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Freitag, 7. Juni 2024

Franck Becker aus Cardet: Töpfer aus Leidenschaft

 
Ein Besuch, der sich lohnt. Filmlink unten.
Er hat seine Produktionshalle am Rand von Cardet - kurz vor Anduze, der Stadt der „Vases d’Anduze“ - und er macht wirklich noch eine „fabrication artisanale“. Franck Becker töpfert seit zwanzig Jahren, erst in der Nähe der Bambousseraie, jetzt hier im Gewerbegebiet, von wo aus er seine vielen Kunden, Raumausstatter, Deko-Geschäfte und Boutiquen, vor allem in der Provence beliefert. Oft ist er unterwegs, weil er auch die Auslieferung selbst macht, also rufen Sie besser an bevor Sie bei ihm im Gewerbegebiet von Les Morgues vorbei fahren: 0033 682 21 87 80. Unter dem folgenden LINK kommen Sie auf seine Homepage.

Becker, Südfranzose trotz des deutschen Namens, gehört zu den wenigen, die selbst die großen Vasen, also über einem Meter hoch, noch mit der Hand und auf der Scheibe töpfern. Vieles von dem, was Sie sonst hier in der Nähe kaufen, wird gepreßt. Damit gelten auch andere Regeln für die Haltbarkeit, insbesondere, wenn man die Vasen draußen überwintern will. Jeder Verkäufer wird Ihnen das „winterhart“ versprechen, garantieren wird es kaum einer. „Wenn ein Vase gut gearbeitet ist, kann selbst in einem Winter in Südfrankreich die Glasur platzen. Die Vase geht aber nicht kaputt. Bei einer Preßvase macht es dann baff und das war’s.“ Auch ihm geraten nicht alle Vasen perfekt. Manchmal beträgt der Ausschuß fünfzehn Prozent, „zum Glück auch manchmal null“. Die Malheure, in denen die Glasur geplatzt ist verkauft er extrem günstig. Alle Produkte sind bleifrei, so können die Tassen tatsächlich für Kaffee und die Schüsseln für einen Salat eingesetzt werden.

Wieviele es noch gibt, die so arbeiten wie Becker – alles auf der Scheibe? „Vielleicht noch fünf in Frankreich, wenn‘s ganz viele sind zehn“, sagt er. Es sei einfach körperlich extrem anstrengend, diese vielen Kilo Tonerde auf der Töpferscheibe zu beherrschen.

Handarbeit aus Cardet: Die Töpferei von Franck Becker
Seine Begeisterung ist ansteckend und zudem weiß er viel über die Geschichte der Vasen von Anduze. Kaum in seinem kleinen Verkaufsraum, winkt er uns in die Produktion. „Ich zeige Ihnen schnell mal, wie das geht“ und knetet die dunkle italienische terra cotta. Und nach zwei Minuten - HIER IM VIDEO - ist die Vase fertig.
 
Nach zwei Minuten Drehscheibe dieses Produkt
Die Ornamente und Farbe können wir uns aussuchen, ebenso den Herkunftsstempel, der sich normalerweise aus der Form der Vase ergibt. Und das ganze natürlich mit Signatur. Und die Fahrt nach Anduze könnten Sie eigentlich an dieser Stelle abbrechen, jedenfalls wenn Sie wegen der Töpfereien unterwegs sind. Der Vollständigkeit halber finden Sie die anderen HIER IN ANDUZE.



>>>>  Viel mehr zu Anduze, den Vases d'Anduze , den Cevennen und dem Midi in meinem Buch "Durch den Süden Frankreichs" (700 Seiten, über 1.000 Bilder), das ich gerne signiert und portofrei zusende. Mail an: manfred.hammes@web.de

So bewertet die FAZ: Eine „profunde Kulturgeschichte, glänzend formuliert, prachtvoll bebildert und vom Verlag wunderschön ausgestattet…die vielleicht fundierteste Darstellung zu diesem Thema, ganz gewiss ist es die am besten geschriebene“.

Professor Rainer Moritz, Leiter des Hamburger Literaturhauses, lobt im MDR die „hochinteressante Mischung aus Literatur, Kunst und Kulinarik“, und Martin-Maria Schwarz im HR „eine akribische Neuerkundung“. Zusammenfassend die Badische Zeitung: „Ein reiseliterarisches Meisterwerk“ und der NDR: „Ein ganz außergewöhnliches Buch!“



 

Freitag, 29. Juni 2018

Anduze: Vasen nicht nur für den 14ten Ludwig

Die Form ist geblieben seit dem 18. Jahrhundert, die Farben sind vielfältig geworden
Zahlreiche große Töpfereien vor, in und um Anduze – das geht schon, wenn aus Vézénobres kommen, in La Madeleine los und mit Le Chêne Vert weiter – warten auf Sie.

Wenn Sie kaufen wollen, dann aber bitte erst auf der linken Gardonseite zwei Kilometer in Richtung von Saint-Jean-du Gard fahren. In einer Rechtskurve sehen Sie auf der linken Seite die Töpferei Les Enfants de Boisset ( route de Saint-Jean-du-Gard, 0033 466 618086 www.poterie-anduze.fr ). Das sind nicht zwar die Ur-Ur-Ur-Enkel von Boisset, aber doch eine der traditionellen Töpfereien, in denen ich bisher Made in China oder Fabriqué en Maroc oder die Vasen, die gepreßt und nicht auf der Scheibe gedreht werden, kaum gefunden habe.

Ihre Frau wird Sie dann allerdings zurückdirigieren zur Poterie de la Madeleine nach Lézan (Route de Nîmes, 0033 466 616344 www.poterie.com ), wo auch noch vor Ort produziert wird und die Auswahl deutlich größer und die Präsentation wesentlich marketingorientierter ist. Das hängt auch damit zusammen, daß sich Filialen auch in Saint-Tropez, Béziers und Montpellier finden; Immerhin haben Sie jetzt einmal einen Preisvergleich.

Die Vasen, die Ludwig XIV. sich für die Ausstattung der Orangerien von Versailles hat kommen lassen, waren alle 1,05 Meter hoch; eine solche Vase bekommen Sie als Ausschußware bei La Madeleine für 120 bis 250 Euro, was immer noch ein ordentlicher Preis für ein nicht einwandfreies Produkt ist. In gutem Zustand kosten sie dann 800 Euro oder etwas mehr; pro Vase packen Sie sich rund 140 Kilogramm zusätzlich ins Auto. Die angesprochene Fehlerhaftigkeit bei allen Töpfereien beschränkt sich auf Glasurfehler, die die Vasen so oft mit dem Anschein von Gebrauchsspuren versehen. Unsere Erfahrung ist, daß sie dennoch winterfest sind – jedenfalls für das, was man in Südfrankreich so Winter nennt. Neben den tatsächlich fehlerhaften finden sich die Vasen, die der Töpfer in mühsamer Handarbeit „auf alt“ gemacht hat – fragen Sie nach „patine ancienne“ oder „vieilli tradition flammé“.


Wenn Sie sich auf einen der Antiquitätenhändler verlassen wollen, der Ihnen noch eine der Vasen Ludwigs XIV. ganz hinten aus dem Lager und nur für den echten Kenner verkaufen will, können das tun und die Geschichte dann Ihren Freunden weiter erzählen; glaubwürdiger wird sie dadurch nicht.
 
Franck Becker
So viele alte Vasen, wie in Anduze und Umgebung verkauft worden sind, kann der König gar nicht besessen haben.

Wenn Sie sich durchringen könnten, an La Madelaine vorbeizufahren, kommen Sie wenige Kilometer weiter, in Cardet, auf der rechten Straßenseite an die Töpferei von Franck Becker, der seine sämtlichen Vasen noch auf der Scheibe dreht und HIER UND IM FILM erklärt, warum "winterhart" ein dehnbarer Begriff ist und die gepreßten Vasen leichter kaputt gehen.