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Samstag, 8. Juni 2019

Sète: Hafen, Brassens und Paul Valéry


Die Gräber und Museen von Brassens und Valéry sollten Sie aufsuchen, das von Brassens unten auf dem Friedhof Py und das von Valéry oben auf dem Cimetière marin und wiederum unten das Espace Brassens und oben das Musée Paul Valéry.


Die schönsten Aussichten sind für die Toten reserviert
Am Grab von Valéry werden Sie kaum einmal jemandem begegnen, während Brassens zwischen April und Oktober täglich bis zu dreihundert Menschen gedenken. Die Gräber sagen viel mehr über die beiden aus, als das Nachlesen der zahlreichen Würdigungen und wissenschaftlichen Beiträge über Stildifferenzen, Sujets und Arbeitsweisen. Und bezeichnend ist auch, daß Valéry an seinem Lieblingsort begraben wurde, während die Stadt Sète es Brassens verwehrte, am Strand bestattet zu werden. In seinem Chanson „Supplique pour être enterré à la plage de Séte“ hatte er diese Forderung noch einmal wiederholt. Und er spricht darin auch, ganz selbstbewußt, sein Verhältnis zu Valéry an, den er, der „aus kleinen Verhältnissen stammende Troubadour“, überbieten werde:

„Deférence gardée envers Paul Valéry.
Moi l’humble troubadour sur lui je renchéris,
Le bon maître me le pardonne.“
Die Frage, an welchem Strand denn nun genau Brassens begraben liege, wird im Office de Tourisme an jedem Tag mehrfach gestellt. In einem
Viel Brassens überall in der Stadt
Interview hat er später allerdings zugegeben, daß dies so ernst gar nicht gemeint war. Er hätte ganz einfach nach seinem Tod auch noch ab und zu baden gehen wollen, sagte Brassens in einem gemeinsamen Interview mit Jacques Brel und Jean Ferré. Das berühmteste Gedicht Valérys, von Rilke übersetzt, beschäftigt sich mit seinem „Friedhof am Meer“:

„Minervas schlichter Tempel, feste Truhe,
Sichtbares Schutzhaus, dichter Hort der Ruhe,
Kräuselung des Wassers, Auge immer wach...
Ganz eingehüllt in meinen Meeresblick.
Und wie wenn Göttern ich die Gabe brächte,
Steigt aus dem Funkeln heitrer Meeresprächte
Mein königlicher Hohn auf das Geschick.“
Die Übersetzung entstammt dem bei C.H.Beck erschienenen zweisprachigen Band "Französische Dichtung".
Einen Stein bekommt Valéry von jedem Besucher seines Grabes...
Leider findet sich nur weniges von und über Valéry in dem Museum oben am Friedhof, das immerhin seinen Namen trägt: Lediglich ein Saal, der Handschriften, Zeichnungen und Erstausgaben des Dichters ohne sich erschließende Ordnung nebeneinanderreiht. Und irgendwo dann der Satz:

„Der Mensch ist ein Tier, das außerhalb seines Käfigs eingesperrt ist.“
 
Valéry selbst hätte diesen Saal anders, vor allem systematischer gestaltet. Dennoch lohnt der Besuch des Museums wegen der Gemäldesammlung und den ständig wechselnden Ausstellungen.

Samstag, 4. August 2018

Sète: Hai-Angriff im Hafen

Delphine und Haie waren zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Mittelmeer so zahlreich, daß sie sogar in den größeren Häfen, zum Beispiel in Sète, zu beobachten waren. Johanna Schopenhauer (1766-1838) - die Goethe-Vertraute

Blick vom Friedhof (mit dem Grab von Paul Valéry) auf den Hafen von Séte. Johanna und Adele Schopenhauer auf einem Gemälde von Caroline Bardua
und Mutter des Philosophen Arthur - war während Ihrer Reise durch Südfrankreich sogar von einem Haiangriff erzählt worden.

„Vor mehreren Jahren badete ein englischer Matrose in dem stillen, klaren Wasser, da gewahrten seine Kameraden wie ein großer Hai dicht unter ihm dahergeschwommen kam. Sie warfen ihm ein Seil zu. Schon war der Unglückliche über das Wasser gehoben, da sprang das Ungeheuer hoch aus der Flut, schnappte nach ihm und die Rettung des Lebens war mit dem Verlust eines Beines erkauft.“
Das Mittelmeer gehört auch heute noch zu den allerdings seltenen Jagdrevieren des Weißen Hai, wie sich auf den Karten von „Shark Protect“ ersehen läßt. Zwischen dem Besuch Johanna Schopenhauers im Jahr 1804 und heute hat es
„siebenunddreißig verbriefte Weißhai-Angriffe auf Menschen gegeben, wovon siebzehn tödlich endeten“.
Der letzte dokumentierte Angriff stammt aus dem Jahr 1984.


Weiße Haie: Kaum einmal im Mittemeer  Bild: B. Inalglory, WikiComm
Heute werden noch knapp fünfzig Haiarten im Mittelmeer gezählt, davon rund ein Drittel mit Längen über drei Meter und so auch für Badende gefährlich. Da mag man die statistische Wahrscheinlichkeit als sehr gering errechnen. Aber fragen Sie doch mal den englischen Matrosen.