf den
Pont du Gard verboten
Das Aufsteigen in, und erst recht auf die obere Bogenreihe, die das Wasser führte und teilweise noch von dicken Steinplatten bedeckt ist, ist inzwischen verboten und durch Eisengitter erschwert; das macht es nicht weniger verlockend. Wenn allerdings in Frankreich schon einmal Absperrgitter angebracht sind, dann wird es dahinter wirklich gefährlich. Wenn Sie schon glauben daran vorbei klettern zu müssen: Keinesfalls sollten Sie sich danach aus der Wasserleitung hinausbewegen. Eine ganze Reihe tödlicher Abstürze hat es gegeben, auch, weil unvorsichtige Kletterer von einer unberechenbaren Mistralbö erfasst wurden.

Greifen Sie lieber auf das abwechslungsreiche Programm des Pont du Gard, das Sie HIER (und auf deutsch) finden.

Möglichst dann sollten Sie den Pont du Gard genießen, wenn wenige andere Menschen dort sind. Für Stendhal wäre das Mitte des 19. Jahrhunderts nicht einmal an einem Feiertag ein Problem gewesen.
„Glücklicherweise und zur Freude des kunstbeflissenen Reisenden trifft der Blick, nach welcher Seite man auch schaut, auf keinerlei Anzeichen menschlicher Kultur. Einsam verströmen Thymian, wilder Lavendel und Wacholder ihren Duft unter einem Himmel von blendender Klarheit. Der Geist wird durch nichts abgelenkt. Es ist ein Erlebnis für wenige ausgewählte Geister. Die anderen denken nur voller Bewunderung an die Geldsummen, die er gekostet haben muß.“

Diese Einsamkeit findet man heutzutage nur noch sehr früh am Morgen, lange vor dem Frühstück. Oder am späten Abend, wenn die beeindruckende Lichtschau der Groupe F - hier in einem ZEITLUPENFILM von Robert Souillol - ihn immer wieder in neuen Farbspielen erscheinen läßt, vorbei ist.

 

Phantasievolle Licht-, Feuer-  und Computerschau               Bilder c Thorsten Schmalbach
 Eine ruhige Pontdu Gard-Tour können Sie auch in Collias beginnen. Sie mieten sich dort bei einem der Anbieter - (die sich alles preislich nicht viel tun)ein paar Minuten in Richtung Uzès und dann links rein - ein Kanu und lassen sich auf dem Wasser zum Pont du Gard treiben; nach längeren Trockenperioden müssen Sie das Boot ab und zu ein paar Schritte durchs Flußgeröll tragen. Am besten, Sie fragen vorher und lassen die Schuhe an, wenn Tragestrecken anstehen. Vor den Wasserschlangen müssen Sie keine Angst haben; das ist eher umgekehrt. Auf der zwei- bis dreistündigen Fahrt finden sich selbst bei Hochbetrieb verschwiegene Anlegestellen. Und am frühen Abend holen die Kanuverleiher Sie kurz vor Remoulins wieder ab und bringen Sie zu Ihrem Wagen zurück.