Donnerstag, 11. Februar 2021

Nizza: Wenn Hotel dann die "Villa Rivoli"

Barbara Kimmig im Garten ihrer "Villa Rivoli"    Bild BZ/privat
Mein Lieblingshotel in Nizza heißt „Villa Rivoli“. Man fühlt sich hier auch so persönlich aufgehoben wie in der Villa einer Freundin und so garnicht nicht wie in einem Hotel. Lange wußte ich nicht, daß das Haus Barbara Kimmig gehört, die in der Ortenau, nur ein paar Kilometer von meinem Wohnort, aufgewachsen ist. Erst als ich dort einmal zu einem Vortrag der deutsch-französischen Gesellschaft eingeladen war, habe ich das erfahren. HIER im VIDEO führt die Deutsche in englisch durch ihr französisches Hotel.

Die "Villa Rivoli", ist ein schmuckes 26-Zimmer-Haus mitten in Nizza, mitten in einem schönen Garten und nur wenige Meter (vielleicht 200) vom Meer und der Uferpromenade entfernt. Hubert Röderer danke ich für seinen Artikel, den er in der Badischen Zeitung veröffentlicht hat und den ich hier leicht gekürzt wiedergebe:
 

Barbara Kimmig kam 1962 im in Oberkirch zur Welt - im August, im Sternzeichen des Löwen. Beharrlichkeit schien ihr in die Wiege gelegt worden zu sein. Sie wuchs zusammen mit zwei älteren Geschwistern in Lautenbach auf, der Vater war einst Packereimeister bei der Papierfabrik Koehler, die Mutter Hausfrau, heute sind sie Rentner.

Barbara Kimmig besuchte die Realschule in Oberkirch, ehe sie mit dem Beginn ihrer Ausbildung zur Hotelfachfrau in Brenner’s Park Hotel in Baden-Baden ihre berufliche Richtung einschlug, der sie bis heute die Treue hält. Bereits mit 20 Jahren verschlug es sie 1982 nach Montreux, ins dortige "Palace" Von da ging’s nach Nizza ins "Negresco", das Luxushotel mit 121 Zimmern und 24 Suiten, das auch Gründungsmitglied der renommierten Hotelvereinigung "The Leading Hotels of the World" ist. Spätestens hier dürfte sie davon geträumt haben, irgendwann mal nicht nur Reservierungen anzunehmen oder im Service auszuhelfen, sondern als Hotelbesitzerin nach eigenem Gusto schalten und walten zu können.

Doch die Zeit war natürlich noch nicht reif und das Portemonnaie noch zu dünn. 1985 zog sie weiter nach London, wo sie im "Mayfair" an der Rezeption arbeitete, und wo ihr abermals die gute deutsche Ausbildung sehr hilfreich war: "Wer vom Brenner’s kommt, ist bei seinem neuen Arbeitgeber gut angesehen. Die Ausbildung dort ist viel wert."

1986 folgte der "Europäische Hof" in Heidelberg, wo sie alsbald zur Direktionsassistentin aufstieg. Ende der 80er Jahre verdingte sie sich für mehrere Saisons als Hotelreiseleiterin für die TUI auf der Insel Brac im damaligen Jugoslawien: "Dort habe ich viel Geld verdient und es gab keine Möglichkeit, es auszugeben."

Oase inmitten der Altstadt
Als sie ein paar Jahre später ein zweites Mal im "Negresco" anheuerte, stieg sie schnell zur Marketing-Direktorin hoch. Es war der Beginn der Seßhaftigkeit, auch der Geburt von Tochter Fanny geschuldet, die 1998 zur Welt kam: "Ich wollte nicht mehr ständig unterwegs sein und mit meiner Zeit flexibler umgehen können." Also griff sie 2003 zu, als sie die Chance bekam, ihr erstes eigenes Hotel zu kaufen, die heruntergekommene "Villa la Tour" in der Altstadt. 2007 erwarb sie Hotel Nummer zwei, die "Villa Rivoli".
 

Hubert Röderer schrieb
diesen Beitrag für die BZ/hsl
Hier, in der fünftgrößten Stadt Frankreichs, hat Barbara Kimmig längst Wurzeln geschlagen: "Ich bin ja auch schon 20 Jahre hier." Hinter ihr liegt ein weiter, mit vielen Umzügen verbundener Weg, der sie in die feinsten Häuser führte und der aus einer "kleinen" Hotelfachangestellten eine stolze Hotelbesitzerin machte, die trotz der riesigen Konkurrenz von 350 Hotels in der Stadt nach eigenen Angaben gut zu bestehen weiß: "Man muss ständig an der Qualität arbeiten." Und jedem Gast das Gefühl geben, willkommen zu sein. Dafür sei sie auch sechs Tage in der Woche von frühmorgens bis abends im Haus unterwegs. 

Natürlich sollte Sie in Nizza weit mehr interessieren als das Rivoli als ideale Ausgangsbasis für die Entdeckung von Stadt und Umland. Wenn Sie es sich leicht machen und das sehen wollen, was jemand, der viele Jahre hier verbracht hat, Ihnen empfiehlt, dann lesen Sie die "Gebrauchsanweisung für Nizza und die Côte d'Azur" von Jens Rosteck, der wundersamerweise inzwischen auch in der Ortenau wohnt.

"Mit einer großen Lust am Erzählen entzündet der Autor hier ein wahres Feuerwerk eines Insiders. Intelligent, vielschichtig, sehr gut recherchiert und spannend verwebt der Autor Wissenswertes zur Geschichte der Stadt und dem savoir vivre an diesem faszinierenden Ort..." heißt es in einer Rezension auf Rostecks HOMEPAGE.



Freitag, 5. Februar 2021

Mit der Künstlerin Susanne Pohlmann nach Aix und Marseille

  

Natürlich das Licht! Das liest man immer wieder in Briefen und den Biographien über die Künstler, die sich den Süden Frankreichs als Atelier ausgesucht haben: Von van Gogh über Purrmann, Matisse, Räderscheidt bis Derain und vielen weiteren. Wer das nachempfinden will, könnte das mit Gleichgesinnten und unter Anleitung der Berliner Künstlerin und Pädagogin Susanne Pohlmann tun. „Mir ist wichtig, daß meine Gäste sich auch der Freude und der Lust zum Experimentieren öffnen,“  sagt sie. 

In der Nähe von Aix und von Cézanne‘s Berg hat sie ihr Haus, von dem aus sie in sehr kleinen Gruppen ihre Malreisen durch den Midi organisiert. Aber auch auf der Terrasse oder im großen Garten kann gemalt werden. In diesem Jahr, wenn Covid und Confinement mitspielen, sollen diese Möglichkeiten eigene Bildwelten zu entdecken vom 8. bis 15. Mai und vom 18. bis 25. September stattfinden. Verschiedene Maltechniken mit Acryl- und Aquarellfarben, sowie Kreiden können ausprobiert werden. Pohlmann nimmt sich auch die Zeit für individuelle Anleitungen und Anregungen gegeben.

Das Angebot (bei eigener Anreise) umfasst alle Übernachtungen im eigenen Appartement, die Mahlzeiten mit französischer Küche und Wein, (Frühstück, 5 Abendessen, 2 Mittagessen), Malkurs, Grundausstattung Malmaterial, alle Transfers, sowie Kultur- und Naturprogramm. Natürlich geht es nach Marseille und in die Calanques oder auch nach Lourmarin, das Dorf in dem Albert Camus seine Liebe für den Süden entdeckte und wo er seine großartige Autobiographie „Der erste Mensch“ schrieb. 

Susanne Pohlmann mit einem ihrer großformatigen Meer-Bilder

Das ausführliche Programm mit den Preisen sendet Ihnen Susanne Pohlmann gerne zu: su-pohlmann@web.de oder www.malerei-reisen.de .

    

Freitag, 29. Januar 2021

Domaine Royal de Jarras bei Aigues-Mortes

Rund 1.000 Fußballfelder voller Wein und damit das größte europäische Weingut

 Da von einer Domaine zu sprechen ist sicher untertrieben. 1883 begann es mit Listel, heute ist die Domaine Royal de Jarras, der größte europäische Weinbaubetrieb; wobei die Marke Listel weitergeführt wird. Wer die rund zehn Kilometer von Aigues-Mortes nach Le Grau fährt hat sie auf der linken Seite auf einer Fläche von rund 800 Hektar, von denen 430 Hektar mit Reben 

Rebflächen als Winterweide für die Schafe. Bild Midi libre

bepflanzt sind. Der Rest ist Teil eines Naturschutzgebietes, aus dem im Winter die Schafe zum Grasen auf die Domaine kommen.   

Sandwein

Die Einzelflächen auf dem Sandboden sind mindestens 10 Hektar groß, einzelnen Rebreihen verlaufen über drei Kilometer. Zehn Millionen Liter Sable de Camargue in IGP-Qualität  werden darauf insgesamt produziert.

Zum Teil sind es ganz besondere Weine, die hier produziert werden, denn aufgrund des immer wieder überschwemmten und so salzgetränkten Sandboden haben hier französische Reben die Reblausplage überstanden, sind also bis heute ungepfropft. Die Rebnamen, darunter der Grenache Gris und der Franc de Pied, sind sonstwo fast schon vergessen. 

Der daraus ausgebaute Tête de Cuvée wird auf einigen Parzellen nachts gelesen, langsam gepresst und temperaturkontrolliert gegärt. Mittels Feinhefe und biologischem Säureabbau erhält der Wein eine besondere Fülle. Ein „mythischer Cuvée“ sagt Alban Béchard, ein geborener Aigues-Mortais, der noch einmal vierzig Jahre alt war, als er die Verantwortung für die Domaine übernahm.

Château La Gordonne: 350 ha Côtes de Provence

Die Domaine, wie viele andere inzwischen auch, so das Château La Gordonne in der Provence, gehört zum Konzern Vranken-Pommery.






 

 

 


Samstag, 23. Januar 2021

Johanna Schopenhauer: Vergebliche Suche nach der Reinlichkeit des Südens

Das ist nun wirklich mal ein durchgezogener roter Faden. Johanna Schopenhauer, die 1766 geborene Tochter aus einer groß- und bildungsbürgerlichen Danziger Handelsfamilie und vom Vater gegen
Klementine des 18. Jahrhunderts
ihren Willen an einen noch reicheren Handelsherren verheiratet, war, nicht nur in Südfrankreich, immer auf der Suche nach sauberen Gassen, Plätzen und Hotels und hat das in ihren damals hochgeschätzten Reiseveröffentlichungen, etwa den "Promenaden unter südlicher Sonne" auch penibel dokumentiert.

In Montauban, im „Hotel des Ambassadeurs“, nahm Johanna Schopenhauer Anstoß an der Möblierung. Vorhänge, Stühle und das Bettgestell sahen aus, als stammten sie aus einem in der Französischen Revolution zerstörten und ausgeraubten Schloß. Auch ekelte sie sich vor der fleckigen Bettwäsche.
„Die Flecken waren vielleicht Blut der in diesen Betten Ermordeten.“
In Toulouse war alles noch viel schlimmer:
„Der dem Lande eigene Haß gegen alle Ordnung und Reinlichkeit scheint in dieser Stadt aufs höchste gestiegen.“
Auch Carcassonne fand ihre Gnade nicht:
“Des so notwendigen Schattens wegen baute man hier die Häuser so nahe einander gegenüber, aber die Luft wird dadurch dumpf, drückend und der gänzliche Mangel der Reinlichkeit umso empfindlicher.“
Und auch nicht Montpellier:
Place de la Comédie
„Da wir bisher auf fast allen Flaschen mit wohlriechendem Wasser immer Montpellier gelesen hatten, so glaubten wir in unserer Einfalt, die ganze Stadt müsse wie der Laden eines Parfümeurs riechen. Wir fanden aber leider hiervon das Gegenteil. Von der hier herrschenden Unreinlichkeit ist es unmöglich, sich einen Begriff zu machen; das Auge wird ebenso beleidigt als die Nase.“ 
Ähnlich wenig gefielen ihr Avignon und Aix-en-Provence, jedenfalls abseits der stattlichen Bürgerhäuser und Brunnen auf dem Cours.
Stolpern über Cézanne
„Der übrige Teil von Aix ist winkelig und dunkel, und die darin vorherrschende Unreinlichkeit übersteigt allen Glauben. Die ganze Stadt hat etwas unordentliches, wir möchten sagen Unheimliches.“
Einmal immerhin hatte sie Glück. Im Gasthaus „A la Belle Suédoise“ in Saint Cannat. Trotz des verblichenen Wirtshausschildes ließ Johanna Schopenhauer anhalten.
„Wir stiegen aus, und auch das Innere des Hauses war zwar ärmlich, aber von einer Reinlichkeit, die wir in diesem Lande zu finden längst nicht mehr erwarteten.“
Die „schöne Schwedin“ stammte aus Stralsund – einst Schwedisch-Pommern - , hatte sich im Siebenjährigen Krieg in einen französischen Soldaten verliebt. Sie war ihm bis hierher, in die Nähe von Aix-en-Provence, gefolgt und freute sich, mit weit über achtzig Jahren inzwischen, wieder einmal deutsch sprechen zu können.

Und dann stieß sie gegen Ende ihrer Reise auf eine besonders saubere Stadt - ausgerechnet Marseille.
„Diese Reinlichkeit fiel uns besonders auf, und die schöne zierliche Stadt, in welcher sogar die Fenster zuweilen gewaschen werden, gefiel uns umso besser, je länger wir die Freude entbehrt hatten, alles um uns her sauber zu sehen.“ 
Grund dafür waren die Steinplatten auf den Bürgersteigen und die zahlreichen schmalen Rinnen, durch die im Hochsommer noch das Wasser strömte. Selbst Damen in weißen Schuhen könnten hier zu Fuß gehen. Eine Polizei, die streng auf Einhaltung der Sauberkeits-Vorschriften achte und die nächtliche Straßenbeleuchtung taten ein übriges.
 

Freitag, 15. Januar 2021

Die Provence im Februar 1956: Über ein Meter Schnee und minus 35 Grad

Platanenallee an der Côte d'Azur

Das einzig Gute an diesem Winter 1956, erinnert sich unser Nachbar René, sei es gewesen, daß die Wintergemüse nicht verfault seien, nachdem man sie im Dezember oder Januar aus dem Potager geholt habe. Kein Wunder, daß dieser Februar 1956 sich im Gedächtnis festgebrannt hat: Rund 90 Prozent der Olivenbäume waren so erfroren, daß man sie später im Jahr nur noch herausreißen konnte. Einige wenige haben in windgeschützten Ecken überlebt.

Der Januar war ungewöhnlich mild gewesen, dann am 2. Februar fiel die Temperatur innerhalb weniger Stunden von plus 15 auf minus 10 Grad. Zwei Tage später war der Midi unter einer dicken Schneedecke von teilweise 80 Zentimetern und die Temperaturen sanken weiter, erst auf minus18, dann auf minus 25 Grad. In einzelnen Gegenden der Hochprovence und der Cevennen sei das Thermometer nachts auf minus 35 Grad gefallen.

Nun werden ja in der Erinnerung, zumal der Südfranzosen, die Dinge immer etwas anders und vielleicht auch ins Unglaubhafte gesteigert. Wir denken nur an die Sardine, die die Hafeneinfahrt von Marseille versperrte oder die Abenteuer des Tartarin von Tarascon. Aber extrem kalt war es sicher. Als ich René frage, was ihm am stärksten im Gedächtnis geblieben sei, von diesem Winter, zögert er nicht: „Wir hatten etwa fünfzehn Hühner und zwei Hähne. Eines nachts war so kalt, daß dem einen Hahn der Kamm abgefroren ist, einfach runtergefallen ist der.“ Und sein Vater wollte ihm den Kamm als besondere Delikatesse zu essen geben. „Den kannst Du auch roh essen.“

Soweit die Füße tragen, diesmal aber nicht in der Sowjetunion, sondern der Provence.

Noch glaubwürdiger ist es, daß in den Häusern über Wochen kein fließendes Wasser gab, kein Wunder bei Tageshöchst-temperaturen von minus 10 Grad. Die Schulen waren zu. Die Bäcker konnten aus ihrem tiefgefrorenen Mehl keine Baguettes backen. Wer sich nicht selbst verpflegen konnte, geriet in Schwierigkeiten und war auf die Hilfe der Nachbarn angewiesen. Zentralheizungen waren damals auf dem Land ohnehin die Ausnahme, also blieben die Holzöfen als einzige Wärmequelle. Nicht nur die Hühner wurden ins Haus gelassen, auch die Katzen, Hunde und Kaninchen. Wer sich mit Rüben, Spinat oder dem tiefgefrorenen Lauch zu helfen wußte, hatte es gut.

Der Gemeinderat, der am 26. Februar in öffentlicher Sitzung unter Bürgermeister Rousset tagte, forderte, daß die Landwirte von der Steuer des Jahres befreit werden sollten und daß die Zinsen für die Darlehen, die der Crédit Agricole diesen Katastrophenopfern gewährt hatte, vom Staat bezahlt werden sollten.

Die Bilder im Beitrag stammen von Louis Lauvergnat und La Provence d’antan.Jacques Barbieaux hat einen lesenswerten Roman über diesen Winter geschrieben.






 

Mittwoch, 16. Dezember 2020

Provence-pur: Den Midi in den Schwarzwald geholt

„Kannst Du uns nochmal von dem tollen Olivenöl mitbringen? Und den Wein von dieser Domaine…wie hieß sie noch gleich?“ Wer kennt das nicht, wenn man viel in Südfrankreich unterwegs ist. Und auf der Rückfahrt ist der Kofferraum voll von den vielen Dingen, die man den Freunden mitbringt. Irgendwann, genauer gesagt im Jahr 2002 hat Heidi Schwanhäuser daraus einen kleinen, aber feinen Online-Versand  entwickelt. Was man ihrem Namen nicht anmerkt: Sie ist Halbfranzösin, geboren in Blois an der Loire, in dessen Schloss hoch über der Stadt sich insgesamt siebzehn französische Königinnen und Könige aufgehalten haben.

Aber es brauchte erst eines Deutschen, ihres Mannes Peter, der in ihr die Liebe zur Provence entfachte. Mindestens einmal im Jahr sind die beiden im Midi unterwegs und besuchen von Suzette aus, einem kleinen Dorf in der Nähe von Beaumes-de-Venise ihre Lieferanten. Wobei Lieferant das falsche Wort ist, die meisten sind zu Freunden geworden ihre Winzer, Imker, Nougatiers, Tapenadiers und Seifenmacherinnen. Alle Produkte werden vor Ort ausgesucht, verkostet oder ausprobiert und von Sankt Georgen im Schwarzwald aus verschickt.


Und sogar die deutsch-französische Freundschaft wird hier in ein Vesperpräsent verpackt: Eine Flasche Côtes du Rhône von der Domaine de Verquière zusammen mit gerauchten Bratwürsten und natürlich Schwarzwälder Schinken. Verquière in Sablet, heute kümmert sich Thibaut Chamfort um die Domaine, ist bereits seit vier Generationen im Familienbesitz. Seine Großvater Louis hat wesentlich mitgeholfen, daß 1974 die Appellation Côtes du Rhône Villages eingeführt werden konnte.

Zu den weiteren Produkten von Provence-pur gehören Lavendel- und Rosmarinhonig, Nougat und Tapenaden sowie Aleppo-Seifen für Allergiker oder zertifizierte Bio-Seifen. Seit einigen Jahren wird in der Provence Eselsmilch zur Veredelung von Seifen wiederentdeckt. Eselsmilch gleicht in ihrer Zusammensetzung der menschlichen Muttermilch und wurde jahrhundertelang in Waisenhäusern statt der Muttermilch verabreicht. Heute wird sie meist kosmetisch eingesetzt; sie soll besonders hautverträglich sein und besitzt eine außergewöhnliche Kombination von Vitamin A, E und Omega-3- und -6-Fettsäuren. 

Die Tugenden der Eselsmilch sind seit der Antike bekannt, man denke nur an die regelmäßigen Bäder von Cleopatra. Das wäre heute kaum zu realisieren, denn eine Eselin gibt bei täglich drei Melkgängen maximal zwei Liter Milch und das auch nur in Anwesenheit ihres Jungen.

Wie wäre es denn zu Weihnachten oder dem Geburtstag mit einem Duo aus Eselsmilch und Lotusblüten für Ihre Cleopatra zuhause? Heidi Schwanhäuser schickt Ihnen das gerne.

Samstag, 28. November 2020

Bardou: Ein verlassenes Dorf wieder zum Leben erweckt

1967 noch ein völlig zerfallenes und verlassenes Dorf. Bilder von Rainer Kanzleiter.

Wenn Sie mal so richtig cevenolisch wohnen möchten können Sie auf gut Glück nach Bardou fahren. Besser auf alle Fälle, vorher bei Elizabeth Nolan anrufen (0033.467.97.72.43 oder 0033.6.83.13.87.14), denn meist hat sie gar keinen Platz mehr. Der Hameau de Bardou gehört zu Mons-la-Trivalle, das wiederum zu Olargues. Ohne Navi rechnen Sie am besten mal zwei Stunden, mit Suchhilfe fahren Sie einfach hierher: 43°35‘40.76“N und 2°56‘27.77“O.

Cevennenwinter. Schnee gehört dazu. Bild Friedl.


 

Dann ein paar Schritte und Sie stehen in 577 Metern Höhe mitten auf dem Hauptplatz von Bardou. Der heisst auch deshalb so, weil es bei gerade mal dreizehn Häusern keinen weiteren gibt. Mit Google Earth von unterwegs schon einen ersten Eindruck gewinnen zu wollen, ist vergebliche Mühe. Die Bilder der sogenannten Straße enden an einem Parkplatz außerhalb des Dorfes.

1965 haben auch hier Klaus Erhardt und seiner amerikanische Frau Jean gestanden. Sie sahen ein paar Mauerreste, Brombeerbüsche, die durch die Fenster nach außen wuchsen, zerfallene Dächer und Ginster auf den wenigen freien Flächen. Sie verliebten sich in den Ort und wollten ihn kaufen. Mehrere Erbengemeinschaften und Einzelpersonen waren die Eigentümer, denen die Ruinen plötzlich mehr Wert zu sein schienen und die dafür sorgten, daß die Verhandlungen sich rund drei Jahre hinzogen. Aber eines Tages waren die Erhardts Eigentümer eines ganzen Dorfes samt einiger kleiner steiniger Felder und den umliegenden dreihundert Hektar Ödland. Über den damals gezahlten Betrag von dreißigtausend Euro würde man heute eher lächeln. 

Authentischer Wiederaufbau aus alten Baumaterialien

Was, Du warst noch nie in Bardou, wurde ich vor vielen Jahren von unserem Pfarrer gefragt, der immer noch aussieht, wie man sich einen Alt-68er so vorstellt, nur daß er inzwischen tatsächlich alt ist. Er sprach in einem Tonfall, als hätte ich behauptet, Maria Kleophae, Maria Salome und Maria aus Magdala seinen mit ihrer Dienerin Sara-la-Kâli in Saint Tropez und nicht in Les Saintes Maries an Land gegangen. 1968, das sind für ihn natürlich die Pariser Studentenunruhen im Mai.

Wenn sie nicht damals soviel Arbeit mit dem Wiederaufbau des Dorfes gehabt hätten, wären Jean und Klaus Erhardt sicher auch in Paris zu finden gewesen. So aber ging die Arbeit vor. „Es war ein beglückendes Erlebnis für uns Stein für Stein auszugraben, das ganze Dorf war ein Gesamtkunstwerk, das nach und nach von uns entdeckt wurde. Unsere Euphorie verstärkte sich von Monat zu Monat“ schrieb Erhardt später in einem Buch, das er mit Werner Friedl zusammen für den Anabas-Verlag gemacht hat. Eine Euphorie, die darüber hinwegsah, daß es weder Strom, noch Wasser oder Toiletten gab. Immerhin eine Quelle gab es im Dorf, die aber in besonders trockenen Jahren versiegte. „Dann mußten wir etwa einen Kilometer über den Col de Grousset bis zum Ruisseau de la Roque laufen“, um Wasser herbei zu schaffen. 

Normalerweise wäre das ja über Pumpen gut zu regeln gewesen, doch es dauerte bis zum Jahr 1994, bis nach einem ermüdenden Kampf gegen die französische Verwaltung endlich eine Stromleitung gelegt war. Schon früh kamen erste Besucher, darunter, in noch stromloser Zeit Ursula Merz, die dreißig Jahre später, da waren Klaus Erhardt und seine Frau schon gestorben, wieder hinfuhr und in der ZEIT eine Reportage über die Reise in diese Vergangenheit schrieb. „Klaus Erhardt ähnelte in meinen Augen einem preußischen Junker; sehr groß, sehr blond, sehr aufrecht. Jean glich in ihrer Anmut ein wenig Meryl Streep. Sie trug weite, bunte Röcke und große Wolltücher um die Schultern.“ Das Paar verkörperte für Merz einen Mix aus romantischer Zivilisationsabkehr und hartem Pioniergeist.



Wer mindestens vier bis sechs Stunden am Tag mitarbeitete, durfte umsonst in Bardou wohnen. Manche packten mit an, andere taten nur so und die Aufgabe von Ursula Merz war es, vor allem die amerikanischen Hippiehelfer mittags aus dem Bett zu werfen und ihnen zu erklären, daß körperliche Arbeit nicht nur im Bett geleistet werden sollte. Von der Arbeit ausgenommen waren die Mitglieder des Orchesters Sinfonietta Bardou, die mit ihren Konzerten ordentliche Einnahmen generierten. Diese Auftritte finden bis heute statt.
 

Freitag, 30. Oktober 2020

Boule mit Magneten und Erdbeermarmelade


 
Boule mit Erdbeermarmelade ist unehrenhaft...und Wasser geht garnicht
Boule-Regeln sind kompliziert, wenn man dieses einfache Spiel zu ernst nimmt. Boule-Regeln sind einfach, wie eine Kurzfassung beweist, die der Wirt der Bar du Midi – siehe Ziffern zwei, drei und vier! – formuliert und mit Reißzwecken am Fensterladen festgemacht hat:

1. Wer am nächsten dran ist hat gewonnen, es sei denn die Mitspieler kommen einvernehmlich zu einer anderen Entscheidung.

2. Pastis und Wein sind die offiziellen Wettkampfgetränke.

 
3. Wasser wird nur auf ärztliches Attest ausgegeben.

4. Getränke mitbringen ist nicht ehrenhaft!

5. Es ist ein Spiel der Ehre!


Ein höchst einsichtiges und auch für Nichtjuristen nachvollziehbares Regelwerk.

Dennoch eine Erläuterung. Ziffer 4 bezieht sich auf eine „Boule farcie“, eine Boulekugel, die genau da liegenbleibt, wo sie runterfällt, weil sie nämlich mit Quecksilber gefüllt ist. Und das ist unehrenhaft, solange nicht alle ihre „Boule farcie“ dabei haben. Die an der Bar und nach Mitternacht aufgestellte Theorie, daß eine Füllung aus Erdbeermarmelade oder Quittengelee noch wirkungsvoller sei, als die mit Quecksilber, konnte bis zur Morgendämmerung nicht widerlegt werden.

In dieser Nacht habe ich dann auch noch eine Vorlesung in der Regelkunde für sehr Fortgeschrittene erhalten. Ob ich jetzt auch noch über die Härtegrade Bescheid wissen wolle? Für die Noch-nicht-ganz-Spezialisten habe ich es notiert.

„Normalerweise liegen sie zwischen 130 und 155 Kilopond pro Quadratmillimeter gemessen nach dem Brindell-Verfahren.“

Bei der Weltmeisterschaft in Vézénobres wird ganz ernsthaft nach den 38 Paragraphen der Wettkampfordnung gespielt; mit einer Ausnahme. Die Kugeln sind weder aus Metall noch rund, sondern aus Holz und eckig. Alles andere wird korrekt berücksichtigt: Falls beim Aufschlagen eine Kugel in mehrere Teile springt, fließt deren größtes als ganze Kugel in die Wertung ein.


Wenn Sie mal garnicht mehr weiter wissen können Sie die Fédération Internationale de Boules in Macon anrufen:0033 358 195117. Oder Sie einigen sich nach Ziffer 1 des Patrons.

Jetzt können Sie sich ein Boulespiel kaufen, in den größeren Supermärkten finden Sie das überall, wobei ein Liter Pastis in der Regel deutlich billiger ist als die sechs Boule-Kugeln; aber Sie brauchen ja eh beides. Eine gute Investition sind die 2 Euro für einen Magneten am Schnürchen, der Ihnen das Bücken erspart. Und ein Beutel mit Cochonnets, den Schweinchen, wie die kleinen Zielkugeln traditionell genannt werden, lohnt ebenso. In alter Zeit und als noch alles verwertet wurde, sind diese Kugeln aus Schweineknochen hergestellt worden.

Und HIER ETWAS ÜBER BOULE IN MARSEILLE ,diesmal mit "runden Kugeln" und 200.000 Zuschauern.





 

Freitag, 9. Oktober 2020

Fabre: Der Mann, der die Insekten liebte

Jean-Henri Fabre vor der Kirche von Sérignan: Ein Denkmal, das er nie gewollt hat.
Von der Ausfahrt Orange-Nord braucht man nur ein paar Minuten bis nach Sérignan-du-Comtat; gerade zwei, drei Kilometer auf der N 7 nach Norden und dann gleich rechts rein. Nach fünf Minuten, am Ortseingang, rechts hinter der hohen Mauer, befindet sich der Harmas von Jean-Henri Fabre ( 0033 490 305762). Lange war es so: Wer sich Sérignan auf diesem Weg näherte, fuhr zunächst wie selbstverständlich am Haus von Fabre vorbei. Das Hinweisschild war so sehr von Efeu umrankt, daß man meinen konnte, Fabre selbst achte immer noch darauf, daß seine Sandwespen nicht gestört werden. Inzwischen führen einen, kaum daß man die N 7 verlassen hat, große Schilder ins „Pays de Fabre“, er selbst sitzt überlebensgroß am Straßenrand und eine Gottesanbeterin schmückt den Kreisverkehr vor dem Ort.


Ohne Fabre geht gar nichts mehr in Sérignan und Umgebung.
Sandwespe, Gottesanbeterin und Mistkäfer waren seine Lieblingstiere
Keine Schande, den Namen Fabre noch nie gehört zu haben, in Deutschland jedenfalls. In Frankreich sind Jean-Henri Fabre und sein Haus - das er Harmas nannte, nach dem provenzalischen Wort Ermès (Ödland) - und der verwilderte Garten verbreitetes Schulwissen. Und das nicht nur wegen der zahlreichen naturwissenschaftlichen Schulbücher, die Fabre verfaßte. Um den Harmas kaufen zu können, mußte er sich von seinem Freund John-Stuart Mill, dem englischen Philosophen, Nationalökonomen und einem der geistigen Begründer des Liberalismus, dreitausend Francs leihen. Erst nach Veröffentlichung seines dreißigsten Buches konnte Fabre das Darlehen zurückzahlen.
Fabres Haus in Sérignan: Besuchenswert

Als Fabre begann, dort seine Lieblingstiere, die Sandwespen, zu beobachten, in der Umgegend Versteinerungen zu sammeln und Aquarelle von Pilzen zu malen, lag das Anwesen außerhalb des Ortes. Heute hat der Ort es geschluckt und an der Mauer vor dem Haus parken die Busse mit den japanischen Touristen, von denen manche allein wegen Fabres Pilz-Aquarellen eine Europareise buchen; alle seine Zeichnungen finden Sie in dem wunderschönen Buch „Pilze“, das die mehrfach von der Stiftung Buchkunst ausgezeichnete Judith Schalansky für den Matthes&Seitz Verlag herausgegeben hat.

Diese Bilder versuchte schon 1908 der eben gekürte Literatur-Nobelpreisträger Frédéric Mistral zu erwerben, um sie in seinem Provence-Museum in Arles zu zeigen. Doch der „Homer der Insekten“, wie Victor Hugo ihn genannt hatte, lehnte ab, obwohl das Geld gut hätte brauchen können. „Mein liebliches Stück Eden“ nannte Fabre seinen verwilderten Garten. Hier gedenke er „künftig im Zwiegespräch mit den Insekten“ sein Leben zu verbringen.

„Ich studiere meine Tiere lebend, ich mache, daß man sie lieb gewinnt, ich arbeite unter der blauen Himmel beim Gesang der Zikaden. Ihr unterwerft die Zelle den Reagenzien.Ich beobachte den Instinkt in seinem erhabensten Ausdruck. Ihr erforscht den Tod, ich erforsche das Leben,“ kritisierte er die Laborforscher.

Fabre in seiner Studier-Experimentier-Schreibstube.           Foto: Harmas. Merci.
Den Dorfbewohnern blieb Fabre fremd, obwohl er seinen Akzent der Gegend angepaßt hatte. Als „kerzengerade, trocken und mager“ wie ein hundertjähriger Baumstamm beschrieb ihn sein Biograph Yves Delange. Mit den langen schwarzen Haaren und dem stechenden Blick lag Fabre oft stundenlang auf dem Boden, um seine Insekten zu beobachten. Manche Bauersfrau bekreuzigte sich vorsorglich im Vorübergehen, so wie man es machte, wenn man einem Wahnsinnigen oder einem Hexenmeister begegnet.

Den Nobelpreis hat Fabre nie bekommen, obschon er dreimal auf der Vorschlagsliste der Akademie gestanden hatte. Diesen Preis hätte er sicher angenommen. Ansonsten hielt er nichts von öffentlichen Ehrungen. Als er von den Plänen der Gemeinde, ihm ein Denkmal zu errichten, hört, sagte er zu dem blinden Dorfschreiner Guigue: „Ach, gottverdammt, Guigue, wenn man eine Statue von mir macht und ich noch am Leben bin, dann werde ich sie mit Fußtritten demolieren.“

Heute gibt es eine ganze Reihe von Fabre-Statuen und Gedenktafeln, eine natürlich auf dem Marktplatz zwischen der Bar und der Mairie von Sérignan – natürlich mit der Lupe in der Hand. Und neben den Denkmälern die ehrenvoll gemeinten Berufungen. Die Légion d‘Honneur in Person des Erziehungsministers Victor Duruy beauftragte ihn mit dem Aufbau der naturwissenschaftlichen Studiengänge der Abendschule in Avignon. Das entwickelte sich auch bestens, bis zu dem Zeitpunkt, als Fabre in einer seiner biologischen Vorlesungen, zu denen, damals noch nicht selbstverständlich, auch Frauen zugelassen waren, sehr plastisch die Befruchtung bei Pflanzen erklärte. Das wurde zum Anlaß genommen, ihn zu suspendieren.

Seine weltweite Bekanntheit hat Fabre seiner insektenkundlichen Forschung zu verdanken, die als „Souvenirs Entomologiques“ erschienen, Studien über den Instinkt und die Sitten der Insekten - so der Untertitel.


Ganz Sérignan im Blick: Fabre, Lichtner-Aix, die Kooperative und nach Marseille zu OM ist's auch nicht weit

Die Cave coopérative in Sérignan, Sie finden sie am Ortsausgang in Richtung Camaret macht einen Fabre-Wein, den sie Cuvée de l’Harmas nennt – ordentlich, aber nichts Besonderes. Wegen des Etiketts und natürlich wegen Fabre und seiner Lupe habe ich zwei Kartons mitgenommen. Und den geschmacksstarken Nuß-Senf nicht zu vergessen.

Event in Sérignan
Ansonsten tut sich nichts in Sérignan, das Dorf entwickelt mehr und mehr seinen toten Charme. Die Bar ist zu verkaufen, die Museen selten offen, im ehemaligen Office de Tourisme befindet sich heute die Gendarmerie und es gehört zu den ganz großen Events, wenn der Dorfpolizist einmal die Platanenblätter aus dem Abflußrohr des Brunnens entfernt. Dieses Glück hatten wir.



Dienstag, 29. September 2020

Weinaromen wie Bleistift, Marzipan, Rauchfleisch und Saint-Exupéry

Heute gehört es natürlich dazu zum Weinverkauf: Das Storytelling. Selten sind allerdings immer noch Geschichten, in denen ein Buch oder ein Schriftsteller eine Rolle spielen. So gibt es seit längerem eine Cuvée Racine als Rosé von der Kooperative in Bourdic oder den nach Anselme Mathieu benannten Roten aus Châteauneuf und seit Beginn des 21. Jahrhunderts auch einen Wein von der Domaine Gayda aus Brugairolles.

Hier gibt es den Chemin de Moscou, an dessen Ende einst der berühmte Moskauer Baum gestanden hat, der sich genau in nordöstlicher Richtung über dem Horizont abzeichnete. An ihm haben sich die Postflieger, unter ihnen Antoine de Saint-Exupéry, orientiert, wenn sie, aus  Nordafrika kommend, kurz darauf in Carcassonne landen wollten.

 
Wer von hier immer geradeaus fliegt, landet in Moskau, sagten die Piloten. Im Dorf wird allerdings erzählt, es sei ein Russe gewesen, der den Baum gepflanzt habe. Bis zur Französischen Revolution hätten hier die Gerichtstage und Gemeindeversammlungen stattgefunden. Wie dem auch sei, eine schöne Geschichte, bei der offensichtlich niemand so genau, was dahintersteckt. Weniger poetisch ist es einfach der alte Flurname, der sich auch heute noch im Grundbuch findet.

Nachdem zwei Engländer die Domaine gekauft hatten, Anthony Record und Tim Ford, der sie managt, holten sie im Jahr 2004 Vincent Chansault als Kellermeister dazu. Eine offensichtlich sehr gute Entscheidung, wenn man die Entwicklung der Weine betrachtet. Der rote Spitzenwein hat natürlich den Namen „Chemin de Moscou“ erhalten. 

Aus den Rebsorten Syrah, Grenache und Cinsault gewonnen, wird er über 21 Monate im Barrique ausgebaut. Der Syrah stammt unter anderem aus Parzellen in Latour de France, St. Martin de Fenouillet und Brugairolles. Der Grenache aus Tautavel und La Liviniere, der Cinsault aus La Livniere. 

Die Beschreibung des deutschen Importeurs ist mir etwas zu ausufernd. „Aromen von Brombeeren, Kirschen, Pflaumen, Himbeeren, Rauchfleisch, Kakao, Mokka, Bleistift, Zimt, Kardamom, Lebkuchen, Nelken, Pfeffer, Rosmarin, Marzipan, Veilchen und Lavendel“, heißt es da. Bleistift? Bei einer Weinprobe können Sie also sagen, was Sie wollen; es ist immer irgendwie richtig oder auch nicht oder wie oder was.